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Ruth Maria Kubitschek

"Leben hat kein Alter"

Schauspieler Ruth Maria Kubitschek

(tsch) "Es geschieht einfach", sagte Ruth Maria Kubitschek, als man sie im vergangenen Jahr nach ihrem jüngst wieder stark vermehrten Fernsehschaffen fragte. Einen Grund dafür, in so vielen neuen Fernsehfilmen mitzuwirken, gebe es so richtig nicht. "Warum sollte man nicht spielen, wenn man 73 ist?" Ja, warum nicht. Wüsste man das Alter nicht, wäre man ohnehin verblüfft. Ruth Maria Kubitschek ist jung geblieben, fast so jung wie am ersten Tag ihrer neuen, sagen wir: zweiten Karriere als Gefährtin des "Monaco Franze" in der legendären Münchner Serie an der Seite Helmut Fischers unter der Regie von Helmut Dietl. Nun, am 2. August, vollendet die viel gerühmte Schauspielerin, Autorin und Malerin ihr 75. Lebensjahr, und mit einem ganz besonderen Dreh auf der Trauminsel Santorin gab's das schönste Geschenk schon im Vorfeld.

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teleschau: Frau Kubitschek, Sie standen gerade auf Santorin für die Verfilmung Ihres eigenen Romans "Das Wunder der Liebe" vor der Kamera. Sie spielen die Heldin, eine Frau in den 50-ern. Welche Bedeutung hat das Wort "Alter" für Sie?

Ruth Maria Kubitschek: "Alter" definiere ich gar nicht. Älter zu werden, hat für mich am ehesten mit Begriffen wie "Weisheit", "Loslassen", "Freiheit", "Bindungslosigkeit" zu tun.

teleschau: Wie passt Ihre langjährige Beziehung zu dem Produzenten Wolfgang Rademann zum Begriff "Bindungslosigkeit"? Sie bezeichneten ihn einmal als Ihren "Seelenpartner" ...

Kubitschek: Meine Beziehung zu Wolfgang Rademann kann man schwer schildern.

teleschau: Aber Sie könnten beschreiben, wie Sie das Wort "Seelenpartner" mit Leben erfüllen?

Kubitschek: Ich muss dazu sagen, entscheidend ist doch, dass das Wort mit Leben gefüllt ist. Seit 30 Jahren leben wir diese Partnerschaft trotz vieler Arbeit. Wahrscheinlich wird es immer eine Fernbeziehung bleiben.

teleschau: Wie hat sich generell Ihr Blick auf die Liebe verändert? Was sollten Jüngere von der älteren Generation lernen?

Kubitschek: Ich glaube, Leben hat kein Alter. Beziehungen sind Liebe in Entwicklung, weil man in der Liebe immer miteinander Schmerz, Freude und Leid ausdrückt. Ich weiß nicht, ob Jüngere von Älteren lernen können, weil jeder die Erfahrungen selber machen muss. Ratschläge sind oft das Schlechteste, was man einem jungen Menschen geben kann. Man sollte Erfahrungen möglichst vorleben. Aber ich denke, Frauen sind heute immer bereit, Kinder zu bekommen, und brauchen nicht unbedingt einen Ehepartner.

teleschau: Haben Sie die Diskussion um Christiane Hörbigers Rolle im Fernsehfilm "Mathilde liebt" mitbekommen? Hat Sie das Medienecho auf die Erotikszenen erschrocken?

Kubitschek: Diesen medialen Aufschrei verstand ich gar nicht, denn zur Liebe gehört eben auch das Bett. In meinem Buch "Das Wunder der Liebe" sind auch viele erotische Szenen. Es wundert mich, dass das kein Echo gab ...

teleschau: Heißt das, Sie würden selbst eine solche Rolle gerne noch spielen?

Kubitschek: Warum nicht! Man muss es nur sehr delikat machen. Es braucht einen guten Regisseur und eine guten Kameramann.

teleschau: Auf Santorin arbeiteten Sie wieder mit Regisseur Thomas Jacob. Welche Bedeutung hat diese Produktion für Sie persönlich?

