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Insider(tsch) Mit einem Sack über dem Kopf wird da jemand durch eine orientalische Stadt kutschiert. Es dauert eine Weile, bis der Zuschauer erfährt, mit wem er es zu tun hat. Lowell Bergman heißt der mutige Produzent des renommierten US-Nachrichtenmagazins "60 Minutes", der sich selbst in Gefahr begibt, um ein wertvolles Interview zu erhalten. Bedeutsam für den Rest von Michael Manns Film "The Insider" (1999), den kabel eins nun wiederholt, ist der Opener nicht, doch genügt er, um eine der beiden zentralen Personen des Films vorzustellen und ihren Charakter zu beschreiben. Bei der zweiten ist dies weitaus komplexer. Anzeige Es ist, wie so oft, eine wahre Geschichte, die dem Film zugrunde liegt. Im Mittelpunkt steht der CBS-Journalist Lowell Bergman (Al Pacino), der Wind von einem Skandal bekommt. Es geht um die geheime chemische Manipulation der Zigaretten durch einen mächtigen Hersteller, die den Suchtfaktor beim Konsumenten erhöht. Forschungsleiter Dr. Jeffrey Wigand (Russell Crowe) kennt die Wahrheit und ist nach langen Verhandlungen bereit, in "60 Minutes" auszusagen. "The Insider" ist jedoch mehr als eine Abrechnung mit skrupellosen Industriellen. Es ist vor allem der Journalismus, der am Pranger steht, unterwarf sich doch CBS damals den Drohungen der Betroffenen. Um einer Klage der Zigarettenindustrie aus dem Weg zu gehen, wurde das Interview aus der Sendung geschnitten. Das Leben Dr. Jeffrey Wigands war zu diesem Zeitpunkt längst nur noch ein Trümmerhaufen. Von geheimnisvollen Morddrohungen ist die Rede, seine Karriere ist am Ende, seine Frau verlässt ihn. Als ihm Bergman gestehen muss, dass das Interview nicht gesendet wird, ist dies einer der bewegendsten Momente eines Films, der nicht nur durch seinen Inhalt, sondern auch durch seine Machart bemerkenswert ist. Michael Mann führte Regie bei "The Insider", der für mehrere Oscars nominiert wurde. Einige Jahre zuvor hatte er bereits "Heat" (ebenfalls mit Al Pacino) in Szene gesetzt. Doch diesmal musste er sich an die Vorlage halten, die die Wahrheit bot. "Insider", der in den deutschen Kinos eher schleppend lief, ist kein temporeicher- oder gar actiongeladener Film. Seine getragene Erzählweise und die Länge von zweieinhalb Stunden machen es dem Betrachter nicht leicht. Manchmal kommt das Kriminaldrama eher wie ein Dokumentarfilm daher. Da hilft die Leistung der beiden Hauptdarsteller, an deren Glaubwürdigkeit nie ein Zweifel besteht. Niemand, der nicht mitfühlen würde bei der inneren Zerrissenheit Dr. Wigands, der für die Ehrlichkeit sein ganzes Leben aufs Spiel setzte und schließlich alles zu verlieren droht. Russell Crowe, der schon in "L.A. Confidential" bleibende Eindrücke hinterließ und für diesen Film sichtbar an Körpergewicht zunahm, spielt keinen Helden, keinen selbstbewussten Streiter für die Gerechtigkeit. Es bedarf erst schwerer Überzeugungsarbeit, um ihn zu den Aussagen zu bewegen. Tom Ruder |
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