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Michael Mittermeier

"Ich schwebte vier Meter über der Erde"

Comedian Michael Mittermeier

(tsch) Funny bones ... - Jerry Lewis hat den Humor in den Knochen, und das gefiel dem kleinen Michael Mittermeier. Als er noch ein Kind war, schaute sich der Comedian am liebsten Jerry-Lewis-Filme an und wurde ein großer Fan des akrobatischen Grimmassenschneiders. Ein paar Jahrzehnte später traf Mittermeier sein Idol persönlich. Lewis war mittlerweile 79 und hatte sich bereit erklärt, für das ZDF eine Geburtstagshow zum 80., den er am 16. März feiert, aufzunehmen. - Mit dem ausdrücklichen Wunsch, dass Michael Mittermeier der Gastgeber ist. Klar, dass der sich nicht lange bitten ließ: "Happy Birthday, Jerry Lewis" heißt die Show, die vom Zweiten am Vorabend des Jubiläums ausgestrahlt wird. Sie hätte auch "Der Komödiant und sein Schüler" heißen können. Michael Mittermeier erklärt im Interview das Wesen der Comedy, schwärmt von seinem Lehrer und ist mächtig stolz darauf, den großen Jerry Lewis bei Laune gehalten zu haben.

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teleschau: Herr Mittermeier, können Sie eigentlich auf Befehl komisch sein?

Michael Mittermeier: Nein, ich bin nie auf Befehl komisch. Comedy ist eine Geisteshaltung - ich gehe nicht auf die Bühne und sage mir: "Du musst jetzt lustig sein." Für mich ist es einfach ein Teil meines Lebens, ein sehr schöner Teil. Deswegen muss ich mich dabei auch nie anstrengen.

teleschau: Der Humor steckt also in Ihnen?

Mittermeier: Jerry Lewis sagte einmal: "Entweder du hast es in den Knochen, oder nicht." Komisch zu sein, kann man nicht lernen.

teleschau: Was würde passieren, wenn Sie kurz vor einem Auftritt furchtbar schlechte Nachrichten übermittelt bekämen?

Mittermeier: Wenn ich schlecht drauf bin, ist es doch die beste Therapie auf die Bühne zu gehen und 2.000 Leute zu sehen, die mich anlachen. Es gibt nichts Besseres, um sich besser zu fühlen.

teleschau: Dann sind Ihre Auftritte auch immer ein wenig Selbsttherapie?

Mittermeier: Ich will das nicht überbewerten, aber es ist schon möglich. Denn im Grunde bin ich ein Getriebener, der ständig auf die Bühne muss. Wie Jerry Lewis. Der ist mit 80 Jahren noch voll im Geschäft und tritt demnächst wieder in Las Vegas auf. Comedy hat viel mit dem Bauch und dem Herzen zu tun.

teleschau: Was fasziniert Sie eigentlich so an Jerry Lewis?

Mittermeier: Er war der Erste, der mich als Kind bewusst zum Lachen brachte. Ich entdeckte schon damals etwas in seinem Gesicht und seinen Bewegungen, das mit mir harmonierte. Das tut es bis heute und beeinflusst zum Beispiel die Art, wie ich mich auf der Bühne bewege. Was ich faszinierend finde ist, dass Jerry Lewis mit seinem Gesicht und seinem Körper eine universelle Comedy-Sprache gefunden hat. Er hat in den Filmen nie viel geredet, aber trotzdem viel gesagt. Und er hat die Filme geschrieben, produziert, war Hauptdarsteller und Regisseur - wenn jemand das alles im Griff hat, dann fasziniert mich das auch. Außerdem hatten alle seine Filme einen guten Spirit. Auch das gefiel mir als Kind schon.

teleschau: Gab es einen Schlüsselfilm, der Sie zum Jerry-Lewis-Fan machte und bei dem Ihnen klar wurde, dass Sie Comedian werden wollen?

Mittermeier: Comedian wird man nicht, Comedian ist man, wenn auch zunächst nur unbewusst. Bei mir gab es kein Erweckungserlebnis. Es schlummerte ein Tier in mir, das ich irgendwann einfach raus ließ.

teleschau: Also könnte man Jerry Lewis als Ihren Katalysator bezeichnen?

Mittermeier: Er war derjenige, der mich viel und schon sehr früh beeinflusste. Als Kind denkst du nicht nach, sondern nimmst alles ungefiltert auf. Wenn dir etwas gefällt, dann ist das nur schön, toll und geil. Das bleibt in dir und setzt sich fest. Deswegen wird Jerry Lewis immer mein Großmeister der Comedy bleiben. Womit ich garantiert nicht der Einzige bin. Er beeinflusste fast jeden, der einmal auf der Bühne stand und seinen Körper bewegte, um Leute zum Lachen zu bringen.

teleschau: Wann haben Sie Ihren Großmeister das erste Mal getroffen?

