"Wer da alles auftaucht ..."
Moderatorin Nina Eichinger
(vm/tsch) Nina Eichinger ist die Tochter von Star-Produzent Bernd Eichinger. Als Jury-Mitglied bei "Deutschland sucht den Superstar" ("DSDS 6", ab 21.01., zunächst mittwochs und samstags, 20.15 Uhr, RTL) hat sie ihren ersten großen Auftritt vor einem Millionenpublikum. Bekannt wurde Nina Eichinger als MTV-Moderatorin für "MTV News Mag", "Brand: Neu" und "TRL". Die 27-jährige hat Umwelt- und Kommunikationswissenschaften in den USA und der Schweiz studiert. Im Interview spricht sie über ihre persönlichen Hoffnungen, die sie mit dem "DSDS"-Job verbindet und zeigt sich verwundert, dass es auch in der 6. Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" noch Menschen gibt, die ihre Gesangs- und Show-Qualitäten komplett überschätzen.
Anzeige
teleschau: Für Staffel sechs vermeldete RTL einen Bewerberrekord von 31.098 potenziellen neuen "Superstars". Wie geht's Deinen Ohren, Nina?
Nina Eichinger: Denen geht's eigentlich noch ganz gut.
teleschau: Kein Tinnitus?
Nina Eichinger: Nein, nein. Es waren natürlich sehr viele Bewerber, aber das Casting war durchaus amüsant. Und vor allem war es interessant zu beobachten, wer da alles auftaucht ...
teleschau: Jedenfalls nicht nur "Superstars" ...
Nina Eichinger: Ja (lacht). Als Zuschauer war ich früher recht ungläubig und habe mich immer gefragt, ob die Castings wirklich echt sind oder doch nur gestellt. Jetzt konnte ich mich persönlich davon überzeugen, dass die skurrilen Kandidaten nicht von RTL geschickt werden.
teleschau: Hat Jury-Urgestein Dieter Bohlen Dir ein paar Tipps gegeben, wie man einen solchen Casting-Marathon möglichst unbeschadet übersteht?
Nina Eichinger: Tipps hat er mir keine gegeben. Aber ich fand es sehr gut, ihn an meiner Seite zu haben - jemanden, der das schon seit so langer Zeit macht und mich mit seiner Erfahrung auch in Diskussionen unterstützen kann.
teleschau: Sozusagen der Fels in der Jury-Brandung. Zu dominant war er aber nicht?
Nina Eichinger: Ein Fels in der Brandung kann auch dominant sein. Aber nicht im negativen Sinne.
teleschau: Gleich nach dem ersten Casting gab es eine Umbesetzung in der Jury. Max von Thun wurde durch Volker Neumüller ersetzt. Was war Deiner Meinung nach der Grund?
Nina Eichinger: Da befand sich die neue Jury noch im Findungsprozess. Das ging recht schnell. Die genauen Gründe kenne ich nicht.
teleschau: Du fühlst Dich aber wohl auf Deinem neuen Arbeitsplatz neben Dieter Bohlen?
Nina Eichinger: Es ist eine komplett neue Situation für mich. Ich saß noch nie in einer Jury und fand meine Aufgabe anfangs sehr schwierig. Die Kandidaten sind zum Teil in meinem Alter und so identifiziere ich mich auch leicht mit ihnen. Da fällt es schwer, ein Urteil zu fällen.
teleschau: Hattest du aufgrund Deines jungen Alters auch Autoritätsprobleme?
Nina Eichinger: Überhaupt nicht. Ich bin da, um meine Meinung zu äußern, und das akzeptieren die Kandidaten.
teleschau: Und Deine Mit-Juroren? Dieter Bohlen und Volker Neumüller arbeiten seit Jahren in der Musikbranche. Du bist erst seit 2007 MTV-Moderatorin ...
Nina Eichinger: Ich sollte sicherlich nicht mit Volker über Vermarktungskonzepte streiten. Man muss einfach erkennen, welche Rolle man selbst in der Jury hat. Ich bin eine junge Frau, die näher dran ist an den Kandidaten und auch ein recht gutes Verständnis von dem hat, was gerade in oder cool ist.
teleschau: Aber es war eine gleichberechtigte Partnerschaft?
Nina Eichinger: Es ist schon erstaunlich, aber bei den meisten Kandidaten stimmen unsere Meinungen ohnehin überein. Trotzdem beruhigt es mich, dass ich im Zweifelsfall mit zwei Partnern diskutieren kann, die schon sehr lange im Geschäft sind - vor allem gegen Ende, wenn das Teilnehmerfeld immer kleiner wird. Ganz alleine würde ich mir ein Urteil nicht zutrauen.
teleschau: Hast Du "DSDS" in den vergangenen Jahren regelmäßig verfolgt?
Nina Eichinger: Ich schaltete recht oft ein. Ich war aber kein "religiöser" Zuschauer, der jede einzelne Sendung gesehen hat. Eher ein Spaß-Zuschauer. Ich glaube, es gibt überhaupt sehr wenige Menschen in Deutschland, die die Show nicht kennen.
teleschau: Was macht für Dich einen "Superstar" aus?
