(tsch) Es ist das alte, traurige Lied vom Nachruhm. In Amerika wurde der berüchtigte Trinker und bissige Querdenker zeitlebens eher verteufelt denn geachtet. Und doch haben die USA in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wohl keinen einflussreicheren Literaten hervorgebracht als Edgar Allan Poe. Der gebürtige Bostoner war der Säulenheilige der französischen Symbolisten, er gilt als Wegbereiter der Kriminalerzählung, des Science-Fiction- und des Horror-Genres. Seine Arbeiten wurden mehrfach verfilmt und dienten als Grundlage für Musicals und mehr oder weniger geschmackvolle Rocksongs. Mit einem Wort: Edgar Allan Poe ist in der Gegenwart präsenter denn je. Zum 200. Geburtstag des Dichters am 19. Januar dürfte sich die Poe-Verehrung noch einmal vervielfachen. Zeit, einmal nachzusehen, wie das Internet den so wirkungsmächtigen Autor würdigt.
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Gäbe es einen Preis für die ausführlichste und kunstvollste Poe-Adresse im Internet, eine deutschsprachige Website wäre ein heißer Kandidat. Bedrohlich schwingt auf www.edgarallanpoe.de ein gewaltiges Flash-animiertes Pendel und verweist auf die unterschiedlichen Menüpunkte. Der Seitenbetreiber, eine TV-Produktionsfirma, stellt sein Dokumentarfilmprojekt aus dem Jahr 1999 vor, hat für den Poe-Liebhaber aber noch viel mehr zu bieten. So gibt es eine interaktive Lesung des bekannten Gedichts "Der Rabe" - wahlweise auf Deutsch oder Englisch und mit verschiedenen stimmungsvollen Hintergrundgeräuschen.
Wunderbar ist auch der ebenfalls interaktive Zeitstrahl geraten, der die wichtigsten Lebensdaten Poes im zeitgeschichtlichen Kontext einordnet. Darüber hinaus werden die künstlerischen Meriten des Dichters in Essayform sehr verständlich auf den Punkt gebracht. Weitere Artikel behandeln "Poe in der Popkultur" und Filme auf der Grundlage seiner Texte.
Zwischen 1831 und 1835 lebte Edgar Allan Poe in Baltimore. Überdies starb er hier 1849 unter - wie könnte es anders sein - mysteriösen Umständen. Die ebenfalls recht ansprechend gestaltete Seite www.knowingpoe.thinkport.org beschäftigt sich mit Poes Wirken und Leben in der Hafenstadt. Auch hier setzten die Programmierer auf die interaktive Karte: Das gilt für die "Timeline" ebenso wie für den historischen Stadtplan Baltimores, den man viertelweise erkunden kann. Ein besonderer Service: Sämtliche Seiteninhalte sind als Audio-Stream abrufbar.
Ziemlich blass wirkt im Vergleich das bieder programmierte Portal www.eapoe.org - digitale Heimat der Edgar Allan Poe Society of Baltimore. Doch auch die hat ihre Vorzüge. So entdeckt man hier eine andernorts schmerzlich vermisste Übersicht über Poes gesamtes Schaffen, überlieferte Aufsätze, Kritiken und Briefkorrespondenz mit eingeschlossen. Auch die wichtigsten Editionen seines Werks sowie einschlägige Sekundärliteratur sind zu finden.
Als Poe 1835 Baltimore verließ, zog er nach Richmond, Virginia. Ebendort befindet sich das Edgar Allan Poe Museum, dessen Webpräsenz man unter www.poemuseum.org erreicht. Die Rubrik "Museum Treasures" gibt einen illustrierten Vorgeschmack auf die wertvollsten Schätze der Ausstellung - etwa des Meisters Gehstock und sein Kinderbett. Eine 30 Kapitel umfassende "Audio Tour" steht zum Download bereit und bietet einen biografischen Abriss.
Darüber hinaus fiebert man wenigstens hier dem "Bicentennial", also dem 200. Geburtstag Poes entgegen. Verlinkt wird zur Jubiläumsseite www.poe200th.com. Dort zählt ein Countdown die verbleibenden Tage und Stunden und informiert über die festlichen Events, die Richmond zu Ehren seines berühmten Sohns 2009 plant. Von Anfeindungen also längst keine Spur mehr. Wie sich die Zeiten doch ändern. Sogar in den USA.
Jens Szameit
Mit interaktiven, edel animierten Inhalten lockt www.edgarallanpoe.de den Fan des Gruselmeisters. (www.edgarallanpoe.de)
Mit schönen Flash-Animationen und zahlreichen Audio-Streams rekapituliert www.knowingpoe.thinkport.org Poes Leben und Wirken in der Hafenstadt Baltimore. (www.knowingpoe.thinkport.org)
Altbacken programmiert, aber mit fundierten Literaturhinweisen präsentiert sich www.eapoe.org, die Homepage der Edgar Allan Poe Society of Baltimore. (www.eapoe.org)