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Schwach: Oliver Stones heißerwarteter Bush-Film "W."

"W. - Ein missverstandenes Leben"

(vm/tsch) Einen Film wie “W.” hätte man von Oliver Stone wirklich nicht erwartet. Dem mit drei Oscars ausgezeichneten Regisseur hat die Welt wilde Filme wie „Platoon“, „Natural Born Killers“ und „U-Turn“ zu verdanken. Nicht, dass es jemanden überrascht hätte, dass Stone George W. Bush porträtierte - schließlich drehte er auch die Filme „JFK“ und „Nixon“. Das Bush-Biopic „W.“ überrascht vor allem mit seiner Bravheit, mit seiner konservativen Erzählweise und mit seinen unerwartet langweiligen Charakteren. Das wirkt befremdlich angesichts der Tatsache, dass hinter der Hauptfigur des Films eine der verhasstesten Personen der letzten Jahre steht.

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Das war nicht zu erwarten: "W." ist ein eher weicher Film über den 43. Präsidenten der USA, den wohl ungeliebtesten und "schlechtesten" aller Zeiten: George W. Bush. Über einen also, der Amerika und die Welt nasführte, der Kriegsgründe aus hohlem Bauch erfand und das Trauma des 11. September 2001 dazu benutzte, um die eigene Macht zu stärken. "W.", der Titel, den Oliver Stone seinem Film gab, ist simpel wie tiefsinnig: Der Regisseur wollte damit wohl den feinen Unterschied zum übermächtigen Vater, womöglich aber auch die tiefe Sinnlosigkeit einer Amtsära mit der Frage "Why?" charakterisieren. Drei Monate nach der New Yorker Premiere kam der 2008 eilends gefertigte Streifen auf DVD in Deutschland (mit dem Titelzusatz "Ein missverstandenes Leben") heraus, am Tage an dem W. aus dem Amt schied und die Welt darob hörbar aufatmete.

Oliver Stone, der freilich ein Faible für jedwede Art starker Männer hat, hat sich nicht so recht entscheiden können, was er zeigen wollte: ein braves Biopic, ein menschliches Drama - oder eben die Realsatire, als die sich Bush in vielen Reden selber dargeboten hat. Selbstverständlich wird mit originalgetreuen sprachlichen Schnitzern aus allen möglichen Bush-Reden im Youtube-Stil nicht gespart. Und Condoleeza Rice, die Außenministerin, wird von ihrer kongenialen Darstellerin Thandie Newton immerhin mit größtem parodistischem Vergnügen gebraten. Andererseits macht Richard Dreyfuss aus Dick Chaney den kriegstreibenden Teufel.

George W. Bush aber ist in den Händen des Hauptdarstellers Josh Brolin ("No Country for Old Men") kein Zyniker der Macht, sondern allenfalls ein tumber Tor, der einen übermächtigen Präsidentenvater von Jugend an zum Gegner und jede Menge falsche Freunde zu Beratern hat. Insgesamt sucht jedoch Stone das Drama dort, wo es nicht zu finden ist. "W" bietet kein Shakespeare-Epos, sondern bloß missglückten Sport. Mit der Metapher vom ebenso einsamen wie hilflosen George W., der im leeren Stadion keinen Ball mehr fangen darf, gesteht sich das der Film am Ende denn auch ein.

Zumindest ist das Bild der DVD genauso, wie es sein soll: scharf bis ins Detail und farbenfroh. Der Ton ist dialoglastig und nutzt die sechs Kanäle deshalb nicht ganz aus. Bei diesem Thema hätten ein paar mehr Extras als die kurzen Interviews nicht geschadet.

Auch auf Blu-ray-Disc erhältlich.

Hans Czerny

bewertungsbox

bildformat 2,35:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Englisch (5.1)
untertitel Deutsch
extras Interviews; Bildergalerie; Biografien (Text)
laufzeit 123 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 15 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton befriedigend
bewertung extras mangelhaft

Credits:
(USA 2008, R: Oliver Stone, D: Josh Brolin, Elizabeth Banks, James Cromwell u.a.)


Josh Brolin als George W. Bush vor dem großen weißen Titel-"W". Es steht für das W im Namen George Walker Bush, aber auch für die große Frage: "Why?" - Warum musste das alles sein.
Josh Brolin als George W. Bush vor dem großen weißen Titel-"W". Es steht für das W im Namen George Walker Bush, aber auch für die große Frage: "Why?" - Warum musste das alles sein. (Ascot Elite)

Mit Cowboy-Mentalität schafft es der Gouverneur von Texas bis zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. George W. Bush (Josh Brolin, links) mit dem zukünftigen Wirtschaftsminister Don Evans (Noah Wyle).
Mit Cowboy-Mentalität schafft es der Gouverneur von Texas bis zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. George W. Bush (Josh Brolin, links) mit dem zukünftigen Wirtschaftsminister Don Evans (Noah Wyle). (Ascot Elite)

Vom Manager der Baseballmannschaft "Texas Rangers" schaffte es George W. Bush (Josh Brolin) bis zum Gouverneur.
Vom Manager der Baseballmannschaft "Texas Rangers" schaffte es George W. Bush (Josh Brolin) bis zum Gouverneur. (Ascot Elite)

Datum: 24.01.2009

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