"Die Tudors" machen Jonathan Rhys Meyers zum Star
Von der Tütensuppe zu den TudorsSchauspieler Jonathan Rhys Meyers (vm/tsch) Eigentlich hätte Jonathan Rhys Meyers schon vor zehn Jahren zum Star werden sollen. Sein Auftritt in Todd Haynes' Glamrock-Hommage "Velvet Goldmine" bekam damals enthusiastische Kritiken. Doch dann vergingen nochmal sieben Jahre, bis der heute 31-jährige Ire erneut für Aufsehen sorgte. In Woody Allens Meisterwerk "Match Point" spielte er den Emporkömmling, der auch vor Mord nicht zurückscheut, um seinen Aufstieg zu sichern. Seinen jetzigen Job als König Henry VIII. von England verdankt er der Aura, die ihn in seinen beiden bekanntesten Filmen umgab. In der zweiten Staffel der TV-Serie "Die Tudors" stellt Jonathan Rhys Meyers den Monarchen als agilen, sexhungrigen Machtmenschen dar. "Die Tudors" läuft ab dem 27. Dezember auf ProSieben. Anzeige In "Die Tudors" wird der englische König zu einem Pop-Star hochstilisiert - ein Umstand, der Meyers gelegen kommt. Sein alterloses, androgynes Aussehen zeichnet den Iren aus und brachte ihm nun gar eine Nominierung für den "Golden Globe" als bester Seriendarsteller ein. Schon Woody Allen war von der "Zerrissenheit und Leidenschaft" beeindruckt, sodass er ihm die Rolle des skrupellosen Declan in seinem Film "Match Point" (2005) gab. "Er ist großartig", schwärmte Allen über das junge Talent. Zu diesem Zeitpunkt war der am 27. Juli 1977 in Dublin als Jonathan Michael Francis O'Keeffe geborene Schauspieler bereits kein Unbekannter mehr. Nach seiner ersten Hauptrolle im Film "Auf der Suche nach Finbar" (1996) folgte bereits zwei Jahre später der Durchbruch mit "Velvet Goldmine" von Todd Haynes. Darin spielt Meyers den bisexuellen Glamrock-Star Brian Slade, der als "Maxwell Demon" eine erfundene Bühnenpersönlichkeit ins Leben ruft. Allerdings blieb es damals für den Darsteller ein Mysterium, warum gerade er die Rolle bekam. "Ich bin ein einfacher Junge aus Cork, der als Kind vor der Glotze saß und dachte, dass Superstars übermenschlich sind, und ich nie einer von denen werden kann. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Sylvester Stallone und Michael Jackson auch ab und zu auf die Toilette gehen müssen wie ich." Seine darstellerischen Fähigkeiten sieht Meyers dementsprechend kritisch. Den mittlerweile anhaltenden Medienrummel um seine Person findet er eher amüsant. Besonders bei Autogrammstunden habe er das Gefühl, die Begeisterung für seine Person sei nur gespielt. "Schmeißen die hinter meinem Rücken die Karten weg?", fragte er einmal ungläubig. Dass sich Meyers für die Schauspielerei entschied, lag an seiner Kindheit. "Als kleiner Junge war ich ein ausgezeichneter Dieb und Lügner. Also musste ich auch gut Theater spielen können, um zu überleben", erklärte er. Bis heute habe die Schauspielzunft für ihn nur den einen Sinn: von der Straße weg zu bleiben und keine krummen Dinger mehr zu drehen. Leicht hatte er es wahrlich nicht: Als Jonathan auf die Welt kam, entdeckten Ärzte bei ihm einen Herzfehler. Er wurde vorzeitig getauft, weil man vermutete, dass er nicht lange zu leben hatte. Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt als Säugling konnte er jedoch entlassen werden. "Jonny", wie ihn Freunde und Verwandte nannten, wuchs im irischen Arbeitermilieu auf. Seine Mutter war alkoholabhängig, und sein Vater verließ früh die Familie. Während der Schulzeit fiel Meyers eher durch Schlägereien als durch gute Noten auf. Es folgte der Rausschmiss mit 16 Jahren. Danach hielt er sich in Billardhallen in Cork auf, wo ihn ein Talentscout entdeckte. Ein Werbespot für eine Tütensuppe öffnete ihm die Tür in die Filmwelt. Zu seinem Repertoire gehören vor allem undurchsichtige oder innerlich zerrissene Menschen. Nach "Velvet Goldmine" war er unter anderem in "Wer mit dem Teufel reitet" (1999) als drogenabhängiger Soldat Pitt Mackeson im Kino zu sehen. Seine erste "leicht verdauliche" Rolle war Joe, der Coach einer Damenfußballmannschaft, in der Erfolgskomödie "Kick It Like Beckham". "Joe war etwas, dass ich tun musste", gestand er. "Die ganze Zeit diese intensiven Rollen zu spielen, macht auf Dauer nicht glücklich." Immer wieder zog es ihn zu historischen Charakteren hin. Nach "Titus" (1999) war er auch als Cassander in "Alexander" (2004) zu sehen. Zwar floppte der Film in Amerika und entging nur knapp der "Goldenen Himbeere", dennoch sahen in Deutschland rund eine Million Menschen das Epos - was sich auch auf die Bekanntheit Meyers' auswirkte. Neben Kinofilmen trat der 1,78 Meter große Schauspieler auch in vielen TV-Serien auf. Ein Höhepunkt war der zweiteilige Biopic "Elvis" (2005), für den Meyers den "Golden Globe" als bester Darsteller einer Miniserie erhielt. Dem Erfolg ging eine harte Drehzeit voraus: "Ich erinnere mich an eine Szene, die wir um 14.00 Uhr zu drehen begannen. Ich habe das Set erst um 07.20 Uhr am nächsten Tag verlassen." Mittlerweile hat sich das Aufgabenfeld des talentierten Mannes erweitert. In "Der Klang des Herzens" (2007) versuchte er sich als Sänger, und mittlerweile steht er auch als Model für namhafte Designer vor der Fotokamera. Dass Meyers auf so vielen Hochzeiten tanzt (momentan steht er unter anderem auch für die Filme "Mandrake" und "From Paris With Love" vor der Kamera), ist weniger dem Interesse für die verschiedenen Aufgabenfelder als der Angst, irgendwann nicht mehr gefragt zu sein, geschuldet. "Ich bin nicht der bekannteste Schauspieler der Welt", meint er selbstkritisch. "Ich werde nie unter den zehn bestbezahlten Schauspielern landen. Nach jedem Film, den ich gemacht habe, kommt immer die Angst, dass ich danach kein Engagement mehr bekomme. Und was dann? Ich habe bloß Schauspielerei gelernt, und selbst das nur autodidaktisch. Was wird also aus meiner Rente?" Daniel Dreßler |
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