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Killerpilze

Pizza Funghi für alle

Band Killerpilze

(tsch) Tokio Hotel scheinen den Dreh raus zu haben, denn sie verrührten viel versprechende Zutaten: trendy Klamotten, jugendlich-fetziger Poprock mit deutschen Texten von vier noch nicht volljährigen Jungs und - wichtige Ingredienz -, viel Schminke und die auffällige Frisur des Sängers Bill. An einem ähnlichen Rezept versuchen sich nun ein paar Buben aus dem bayerischen Dillingen: auch allesamt unter 18, auch vier Jungs, auch authentische Mucke, auch bei Universal unter Vertrag. Die Killerpilze, die schon Musik machten, bevor sich Tokio Hotel öffentlich "Durch den Monsun" wagten, hauen mit ihrer Debüt-Single "Richtig Scheiße (auf ne schöne Art und Weise)" in eine ähnliche Kerbe - wollen aber mit ihren Magdeburger Kollegen nicht verglichen werden. Das wünscht sich nicht nur Drummer Fabi, mit seinen 13 Jahren das Nesthäkchen der Band.

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teleschau: Seit kurzem ist Eure Platte "Invasion der Killerpilze" im Handel. Dem Titel nach zu urteilen habt Ihr Großes vor ...

Fabi: Das klingt vielleicht so, aber wir wollen nur, dass uns die Leute kennen. Unser Ziel ist nicht unbedingt, auf Platz eins der Charts zu landen. Natürlich ist das ein angenehmer Nebeneffekt. Aber eigentlich wollen wir einfach geile Gigs und Shows vor vielen Menschen spielen. Das macht schließlich am meisten Spaß. Deswegen sind wir Musiker.

teleschau: Ihr spielt schon seit drei Jahren zusammen.

Fabi: Genau, wir gingen alle auf die gleiche Schule - Jo, Schlagi und Mäx (alle drei 17, d. Red.) waren in derselben Stufe und lernten sich dadurch kennen. Mich holte dann mein älterer Bruder Jo in die Band.

teleschau: Die Jugendzeitschrift "Bravo" hat Euch anfangs ziemlich gepusht. Hast Du alle Artikel über Euch aufgehoben?

Fabi: Die meisten schon! Richtig stolz waren wir, als wir auf den "Bravo"- und "Yam"-Covern zu sehen waren. Anfangs war das zwar recht seltsam, sich selbst auf dem Titelblatt zu sehen, und Texte über seine eigene Geschichte zu lesen, aber man gewöhnt sich daran.

teleschau: Wo hebst Du die all die Dinge auf?

Fabi: Ich habe in meinem Zimmer eine Killerpilze-Wand. Dort hängt alles, was ich über uns in die Finger kriege. Flyer, Poster, Postkarten, und so weiter. Die ist schon ziemlich voll! Aber ehrlich gesagt verfolgen wir das allesamt nicht manisch: Wir stehen nicht morgens um Punkt 7 Uhr im Zeitschriftenladen, um die erste Ausgabe zu ergattern.

teleschau: "Killerpilze" klingt ein bisschen nach einem Horrorfilm. Wie seid Ihr auf den außergewöhnlichen Namen gekommen?

Fabi: Die Erklärung ist viel profaner: Als ich mal beim Italiener eine Pizza Funghi bestellt hatte, lagen da riesige Pilze drauf. "Die sind ja Killer", sagte ich, und plötzlich hatten wir den Namen.

teleschau: Die Frage nach dem Namen hört Ihr bestimmt oft!

Fabi: Ja, neben der Frage nach der Konkurrenz zu Tokio Hotel. Journalisten wollen uns gerne mit denen in einen Topf werfen. Aber wir machen komplett unterschiedliche Musik. Wir sind Punk-Rocker mit Metal-Einflüssen, und die machen Pop. Klar, das Alter der Bandmitglieder ist ähnlich, und beide werden wir derzeit von den Medien gepusht. Wir sind halt für sie ein gefundenes Fressen. Aber wir wollen keine Vergleiche.

teleschau: Betrachtet Ihr sie trotzdem als Konkurrenten?

Fabi: Nein, wir gönnen den Jungs den Erfolg, denn sie machen ihre Sache gut. Wir haben sie auch schon ein paar mal getroffen und verstehen uns echt gut mit ihnen.

teleschau: Habt Ihr dieselben Fans?

