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"Australia" ist kein "Vom Winde verweht"

Australia

(cg/tsch) Was Baz Luhrmann in "Australia" versucht, ist nichts weniger als ein Epos. Alles in einem sozusagen: Liebe, Landschaft, Drama, Action und natürlich Anspruch - der ganz große Wurf sollte "Australia" werden. Ein paar Mal ist das in der Filmgeschichte schon gelungen. "Vom Winde verweht", "Doktor Schiwago" und "Titanic" sind die spektakulärsten Beispiele. "Australia" lässt sich da nicht einreihen. Zu dick trägt Nicole Kidman auf, als High Society Lady, die sich einem Viehtreiber zuliebe auf die rauen Gepflogenheiten des Outback-Lebens einlässt, zu pompös inszeniert Luhrmann die Landschaft Australiens, zu viele schöne Bilder haben keine Bedeutung. "Australia" ist großes Kino von vorgestern.

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Die ersten 30 Minuten lassen Schlimmes befürchten. Da taucht sie also kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs in Australien auf, die elitäre Lady Sarah Ashley, die von England quer über den Globus gereist ist, weil sie glaubt, ihr Mann betrüge sie. Gnadenlos überzeichnet Nicole Kidman in diesen ersten Sequenzen diese affektierte Frau aus der Upper-Class. Und der Zuschauer ahnt, dass dies nur geschieht, um die Fallhöhe in der Folge ausreichend groß zu machen. Denn natürlich wird sich Sarah Ashley an die Wildnis Australiens, an die rüden Umgangsformen gewöhnen müssen. Und sie wird beginnen, das Land zu lieben und seine einfachen Menschen zu schätzen.

Der Blick auf Australien wird ihr von Hugh Jackman geöffnet. Der "Sexiest Man Alive" spielt Drover, einen Viehtreiber aus dem Bilderbuch. Derbe Umfangsformen, harte Sprüche, Typ einsamer Wolf. Baz Luhrmann setzt ihn in Zeitlupe halbnackt in Szene, was nicht nur unfassbar kitschig, sondern eben irgendwie auch ironisch ist. Hugh Jackman wandelt sicher auf diesem schmalen Grat zwischen Klischee und Authentizität. Es ist zu spüren, wie er diese Rolle genießt. Eine Figur, wie es sie eigentlich nur in den großen Hollywood-Zeiten eines Clark Gable gab.

Zunächst mal können sich die beiden so gar nicht leiden. Aber jeder, wirklich jeder im Kino weiß natürlich, dass sich der bodenständige Australier und die abgehobene Lady irgendwann vor der imponierenden Kulisse Australiens schmachtend in den Armen liegen werden. Weil sie aufeinander zugegangen sind. Er wird sich den Bart abrasieren und einen Anzug anziehen. Sie wird den Hut abnehmen und im freien Feld ihre Männlichkeit beweisen. Doch zunächst gilt es, die Farm ihres inzwischen verstorbenen Mannes zu retten. Zu diesem Zweck müssen 1.500 Rinder quer durchs Outback getrieben werden.

Begleitet wird das ungleiche Paar dabei von ein paar originell ausgesuchten Australiern. Und vor allem von einem heimatlosen Aborigine-Mischling und Waisenkind namens Nullah (Brandon Walters), der von der von Klassen- und Rassenschranken geprägten Gesellschaft ausgeschlossen ist. Er gehört zur sogenannten "Stolen Generation", also zu jenen meist halbblütigen Kindern, die damals in Australien ohne Gerichtsbeschluss aus ihren Familien entfernt wurden, um sie als Weiße zu erziehen und der Gesellschaft zuzuführen.

"Australia" hat also alles: Liebe, Landschaft, Leidenschaft. Humor, Drama, Anspruch. Von allem aber sicher ein bisschen viel. Man muss bereit sein für so viel Epos, für so viele Berge als Kulisse für noch mehr Emotion. Irgendwann sorgt ein Bombenangriff sogar noch für eine Portion Action. "Ich glaube an sein Talent, an seinen unbedingten Willen, der Welt Schönheit zu schenken", sagt Nicole Kidman über den Regisseur Baz Luhrmann (beide arbeiteten für das Musical "Moulin Rouge" bereits einmal zusammen).

Doch über eine so lange Zeit hinweg mag manchem diese "Schönheit" ein bisschen lästig werden, zumal die Kamera (Mandy Walker) jede, wirklich jede Gelegenheit geradezu schamlos ausnutzt. Die Dramatik manch anderer großer Epen, "Vom Winde verweht" etwa, "Doktor Schiwago" oder auch "Titanic", erreicht "Australia" nicht. Aber er darf für sich in Anspruch nehmen, das klassische Erzählkino mit großen Gesten wieder auf die Bühne der Gegenwart geholt zu haben.

Kai-Oliver Derks

Credits:
V:Fox, AUS / USA 2008, R: Baz Luhrmann, D: Nicole Kidman, Hugh Jackman, Brandon Walters u.a.

Laufzeit: 166 Min.

Kinostart:
25. Dezember 2008


(2008 Twentieth Century Fox)

Lady Sarah Ashley (Nicole Kidman) kümmert sich um den Mischlingsjungen Nullah (Brandon Walters).
Lady Sarah Ashley (Nicole Kidman) kümmert sich um den Mischlingsjungen Nullah (Brandon Walters). (2008 Twentieth Century Fox)

Drover (Hugh Jackman), ein Viehtreiber, hat zunächst recht rüde Umgangsformen.
Drover (Hugh Jackman), ein Viehtreiber, hat zunächst recht rüde Umgangsformen. (2008 Twentieth Century Fox)

Datum: 21.12.2008

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