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Kein SchattenmannSchauspieler Al Pacino (cg/tsch) Wenn man Al Pacino erwähnt, denkt man automatisch auch an Robert De Niro. Nicht nur weil die beiden italienischer Abstimmung sind und seit beinahe vierzig Jahren zu den berühmtesten Schauspielern Hollywoods zählen. Spätestens seit ihrem gemeinsamen Auftritt in Michael Manns Meisterwerk „Heat“ von 1995 ist klar, dass Pacino und De Niro nur aneinander gemessen werden können. Nun standen die Hollywood-Größen zum ersten Mal seit 13 Jahren wieder gemeinsam vor der Kamera. Doch im Unterschied zu „Heat“, wo sie auf entgegengesetzten Seiten des Gesetzes standen, kämpfen Pacino und De Niro im Polizeithriller „Kurzer Prozess“ (Kinostart: 01.01) zusammen gegen das Verbrechen. Anzeige Aller guten Dinge sind drei, sagt man. Al Pacino ist 68, De Niro 65, es wurde also durchaus Zeit, dass die beiden großen Männer des anspruchsvollen Blockbuster-Kinos wieder gemeinsam vor die Kamera treten. Schließlich sollte es ja noch mal Action sein. Sie haben sich langsam, bedächtig gesteigert. Nach dem "Paten 2", in dem Al Pacino und Robert De Niro keine einzige gemeinsame Szene haben, teilten sie im famosen Thriller "Heat" weniger als fünf Minuten. Jetzt ist es so weit. Jon Avnets "Kurzer Prozess" bringt sie zusammen, als Partner, als Cops auf der Suche nach einem Mörder. "Bob schlug vor, dass ich die Rolle spiele", erinnert sich Pacino. Er war also der Erste auf der Liste, holte seinen New Yorker Nachbarn dazu. Nicht, dass sie in der gleichen Straße wohnen, doch diese Stadt verbindet. "Ich habe das Drehbuch gelesen und dachte, dass dies eine gute Möglichkeit sei, mit Bob zu arbeiten - in einer Rolle, die zu mir passt", behauptet Al Pacino und lässt aufhorchen. Tatsächlich muss er als Detective Rooster etwas tun, das ihm gar nicht zusagt, ganz anders als in seinem Schauspielleben. Al Pacino sucht - im Team mit Bob - einen Serienkiller, der dem Gesetz, wann immer es versagt, unter die Arme greift und die nicht verurteilten Täter umlegt. "Rache ist Gerechtigkeit" heißt es im Film, der den Mund vollnimmt. Das kann er sich leisten, schließlich fangen Bob und Al, der es hasst Drehbücher zu lesen, alle Ungereimtheiten und Klischees mit ihrer Präsenz auf. Und das müssen sie auch. Im verflixten 13. Jahr nach "Heat" zelebrieren sie ihre Größe, schauen sich wortlos an, prosten sich zu, verstehen sich blind. Und auch wenn man die 100 Minuten gerne sieht, das Skript hätte ein wenig einfallsreicher ausfallen dürfen. Das Skript, das Al Pacino angeblich gelesen hat. Dabei hat er schon oft bekannt, dass er genau dies nicht tut. Es fällt ihm schwer, er verlässt sich da auf seinen guten Freund und Agenten. Auch wenn der Zuhälter Rambo heißt und der Drogendealer Spider (gespielt von Curtis Jackson alias 50 Cent) und das symptomatisch ist für einen Film, in dem der Mörder Gedichte neben die Leichen legt, muss kein Schuldiger ausgemacht werden. Man wird den Thriller in Erinnerung behalten, weil der mit dem einen Oscar und den sieben Nominierungen (Pacino) und der mit zwei Gewonnenen und den vier Nominierungen (De Niro) zusammenhalten wie Pech und Schwefel. Lee Strasberg verbindet De Niro und Pacino, die beide nach seiner Methode, dem Method Acting, arbeiten. Beide wollen ein Höchstmaß an Identifikation mit ihrer Rolle, auf keinen Fall Abstand halten. Im "Paten 2", dem ersten Film, in dem die beiden Ikonen 1974 gemeinsam in den Credits erschienen, durfte man sie erstmals vergleichen, und in den Neunzigern wurden sie oft sogar verwechselt. Den Oscar erhielt der Italiener, der schon immer in oder in der Nähe von New York lebt, für "Der Duft der Frauen", vergleichsweise unbedeutend in seiner Vita. Robert De Niro ist alt geworden, während Alfredo James Pacino immer noch etwas von einem Dandy hat, auch wenn die rauchige Stimme nicht so gut zum seidig glänzenden Revers seines schwarzen Anzugs passt, den er so gerne bei offiziellen Anlässen trägt. So auch im Juni letzten Jahres, als er gewohnt sonnengebräunt, den höchsten Preis des American Film Institutes, den AFI Lifetime Achievement Award entgegennahm. Der kleine italienische Einwanderer Pacino, der dennoch ein typischer New Yorker ist, spielte sich vom "Paten" über die "Hundstage" (1975) zu "Scarface" (1983). Seine erste Station: Kartenabreißer im Kino. Aufgewachsen ist er in der Bronx, an deren Dächer er sich vor allem erinnert, weil er dort immer vor jemandem abgehauen ist. Und wenn das mal nicht notwendig war, trieb er sich dort oben mit seinen Freunden herum. Zwei Jahre war er alt, als seine Eltern sich trennten, einen Teil der Kindheit verbrachte er bei Oma und Opa, wo er auf die beiden tauben Tanten traf. Zwei Frauen, die in seinem Leben eine wichtige Rolle spielten. Sie legten den Grundstein für die Schauspielerei, zwangen sie ihn doch, sich expressiv auszudrücken, um sich verständlich zu machen. Dass Frauen bei ihm eine kleine Rolle spielen, wird er natürlich verneinen. Doch der Vater von einer erwachsenen Tochter und gerade mal siebenjährigen Zwillingen heiratete nie. Stattdessen sagt er in Interviews: "Die Kinder sind das Beste, was mir je passiert ist, und Zeit mit ihnen zu verbringen, ist immer noch das Schönste." Al Pacino pendelt ihretwegen nach Los Angeles, wo Beverly D'Angelo mit ihnen wohnt. Er klingt wie ein ganz normaler Vater. Einer, in dem sizilianisches Blut brodelt, einer, der immer wieder den Gangsterboss spielte, der aber problemlos auf die Seite von Recht und Ordnung wechselte. Wie auch jetzt, wo es erstmals darum geht, auf seinen guten alten Bekannten Robert De Niro aufzupassen, zumindest vor der Kamera. Sie ergriffen die Chance, miteinander zu spielen. De Niro wollte Al, obwohl ein junger Polizist als sein Partner vorgesehen war. Doch De Niro weiß, was gut ist. Sie genossen das "sich kennen", den "geschützten Raum", schlicht das "Wohlfühlen", das ihnen der andere vermittelte. "Wir vertrauen einander - und das schadet nie", beschreibt es Pacino. Sie spielen miteinander, sich nicht gegenseitig an die Wand. Und Nebendarsteller Curtis Jackson, der Musiker mit dem größten Umsatz im Musikbusiness 2008, erklärte, es habe ihn "geerdet", mit De Niro und Al Pacino im gleichen Raum zu sein. Einen millionenschweren Rapper erden, das ist deine Aufgabe als Legende. Weder ein Pacino noch ein De Niro müssen sich noch selbst ein Denkmal setzen. Möglicherweise war sich Drehbuchautor Russell Gewirtz dessen bewusst. Claudia Nitsche |
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