Nina Eichinger: Es muss natürlich jemand mit einer großen, besonderen Stimme sein. Ich muss ihn sympathisch finden, und er muss performen können. Ich persönlich achte außerdem sehr auf Song-Texte. Aber die Sänger, die ich besonders mag - wie etwa Ani DiFranco -, sind gar nicht so bekannt. Ich wünsche demjenigen aber, der "DSDS" gewinnt, dass er den großen Durchbruch schafft, und dafür muss er auch die Masse begeistern können. Ich muss hinter dem Sieger stehen können, aber meinen ganz speziellen Musikgeschmack muss er nicht treffen. Ich gehe da ganz offen ran.
teleschau: Hast Du unter den 31.098 Bewerbern schon Deinen "Superstar" ausgemacht?
Nina Eichinger: So langsam kristallisieren sich ein paar Favoriten heraus. Überraschenderweise bewegt sich in den letzten Runden, in denen wir uns nun befinden, aber noch sehr viel. Zwei Kandidaten, für die ich insgeheim mitfiebere, präsentieren sich gerade besonders gut. Darüber bin ich natürlich froh: Yes! Da lag ich doch nicht so daneben! (lacht)
teleschau: Für die Zuschauer geht es nun aber wie immer mit den Casting-Sendungen los. Und da stehen vor allem die schrägen Sing-Vögel im Mittelpunkt, die sich zum Teil bis auf die Knochen blamieren ...
Nina Eichinger: Ja, das kann ich wirklich nicht verstehen. Es ist die sechste Staffel. Jeder weiß mittlerweile, was auf ihn zukommt. Deshalb finde ich es umso beeindruckender, dass es immer noch Leute gibt, die sich komplett falsch einschätzen. Das hat mich wirklich geschockt. Man hat doch gesehen, wie andere durch die Sülze gezogen wurden. Machen die sich denn gar keine Gedanken, bevor sie da auflaufen? Haben sie kein soziales Umfeld, das sie davon abhält?
teleschau: Tun Dir diese Teilnehmer leid?
Nina Eichinger: Manche schon. Das waren oft sehr nette Menschen, und wir haben sie lieber früher als später von der Bühne geschickt, weil es uns selbst in der Seele wehtat. Aber es gibt auch ganz hartnäckige Beratungs-Resistente. Die wollten sich einfach nicht helfen lassen ...
teleschau: ... und bekommen dann Dieter Bohlens berühmt-berüchtigte Sprüche zu hören, die nicht nur Jugendschützern missfallen. Hast Du Dir darüber im Vorfeld Gedanken gemacht?
Nina Eichinger: Ja, natürlich. Aber ich schätze an Dieter Bohlen, dass er sehr ehrlich und direkt ist und nicht um den heißen Brei herumredet. Er steht zu dem, was er sagt, und gibt auch zu, wenn er vielleicht mal ein bisschen übertrieben hat. Das ist schließlich Fernsehen, Showgeschäft. Und außerdem muss man über diese Sprüche auch oft sehr lachen - selbst die Kandidaten. Die meisten stecken das ganz gut weg. Man muss ja nicht immer alles so gnadenlos ernst nehmen.
teleschau: Du hast also kein schlechtes Gewissen?
Nina Eichinger: Nein, ich sowieso nicht. Dieter Bohlen ist für das verantwortlich, was er sagt. Manche Sprüche mag ich gut finden, andere weniger. Aber es bleibt sein Ding.
teleschau: Hast Du Familie und Freunde vor der Teilnahme um Rat gefragt?
Nina Eichinger: Ja. Ich habe nicht schnell zugesagt, sondern mir Zeit gelassen und lange überlegt. Es ist einfach eine sehr bekannte Sendung, die polarisiert. Letztlich war es keine rationale Entscheidung. Bei mir hat einfach die Neugierde gesiegt. Neugierde auf die Sendung und wie sie gemacht wird, aber auch auf die Kandidaten. "DSDS" ist einfach etwas ganz anderes, als alles, was ich vorher gemacht habe.
teleschau: Von Erfolgsproduzent zu Erfolgsproduzent: Was hält Dein Vater Bernd Eichinger von Dieter Bohlen?
Nina Eichinger: Ich habe keine Ahnung. Ich habe ihn nicht gefragt.
teleschau: Wird er sich "DSDS" anschauen?
Nina Eichinger: Das will ich ja mal hoffen! (lacht) Er war auch sehr dafür, dass ich das mache. Er hält es für eine super Chance. Er ist generell dafür, neue Dinge auszuprobieren - gerade wenn man sich nicht sicher ist. Mein Vater sagt: "Wenn Du nicht definitiv dagegen bist, dann probier' es aus!" Und nach dem Motto bin ich dann auch verfahren.
teleschau: Was erhoffst Du Dir von der Teilnahme?
Nina Eichinger: Ich bin erst mal gespannt, was nach dem Start der Show auf mich zukommt.
teleschau: Wohl jede Menge Publicity. Hoffst Du, danach richtig durchstarten zu können?
Nina Eichinger: Natürlich, Moderieren ist ja mein Job. Und ich will damit auch meinen Lebensunterhalt verdienen. Klar hofft man, dass es nach "DSDS" auch weitergeht.
Ute Nardenbach
|
|
| Nina Eichinger schätzt an Dieter Bohlen, "dass er sehr ehrlich und direkt ist und nicht um den heißen Brei herumredet". (RTL / Stephan Pick) |
|
| Nina Eichinger saß bisher noch nie in einer Jury. Doch nun sucht die den nächsten Superstar. (RTL / Axel Kirchhof) |
|
| Im Herbst begab sich die 27-jährige MTV-Moderatorin Nina Eichinger ("MTV News Mag", "Brand: Neu", "TRL") auf eine denkwürdige Reise. (RTL / Stephan Pick) |
|