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Lil´ Kim, Naked Truth

Lil' Kim The Naked Truth

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Wenn Lil' Kim verreist, dann ist ihr Koffer so groß wie ein Schuhkarton. Aber nicht etwa deswegen, weil sie so genügsam wäre, sondern einfach deshalb, weil die Stoffmenge, mit der sie sich im Durchschnitt bekleidet, die Zehn-Quadratzentimeter-Grenze selten überschreitet. Wenn also diese Lil' Kim im Titel ihrer neuen CD "Naked Truth" mit nackten Tatsachen droht, geht der Normalsterbliche erst einmal davon aus, dass hier sehr wenig angehabt wird. Weit gefehlt - sie gibt sich hochgeschlossen und führt einen neuen Look vor, der während der Fotosession für das Booklet in einer Art Pocahontas-Trapper-Mode samt einer Orgie in Fell und Pelz gipfelt. Musikalisch bebitcht, bewitched und besticht Lil' Kim indes vor allem durch den wild durch die Stile gesampelten und von vielen vielen Köchen gar nicht so verdorbenen, sehr direkten Tough-Rap, der ihre Anfangszeiten definierte. Aber nur teilweise, das Album ist ansonsten recht ambivalent.

Denn man muss Notorious K.I.M. ein wenig die Kraft und vulgäre Power absprechen, über die sie früher verfügte. Sie war so herrlich dreckig, wie sie es hier nur noch bei den Tracks "We Don't Give A Fuck" und "Shut Up, Bitch" schafft, das in seiner humorvollen Verquastheit ein wenig an Busta Rhymes erinnert.

2005 versucht sie sich im melodiöseren Genre, obwohl sie eigentlich den knallharten, straßentauglichen Hardcore-HipHop ihrer frühen Tage versprochen hatte. Für diesen jedoch bemüht sie aber nur Gemeinplätze wie "sexy Lady, going crazy" und andere Plattitüden. Sie ist im poppigen Radio-Genre inzwischen besser als im Gossenslang. "Slippin'", in dem sie sich von ihrem Image als "Misses Nice Bitch" verabschiedet, das orientalisch-erotische "Kitty Box", das soulige "Kronik" mit Snoop Dogg oder auch das reggaetonige "Durty" hingegen schaffen das Genre Soul-HipHop mit Pop-Appeal recht griffig. Lil' Kim befindet sich ganz offensichtlich auf einem Weg der Umorientierung. Auf die explosive Bitch scheint sie keine Lust mehr zu haben, aber der Straße fühlt sie sich noch zugehörig. Trotzdem aber scheint ihr Weg des puren HipHop ins Nichts zu verlaufen, was man bei Songs wie "I Know You See Me" oder "Quiet" deutlich bemerkt. Sie sucht nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, findet aber nur die alten. So, wie sie nach einem neuen Design im Edellook, mit schwarzen glatten Haaren, wenig Schmuck und Native-American-Design fahndete, das aber auch nicht so recht zu ihr passt. Schuster, bleib bei deinen Leisten und Bitch, bleib bei deinem Blondiermittel, möchte man fast rufen.

Lil' Kim war die einzige, die mit sämtlichen Elementen des Schlampendaseins wuchern durfte. Aber für jemanden, der im Knast sitzt, lohnt es sich vielleicht, einen guten Eindruck zu machen, einfach damit man früher wieder rauskommt. Kim nämlich sitzt derzeit für ein Jahr ein, wegen Falschaussage. Kurz vorher aber buchte sie Größen wie Kanye West, Scott Storch (T.I., R.Kelly, 50 Cent, The Game), 7 Aurelius (Mariah Carey, LLCoolJ), Fredwreck (Snoop Dogg, Cypress Hill), Hot Runner (Eve, Cassidy), Snopp Dogg, The Game und Bun B. & Twista, T.I. Und sie stellte vor ihrem schweren Gang hinter Gitter dieses Album fertig, das doch zumindest zur Hälfte tolle Songs beherbergt.

Kati Hofacker


Datum: 20.11.2005

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Diskussion: "Lil´ Kim, Naked Truth"

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