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Nie mehr Tina TurnerSängerin Christina Stürmer (tsch) Vielleicht ist es ganz gut, dass man in Deutschland Christina Stürmer nicht aus dem Fernsehen, sondern aus dem Radio kennt. Denn, ohne das österreichische "DSDS"-Pendant "Starmania", wo sie Zweite wurde, runterputzen zu wollen: In Deutschland hat das niemand geguckt. Niemand sah, wie sich die Linzerin zwischen tausenden Casting-Mäuschen durchsetzen musste. Wir bekamen sozusagen die fertige Künstlerin. Und die ist eine, die sich nichts sagen lässt, die aus dem Kleinmädchenschema ausbricht, ohne das groß zu thematisieren. Bauchfreie Kleidung? Nicht ihre Sache. Shoppen? Nee, interessiert sie nicht. Lieblingsbands: Snow Patrol, Eagles Of Death Metal, Queens Of The Stone Age. Jetzt erscheint mit "Lebe Lauter" das zweite Album von Christina Stürmer. Anzeige Genauer gesagt: das dritte, denn der Vorgänger "Schwarz Weiß" war eine Nur-Deutschland-Veröffentlichung, für die Material aus zwei Alben, die in Österreich längst auf dem Markt waren, einfach gemischt wurde. In ihrer Heimat spielt sie schon länger oben mit - der Hit "Ich lebe" erschien dort bereits vor drei Jahren. Jetzt hat man die Veröffentlichungstermine einigermaßen synchronisiert, und Christina atmet auf: "Es war schon ein bisschen mühsam, vor allem bei Interviews. Da musste ich immer überlegen, was der Gesprächspartner denn eigentlich schon kennt. Jetzt kann ich überall das Gleiche erzählen." Zum Beispiel, dass "Lebe Lauter" nach einer ersten Klausur in den Obertauern in einem legendären Hamburger Studio entstand, in dem in der Vergangenheit die Ärzte oder Rosenstolz aufnahmen: "Wir waren gerade auf einer Tour durch Österreich, und immer wenn Zeit war, flogen oder fuhren wir hoch nach Hamburg. Den letzten Schliff bekamen die Songs dann in Husum, also noch weiter im Norden." Dabei waren Christina Stürmer und ihre Band erstmals zu fünft im Studio, werkelten gemeinsam an den Liedern. "Früher waren da Session-Musiker, die das als Arbeit begriffen haben, die ich zum Teil nicht einmal kannte. Jetzt, mit meinen Jungs, ist da natürlich viel mehr Leidenschaft dabei. Die Bänder waren komplett leer - und Klaus, unser Drumer, begann mit den ersten Spuren. Diese Platte lebt - das ist dann auch der größte Unterschied zum Vorgänger. Sie ist das Resultat von dreieinhalb Jahren intensiven Tourens." Auch wenn einige Songs direkt aus Christinas Herzen kommen, andere wiederum mit der Band entstehen: Für sie ist es kein Problem, Fremdmaterial zu adaptieren: "Wir bekommen irsinnig viele Demos zugesandt. Tom Albrecht hat zum Beispiel einige Lieder beigesteuert. Er kennt uns von der Deutschlandtour, und vielleicht auch deshalb haben die Stücke wie die Faust aufs Auge gepasst. Für mich macht das keinen so großen Unterschied. Was mir nicht gefällt, wird nicht gesungen. Es muss auf mich passen. Ein genialer Song ist schließlich ein genialer Song." Christina Stürmer setzt ihren Kopf durch, und das liegt auch daran, dass ihre Lieder in Österreich immer noch anders wahrgenommen werden als in Deutschland. "In Österreich bin ich eine öffentliche Person, die Leute haben mich übers Fernsehen kennen gelernt. Die Kameras haben mich fast bis aufs Klo verfolgt. In Deutschland kennt man mich über die Videos, das Radio oder die Konzerte." Eher "Eigentum" sei sie in Österreich gewesen, was nicht immer angenehm war. So wurde ihr von der Boulevardpresse hintereinander erst Magersucht und fast anschließend eine Schwangerschaft unterstellt. Beides war völlig an den Haaren herbeigezogen. "Mit der Zeit lernt man damit umzugehen, drüber zu stehen. Aber damals hat das schon weh getan, vor allem weil das ja auch meine Eltern und meine Freunde gelesen haben." Dass dennoch alles so gut lief, lag sicher daran, dass sie stark blieb, keine Kompromisse einging. "Das fing schon in der Show an. Als ich 'Ein Kompliment' von den Sportfreunden Stiller performen wollte, waren sowohl Jury als auch Vocal Coach dagegen, sagten, das sei viel zu unbekannt und außerdem kein geeigneter Song. Ich hab's trotzdem gewählt." In Deutschland singt Christina Stürmer mit "Nie genug" die Titelmelodie zur neuen RTL-Soap "Alles was zählt" - und auch, wenn sie eigentlich kein Fan des Formats Telenovela an sich ist, freut sie sich über die Möglichkeit, neue Fans zu gewinnen. "Man kommt anders zu den Leuten, wenn man plötzlich zu der Uhrzeit im Fernsehen stattfindet." Auf ein Treffen mit der Hauptdarstellerin Tanja Szewczenko ist sie sehr gespannt: "Ich denke, dass das nett wird - auch wenn RTL mitfilmt. Hoffentlich wollen die keine gestellten Szenen, aber irgendwann ist sie ja weg, die Kamera." Christinas Karriere begann früh. Mit 13 Jahren fing sie an, in einer Jazz-Formation zu spielen, zunächst Klarinette und Saxofon, irgendwann stand sie am Mikro. Mit 18 sang sie in einer Coverband. So lernte sie ihr Handwerk - nicht nur im Pop, sondern auch im Jazz. "Da nimmt man was mit. Gefühl, zum Beispiel, und die Fähigkeit, Songs mal anders zu spielen. Wir haben, als wir im Rahmen der Jägermeister Rock Liga unterwegs waren, eigene Nummern in ein Bossanova-Kleid gewandet", erzählt sie - nicht ohne anzumerken, dass sie tendenziell schon im Deutschrock bleiben wolle - vielleicht auch, weil sie da anziehen kann, was sie möchte. Wenn sie an ihre ersten Auftritte denkt, kommt nämlich einiges hoch: "Wir hatten bei oben erwähnter Jazzband einen Leader, der meinte, dass 80 Prozent der Wahrnehmung eines Auftritts über die Ohren gehen würden - und deshalb mussten wir uns verkleiden. Da habe ich einmal Tina Turner gecovert - im Pailetten-Mini und mit Perücke. Der bislang fürchterlichste Auftritt meines Lebens!" Jochen Overbeck |
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