Mittermeier: Ich hielt im vergangenen Jahr die Laudatio, als Jerry Lewis die Goldene Kamera für sein Lebenswerk bekam. Er fand es lustig, und ich war natürlich unheimlich stolz. Wir trafen uns am nächsten Tag und quatschten ein wenig. Das war alles. Dann hatte aber das ZDF die Idee mit der Geburtstagsshow. Jerry war einverstanden und sagte: "Es wäre schön, wenn der Michael das macht. Denn kenne ich und er ist lustig."

teleschau: Jerry Lewis selbst hat Sie als Showmaster vorgeschlagen?

Mittermeier: Ja, ich war der Erste, der ihm eingefallen ist. Ich fühlte mich, als würde ich einen 40 Kubikmeter großen Sack haben und vier Meter über der Erde schweben. Hey Mann, das ist Jerry Lewis. Der findet mich lustig und will mit mir zusammen eine Show machen!

teleschau: Haben Sie vor der Sendung die Köpfe zusammengesteckt?

Mittermeier: Die Sendung war im Prinzip improvisiert - ein Gespräch lässt sich nun einmal nicht planen. Das wollten wir auch gar nicht. Ich hatte zwar eine komplette Vorbereitung und hätte die Sendung über die Bühne gebracht, wenn Jerry nichts gesagt hätte, aber das hätte ja keinen Spaß gemacht. Im Endeffekt haben wir nur die Filmausschnitte, die wir einspielen wollen, festgelegt und dafür meine Lieblingsszenen und seine Lieblingsszenen kombiniert. Das Konzept war, ein ähnliches Gespräch zu führen, wie Truffaut und Hitchcock.

teleschau: Das berühmte "Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?" Also ein Gespräch zwischen zwei Generationen, die sich für die selbe Sache begeistern?

Mittermeier: Genau. Da saßen der Comedy-Schüler und der Comedy-Lehrer und haben sich unterhalten - auf gleicher Augenhöhe, sodass es ein schönes Gespräch werden konnte. Wir trafen uns vorher einige Male, um uns kennen zu lernen und miteinander zu quatschen. Aber nicht über die Sendung. Wir wollten nicht, dass das Gespräch verabredet wirkt. Vor der Kamera war Jerry dann total offen und spontan. Wir hatten einfach Spaß zusammen, vor und während der Show. Er sagte mir am nächsten Tag, dass er sich sauwohl gefühlt habe. Das werden Zuschauer merken. Und ein bisschen stolz bin ich natürlich auch, weil es nicht jeder schafft, diesen Mann bei Laune zu halten.

teleschau: Was hat Sie an diesem Abend am meisten überrascht?

Mittermeier: Er hat mich zum Lachen gebracht, ich habe ihn zum Lachen gebracht - mit schönen Episoden und unvorhergesehenen Dingen. Ich habe Jerry einen ganz persönlichen Sketch gewidmet, über den er sich sehr gefreut hat. Was ich auf jeden Fall versprechen kann: Jerry hat einfach tolle Geschichten erzählt. Zum Beispiel von seinem ersten Treffen mit Charlie Chaplin, seinem großen Idol. Das war ein besonderer Moment. "Du sitzt hier mit mir und bist ganz nervös, genauso ging es mir damals, als ich als junger Comedian zu Charlie Chaplin kam", sagte er. Da schließt sich irgendwie ein Kreis. Jerry war einfach völlig offen und ehrlich. Und meines Wissens hat er in den vergangenen 20 Jahren im deutschen Fernsehen kein Interview gegeben. Unsere Show ist außerdem die definitiv einzige Geburtstagssendung, die er gemacht hat. Das hat niemand in Europa, selbst in Amiland nicht.

teleschau: Warum dann in Deutschland?

Mittermeier: Er hat gesagt, dass die Deutschen immer seine größten Fans waren. Deswegen wollte er es machen - einfach, um sich bei ihnen zu bedanken.

Andreas Fischer


Macht Comedy, weil er nicht anders kann: Michael Mittermeier.
Macht Comedy, weil er nicht anders kann: Michael Mittermeier. (ZDF / Svea Pietschmann)

Den Zeigefinger hat Jerry Lewis (im Hintergrund) während der Show nicht erhoben - und Michael Mittermeier war mächtig stolz darauf.
Den Zeigefinger hat Jerry Lewis (im Hintergrund) während der Show nicht erhoben - und Michael Mittermeier war mächtig stolz darauf. (ZDF / Svea Pietschmann)

Da man nicht lernen kann, komisch zu sein, trifft es sich gut, dass Michael Mittermeier "funny bones" hat.
Da man nicht lernen kann, komisch zu sein, trifft es sich gut, dass Michael Mittermeier "funny bones" hat. (ZDF / Svea Pietschmann)

Datum: 08.02.2006

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