Kubitschek: Es ist fast wie ein Traum für mich, dass ein Buch von mir verfilmt wird. Natürlich hat das einen hohen Stellenwert. Ich würde sagen, dies ist schon sehr einmalig, weil ich dass in meiner Kariere noch nicht erlebt habe.

teleschau: War es denn Ihre Idee, den Roman zu verfilmen?

Kubitschek: Nein. Die Idee kam von Produzentin Regina Ziegler, die mich gebeten hatte, schon die ersten Fahnen des Buches, noch vor dem Druck lesen zu dürfen, um zu sehen, ob es sich für eine Verfilmung eignet. Nach dem Lesen des Buches hat Regina Ziegler sofort die Option für die Verfilmung ausgesprochen und veranlasst, dass Autorin Marlis Ewald ein Drehbuch schreibt.

teleschau: Ist es nicht etwas eigenartig, wenn man so direkt miterlebt, dass der eigene Roman auf Spielfilmformat "zurechtgestutzt" wurde?

Kubitschek: Natürlich hat ein Drehbuch andere Gesetze als ein Roman. Vieles ist dramaturgisch anders als in meinem Buch, aber die Liebesgeschichte zwischen Konstantin und Elisabeth, diese schicksalhafte Begegnung zweier nicht mehr ganz junger Menschen, ist geblieben. Und darüber bin ich sehr glücklich. Ganz besonders glücklich bin ich über die Zusammenarbeit mit Thomas Jacob, mit dem ich schon "Die Hochzeit meiner Töchter" und "Wunschkinder und andere Zufälle" gedreht habe. Genauso freut es mich, dass Tina Ruland wie schon damals wieder meine Tochter spielt.

teleschau: Was schätzen Sie an Thomas Jacob?

Kubitschek: Er ist, wenn Sie so wollen, einer meiner Lieblingsregisseure. Weil er sich nie zufrieden gibt, mit dem was man anbietet. Er verlangt ganz genaue Ausdrücke einer bestimmten Stimmung. Ich muss ihm das Kopliment machen, dass ich bei meiner Arbeit mit ihm an meine Ausbildung im Stanislawski-Institut erinnert werde, wo man den größten Wert auf die Wahrhaftigkeit des Denkens beim Spielen gelegt hat.

teleschau: Stand es für Sie von Anfang an außer Frage, dass Sie die Rolle der Elisabeth, also die Heldin in Ihrem eigenen Roman, spielen würden?

Kubitschek: Nein. Von Anfang an wollte ich gar nicht die Elisabeth spielen. Ich hatte die Figur wirklich aus meinen Gedanken hergegeben. Es standen andere Schauspielerinnen in der Diskussion, aber Regina Ziegler und die Degeto (ARD-Filmtochtergesellschaft, Anm. d. Red.) fanden es besser, wenn ich diese Rolle selbst spiele.

teleschau: Wie fühlte sich dieser Dreh auf der romantischen Kykladen-Insel für Sie an?

Kubitschek: Toll. Diesen besonderen Ort habe ich ja selbst ausgesucht. Santorin ist einer der mystischsten Orte der Erde mit einer hohen Energie, die wir auch spürten.

teleschau: Gönnten Sie sich bei all der Arbeit vor Ort auch die Zeit, etwas zu ruhen, zu meditieren - und vielleicht ein wenig zu träumen?

Kubitschek: Ich meditiere jeden Tag, sonst könnte ich gar nicht arbeiten. Wenn ich abends manchmal in einem Lokal mit Blick auf die Bucht in das ganz besondere Licht sah, dann träumte ich natürlich und konnte es kaum fassen, dass ich hier bin.

teleschau: Warum wählten Sie ausgerechnet Santorin als Schauplatz?

Kubitschek: Ich erinnere mich genau: Ich war auf einem Schiff, drehte einen italienischen Film: Als ich zum ersten Mal Santorin sah, dachte ich, auf den Felsen liegt Schnee, der Regisseur belehrte mich eines Besseren: "Das sind die weißen Häuser von Santorini", erklärte er. Seitdem hat mich diese Insel nicht mehr losgelassen. Ich habe mir zu Hause ein großes Buch mit einem Bild von Santorini aufgestellt und über eine Geschichte nachgedacht.

teleschau: Wie darf man sich das konkret vorstellen, wenn Sie sich eine Geschichte ausdenken?

