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Lärm im Meer

Die Qual des Wals

(tsch) Der Mensch ist eine taube Nuss. Im Vergleich zu Walen und Delfinen. Unter Wasser, wo menschliche Taucher die Stille genießen, nehmen die Meeressäuger mit ihren feinen Ohren eine Vielzahl von Geräuschen wahr. Eine lebensnotwendige Fähigkeit: Nahrungssuche, Orientierung und Sozialverhalten funktionieren bei ihnen über akustische Signale. Eigentlich. Doch zunehmend macht den Tieren eine bislang wenig beachtete, für sich jedoch lebensbedrohliche Umweltproblematik zu schaffen: die sogenannte Verlärmung der Meere, verursacht durch Schiffe, Sonare oder seismische Verfahren, mit denen Energiequellen unter Wasser nachgespürt wird. Bevor das ZDF Ende 2009 / Anfang 2010 dem Thema erstmals in einem zweiteiligen Öko-Drama Gehör verschafft ("Geheimnis der Wale" wird gerade mit Veronica Ferres, Mario Adorf und Christopher Lambert in Südafrika gedreht), können sich Interessierte im Internet mit dem Phänomen befassen.

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Zunächst sind ja die Dimensionen, in denen so ein Wal lebt, für den Homo sapiens nur schwer nachvollziehbar. Schon allein die körperlichen Ausmaße eines Wals sprengen manche Vorstellungskraft. Auf der Homepage der Kampagne "We Sail For The Whale" für Meeresschutzgebiete kann man sich nicht nur über die Aktion informieren, sondern auch "einen Wal in Lebensgröße erleben". Wie das funktioniert auf einem 15-Zoll-Bildschirm? Einfach mal auf www.whales.org gehen und das entsprechende Feld anklicken. Und nicht vergessen, die Lautsprecher anzuschalten! Denn die passende Geräuschkulisse gibt es auch dazu ...

Mehr Unterwasser-Töne hat www.sonsdemar.eu zu bieten. Die Seite des Laboratory of Applied Bioacoustics der Universitat Politècnica de Catalunya stellt das Forschungsgebiet Lärm im Meer vor und erklärt unter anderem, wie das Gehör der Meeressäuger, ihr wichtigstes Sinnesorgan, funktioniert. Die Inhalte sind auf Katalanisch, Kastilisch, Englisch oder Französisch abrufbar. Aber als Laie surft man ohnehin vor allem wegen der vielen Soundbeispiele hierhin: Auf einer Grafik lässt sich nachvollziehen, wie sich der Geräuschpegel über die Geschichte der Erde hinweg entwickelt hat. Hier kann man nicht nur die brummenden, quietschenden oder klickenden Töne verschiedener Walarten anhören, sondern auch die Geräusche von Schiffen, Sonaren oder seismischen Explosionen. Dazu wird jeweils eine Beschreibung geliefert: Der Gesang des Blauwals zum Beispiel ist über hunderte von Kilometern hinweg zu hören - ebenso wie die Töne eines LFA-Sonars, die schon allein in PC-Box-Qualität Kopfschmerzen verursachen. Da wird die Lärmbelästigung unter Wasser deutlich nachvollziehbar.

Dem Schutz der Meeressäuger in ihrem Lebensraum hat sich - als eine der größten ihrer Art - die weltweite Whale and Dolphin Conservation Society seit 1987 verschrieben und setzt sich für die Einrichtung von Schutzgebieten ein. Der Meeresbiologe Dr. Karsten Brensing war auch als Fachberater für den ZDF-Zweiteiler "Geheimnis der Wale" zuständig - wie auf der umfangreichen deutschen Homepage der gemeinnützigen Organisation gleich zu lesen steht: www.wdcs-de.org. In erster Linie werden hier Nachrichten zur Situation der Wale übermittelt, Engagements und Aktionen vorgestellt. Doch ganz oben rechts auf der Seite verbergen sich hinter dem Button "Quicklinks" viele informative Artikel zu Walen und Delfinen im Allgemeinen ("Wal- und Delfinarten").

Unter "Lärm im Meer" ist außerdem noch einmal nachzulesen, wie die Wahrnehmung der Tiere unter Wasser funktioniert, und wie fatal sich die akustische Meeresverschmutzung auf die Tiere auswirken kann. Selbst wenn sie keinen direkten physischen Schaden davon tragen (was durchaus vorkommt), können sie die lebenswichtige Orientierung verlieren und sterben.

Weitere Informationen gibt es in mehreren Sprachen auf der internationalen Homepage der WDCS (www.wdcs.org). Über Maßnahmen zum Schutz der Meeressäuger informieren unter anderem die englischsprachigen Seiten der Bonner Konvention zur Erhaltung wandernder Tierarten (www.cms.int) und des multilateralen Umweltabkommens ACCOBAMS (Agreement on the Conservation of Cetaceans of the Black Sea, Mediterranean Sea and contiguous Atlantic Area (www.accobams.org).

"Wale, Delfine und Menschen" ist das Motto der Seite www.cetacea.de (Cetaceen steht für Wale und Delfine). Hier finden sich allumfassende und aktuelle Infos über das Leben und die Situation der Meeressäuger rund um den Globus - auch zur Lärmproblematik. Die Seite wurde ursprünglich als Ergänzung zur Vortragsreihe "Wal und Mensch" an der Tierärztlichen Hochschule Hannover eingerichtet. Mittlerweile reicht ihr Angebot von Nachrichten über Zusammenfassungen wissenschaftlicher Erkenntnisse, Erfahrungsberichten aus dem Walschutz bis hin zu Buchbesprechungen - auch für den interessierten Laien. Allgemeine Informationen über die Ozeanriesen liefert unter anderem die übersichtlich aufgebaute Seite www.wale.info, die aus einer Diplomarbeit heraus entstand und zum Beispiel eine ebenso umfang- wie detailreiche Systematik zu bieten hat.

Petra Fürst


Auf der Seite www.whales.org kann ein Wal in Lebensgröße auf dem Bildschirm betrachtet werden.
Auf der Seite www.whales.org kann ein Wal in Lebensgröße auf dem Bildschirm betrachtet werden. (www.whales.org)

Bei www.sonsdemar.eu finden User Soundbeispiele von natürlichen und unnatürlichen Unterwassergeräuschen.
Bei www.sonsdemar.eu finden User Soundbeispiele von natürlichen und unnatürlichen Unterwassergeräuschen. (www.sonsdemar.eu)

Auf der deutschen Homepage der WDCS wird die Problematik der Verlärmung der Meere erklärt.
Auf der deutschen Homepage der WDCS wird die Problematik der Verlärmung der Meere erklärt. (www.wdcs-de.org)

Datum: 29.12.2008

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Diskussion: "Lärm im Meer"

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