Fabi: Ja, das sind schon einige, bei denen sich das überschneidet. Aber sicher gibt es auch viele, die noch vor wenigen Monaten Tokio Hotel gut fanden und jetzt uns, weil die sich so sehr von den Medien beeinflussen lassen. Es kommt auch vor, dass Kids rufen, dass sie Bill und Co. viel cooler finden - aber da stehen wir drüber. Jeder kann schließlich gut finden, was er mag.

teleschau: Was unternimmst Du, um bei dem Erfolg nicht abzuheben?

Fabi: Ich habe meine Leute um mich herum, die mich auf den Boden zurückholen - seien es die Eltern oder gute Kumpels. Daheim bin ich nicht mehr der Killerpilz-Fabi, sondern der ganz normale Fabi, wie er vor zwei Jahren war. Der mit seinen Jungs ein Eis essen geht. Ich bin froh, dass ich mich dorthin zurückziehen kann, um von den Killerpilzen und den Auftritten abzuschalten.

teleschau: Was sagen Eure Eltern zur Karriere? Sind die arg besorgt, dass die Schule in den Hintergrund geraten könnte?

Fabi: Im Gegenteil: Unsere Eltern haben uns immer voll und ganz unterstützt und uns ständig zu Auftritten gekurvt. Ohne die wären wir gar nicht so weit gekommen. Sie freuen sich riesig über unseren Erfolg. Wir wollen alle vier die Schule beenden, schließlich weiß man nie, was kommt, wenn es mit der Musik nicht mehr so flutscht. Schule gibt in dem harten Business einen gewissen Halt. Das war natürlich auch eine Voraussetzung für unsere Eltern. Wenn die Schule gut läuft, dürfen wir Musik machen. Und sie läuft tatsächlich sehr gut.

teleschau: Du bist in der 7. Klasse eines Gymnasiums. Durch die Auftritte verpasst Du sicher wichtigen Stoff ...

Fabi: Schule und Killerpilze sollen eigentlich möglichst strikt getrennt werden. An Wochenenden und in den Ferien ist Musik angesagt, unter der Woche der Unterricht. Wir legten unsere derzeitige Tour extra in die Pfingstferien.

teleschau: Ihr spielt auch, wenn bei der WM der Ball rollt!

Fabi: Das ist schon ein bisschen blöd, denn wir sind alle total Fußball-geil. Jetzt lassen wir wichtige Spiele aufnehmen.

teleschau: Mit insgesamt etwa 80 Auftritten seid Ihr fast schon alte Hasen. Wie hat sich das entwickelt?

Fabi: Zu Beginn spielten wir natürlich nur in unserer Umgebung. Mit der Zeit hat sich der Kreis erweitert, und jetzt sind wir in ganz Deutschland unterwegs. Das ist schon toll, denn zu Touren ist für uns das Größte. Und mit jedem Auftritt schwindet die Nervosität, wächst die Routine.

teleschau: Du bist als Drummer immer ein wenig im Hintergrund. Wünscht Du Dir mehr Beachtung?

Fabi: Nein, es ist ja immer mein Traum gewesen, am Schlagzeug zu sitzen. Seit die Band gegründet wurde, spiele ich das Instrument. Aber erst jetzt nehme ich richtig Unterricht. Vorher brachte ich mir das Spielen selber bei. Und wenn ich mal nicht weiter wusste, fragte ich einfach bei Kumpels nach.

teleschau: Was war das seltsamste Ding, das zu Euch auf die Bühne geflogen kam?

Fabi: Einmal segelte ein Nietengürtel auf die Stage, das war schon gefährlich. Aber ansonsten werfen Fans natürlich massenweise Kuscheltiere durch die Lüfte. Wir haben uns überlegt, all das zu spenden. Denn das ist mittlerweile so viel, dass wir damit gar nichts mehr anfangen können. Die sollen jetzt an ein Kinderheim gehen - wir hoffen, dass wir so anderen eine Freunde machen können.

Julia Schöppner


Einmal Pizza Funghi, bitte: Die Killerpilze (von links: Jo, Fabi, Mäx und Schlagi).
Einmal Pizza Funghi, bitte: Die Killerpilze (von links: Jo, Fabi, Mäx und Schlagi). (Universal)

Nach Tokio Hotel sind die Killerpilze die zweite Band, die so alt wie ihre Zielgruppe ist.
Nach Tokio Hotel sind die Killerpilze die zweite Band, die so alt wie ihre Zielgruppe ist. (Universal)

"Richtig Scheiße (auf ne schöne Art und Weise)" sind die Killerpilze schon seit drei Jahren.
"Richtig Scheiße (auf ne schöne Art und Weise)" sind die Killerpilze schon seit drei Jahren. (Universal)

Datum: 18.06.2006

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Diskussion: "Killerpilze"

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