Kubitschek: Meistens fällt mir in der Nacht eine Geschichte ein, und dann gleich von A bis Z. Dann muss ich sie nur noch aufschreiben, und so war es auch in diesem Fall.

teleschau: Im Buch und im Film wird die Geschichte einer Frau erzählt, die vom Schicksal an diesen neuen, wunderbaren Ort gespült wird. Wie stark wühlt in Ihnen selbst die Sehnsucht nach fernen Ländern oder vielleicht sogar nach einem Aussteigen für immer?

Kubitschek: Fernweh habe ich eigentlich nicht, da mein Zuhause am Bodensee sehr schön ist. Da ich aber immer Bücher schreibe über Frauen, die aussteigen, und ich schon oft in meinem Leben ausgestiegen bin in eine neue Situation, und daher weiß, wie viel Kraft in einem Neuanfang liegt, träume ich immer noch: dass ich eines Tages wieder neu aussteige und irgendwo auf der Welt neu anfangen könnte.

teleschau: Und welche beruflichen Träume haben Sie noch?

Kubitschek: Ich kann nur sagen, wovon ich im Moment träume. Das ist mein neuer Roman "Der indische Ring", der Ende Juli erscheint. Auch hier hat Regina Ziegler schon die Fahnen gelesen und will den Stoff wahrscheinlich verfilmen. Dieses Mal habe ich das Buch, die Hauptrolle, auf mich geschrieben. Ich hoffe, dass der Buchhandel das Buch prominent präsentiert. Ja, von dieser Rolle träume ich noch.

teleschau: Ansonsten sind Sie rundum zufrieden?

Kubitschek: Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich sehr glücklich fühle, weil ich doch ein langes Leben der Arbeit hinter mir habe, und der Erfolg nicht immer an meiner Seite ging. Besser gesagt: Die innere Befriedigung, dass ich jetzt etwas mache, nicht um Erfolg zu haben, sondern einfach meinem Buch helfe, sich zu verwirklichen, macht mich glücklich.

Anlässlich ihres 75. Geburtstages ist Ruth-Maria Kubitschek wieder in zahlreichen Fernsehrollen zu sehen. Unter anderem im Programm: "Das Traumhotel - Zauber von Bali" (Montag, 10.07., 20.15 Uhr, Südwest Fernsehen); "Das Geheimnis der Mittsommernacht" (Montag, 17.7., 20.15 Uhr, ZDF); "Traumhotel- Überraschung in Mexiko" (Montag, 24.07., 20.15, Südwest Fernsehen); "Wunschkinder und andere Zufälle" (Mittwoch, 2.8., 21.45 Uhr, Bayerisches Fernsehen; Freitag, 4.8., 22.00 Uhr, rbb).

Frank Rauscher


Ruth Maria Kubitschek, Schauspielerin, Malerin, Autorin. Meist spielt sie schillernde, doppelbödige adelige Damen aus den oberen Schichten.
Ruth Maria Kubitschek, Schauspielerin, Malerin, Autorin. Meist spielt sie schillernde, doppelbödige adelige Damen aus den oberen Schichten. (teleschau)

Ruth Maria Kubitschek spielte in der ZDF-Produktion "Das Geheimnis der Mittsommernacht" (wird am Montag, 17. Juli, 20.15 Uhr, im ZDF wiederholt) an der Seite von Jennifer Nitsch.
Ruth Maria Kubitschek spielte in der ZDF-Produktion "Das Geheimnis der Mittsommernacht" (wird am Montag, 17. Juli, 20.15 Uhr, im ZDF wiederholt) an der Seite von Jennifer Nitsch. (ZDF / Maik Gast)

Traumrolle: Szenenfoto aus dem Film "Das Wunder der Liebe", der gerade auf Santorin gedreht wurde (Ruth Maria Kubitschek und Cuco Wallraff).
Traumrolle: Szenenfoto aus dem Film "Das Wunder der Liebe", der gerade auf Santorin gedreht wurde (Ruth Maria Kubitschek und Cuco Wallraff). (Ziegler Film GmbH & Co. KG)

Datum: 08.07.2006

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