|
Anzeige |
"Der Vorleser" stößt in den USA auf starke Kritik
Der VorleserHollywood-Verfilmungen deutscher Bücher sind eine Rarität. Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ hat jedoch den Vorteil, es als erster deutscher Roman auf Platz eins der New York Times-Bestsellerliste geschafft zu haben. Die Geschichte über die Liebesbeziehung zwischen einem 15-jährigen Schüler und einer wesentlich älteren ehemaligen KZ-Aufseherin wurde nun mit prominenten Besetzung verfilmt. Kate Winslet, die für intellektuelle Dramen abonniert zu sein scheint, verkörpert Hanna Schmitz, der deutsche Nachwuchsdarsteller David Kross („Knallhart“) spielt ihren wesentlich jüngeren Liebhaber. Hinter der Kamera stand der britische Regisseur Stephen Daldry, der sich mit der Buchverfilmung „The Hours“ (2002) einen Namen machte. Das Drama startet am 26. Februar 2009 in den deutschen Kinos. Anzeige
Regie: Stephen Daldry Hauptdarsteller: Kate Winslet, David Kross, Ralph Fiennes Kinostart: 26.02.2009 Verleih: Senator Heidelberg in den 50ern. Der junge deutsche Schüler Michael Berg (David Kross) beginnt eine Affäre mit der mehr als doppelt so alten Trambahnschaffnerin Hanna Schmitz (Kate Winslet). Sie verabreden sich einen Sommer lang heimlich zu atemlosem Sex. Viel mehr passiert erst mal nicht zwischen ihnen. Bis Michael anfängt, ihr Bücher vorzulesen. Diese Praxis entwickelt sich nach und nach zu einem Liebesritual, denn es muss, so will es Hanna, jedes Mal vor dem Liebesakt geschehen. Das Vorlesen verleiht der sonst nur körperlichen Beziehung der beiden auch eine geistige Dimension. Bis zu diesem Zeitpunkt ist „Der Vorleser“ also ein Liebesfilm. Doch bald verschwindet Hanna (Winslet) spurlos. Erst acht Jahre später treffen sich die beiden unerwartet wieder – im Gerichtssaal. Michael (Kross), inzwischen Jura-Student sitzt im Publikum, seine ehemalige Geliebte auf der Anklagebank. Zu Michaels Entsetzen wird sie als ehemalige KZ-Aufseherin wegen Mordes in 300 Fällen zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Ab hier rankt sich das Geschehen in „Der Vorleser“ um Fragen nach Schuld und Vergebung, um das moralische Dilemma des jungen Mannes, der sich eingestehen muss, dass er ein Monster geliebt hat. Ein Stück deutscher Vergangenheitsbewältigung ist das Drama und darin liegt laut US-Kritik einer seiner Schwachpunkte. „Wer braucht einen weiteren Film, der die Schrecken des Holocausts mit kunstvoll vergossenen Tränen salbt und uns um Mitleid für eine Lageraufseherin bittet?“, schreibt die New York Times. Das ist die eine, zu Recht umstrittene Seite des Films. Doch „Der Vorleser“ besitzt auch andere Aspekte. Interessant ist z.B. die Tatsache, dass eine hübsche Frau hier nicht als Opfer, sondern als Täter entlarvt wird. Eine Frau, die man in der ersten Hälfte des Films zudem als Liebende erlebt hat. Es stellt sich die Frage, ob der Mensch dazu neigt, zu vergeben, wenn die Schuld ein schönes Antlitz trägt. Ist die kriminelle Tat nicht mehr so schlimm, wenn sie von einem Menschen begangen wurde, der zu zärtlichen Gefühlen durchaus fähig ist? Kate Winslet verkörpert diesen Konflikt so gekonnt, wie man es von ihr gewohnt ist. Ralph Fiennes („Der ewige Gärtner“) hingegen, der den erwachsenen Michael verkörpert, komme, so die Süddeutsche Zeitung, „mit seiner gequälten Diktion und seinen noch gequälteren Zügen“ ziemlich blass rüber. Zum Cast der internationalen Produktion gehören außer dem Newcomer David Kross auch die deutschen Schauspieler Bruno Ganz, Karoline Herfurth, Alexandra Maria Lara u.a. Für vier Golden Globes wurde das Drama „Der Vorleser“ nominiert: als bestes Drama, für die beste Regie, das beste Drehbuch und die beste Nebendarstellerin (Kate Winslet). Da die Golden Globes, die am 11. Januar 2009 verliehen werden, als Barometer für die Oscars am 22. Februar gelten, sind dies beste Aussichten sowohl für „Der Vorleser“ als auch für Kate Winslet, die bereits fünf Mal für einen Academy Award nominiert wurde, ohne ihn jemals zu erhalten. Seine Deutschland-Premiere wird „Der Vorleser“ während der Berlinale erleben. Die Filmfestspiele finden vom 5.–15. Februar 2009 statt. Vanya Müller |
|
| Neuer BBC-Dreiteiler von Jane Austens "Sinn und Sinnlichkeit" | |
| Barocke Herrensitze, die Steilküste von Devonshire in all ihrer Romantik, auf Pferden reitende Menschen. Dazu Streicherklänge, Verlobungsversprechungen und Kostüme vom Feinsten. Kommt einem bekannt vor? ... | |
| Schlöndorffs überschätzte Grass-Adaption "Die Blechtrommel" | |
| Von Anfang an ist der Dreikäsehoch Oskar Matzerath ein ungewöhnliches Kind: Mit drei Jahren stellt er aus Protest gegen die Welt der Erwachsenen, die ihm missfällt, sein körperliches Wachstum ein. Doch ... | |
| Rainer Kaufmann scheitert an Walsers "Ein fliehendes Pferd" | |
| Seit zwölf Jahren, kaum vorstellbar, fahren sie im Urlaub immer wieder an den Bodensee - der in den Mittvierzigern befindliche Studienrat Helmut Halm und seine durchaus noch attraktive Frau Sabine (von ... | |
| "Die weiße Massai" scheitert an der zu großen Fremdheit | |
| Eher für Klasse statt Masse(npublikum) sind Regisseurin Hermine Huntgeburth und Charakterdarstellerin Nina Hoss bekannt. Erstere, Spezialistin für Literaturverfilmungen ("Effi Briest"), ist wieder frisch ... | |
| Tykwers "Das Parfum" hat nichts von der Faszination des Buches | |
| Zweifellos ist es ein Ding der Unmöglichkeit, Gerüche sichtbar zu machen. In "Das Parfum" wird es hin und wieder versucht, und wenigstens einmal, gleich zu Beginn, gelingt es Regisseur Tom Tykwer, mittels ... | |
| Aus den USA in die Ukraine: "Alles ist erleuchtet" | |
| Das Romandebüt "Alles ist erleuchtet" von Jonathan Safran Foer war einer der großen Bestseller der letzten Jahre. In seinem Buch schickte er sein gleichnamiges Alter Ego auf die Suche nach einer Frau, ... |
| Anzeige |
|
| Anzeige |