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"Tonight: Franz Ferdinand" zeugt von der Experimentierfreude der Band

Franz Ferdinand Tonight: Franz Ferdinand

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Ihre Alben sollten einfach nur Franz Ferdinand heißen, so als Statement. Lediglich unterschiedliche Farben wollten sie für die Cover. Der Rest: Franz Ferdinand. Es ist gar nicht so schlecht, dass sie diese Idee nach dem ersten Album nicht weiter durchsetzen konnten. Denn sie toppten ihr Debüt mit "You Could Have It So Much Better". Wurden also dem Titel gerecht. Jetzt hat die Band aus Glasgow mit "Tonight: Franz Ferdinand" ein drittes Album aufgenommen. Das lässt sich nicht einfach mit dem Bandnamen beschreiben.

Nach den ersten beiden Veröffentlichungen stellten sie fest, dass sie zum Markenzeichen geworden waren. Ihre Musik wurde kopiert. Das passiert den Besten. Gerade denen. Den vier Schotten fehlt aber das wertkonservative AC/DC-Gen, weswegen sie beschlossen, sich in neue Richtungen treiben zu lassen. Auf "Tonight: Franz Ferdinand" experimentieren sie, lassen die Gitarren nach hinten wandern, alles andere, was summt und klappert, nach vorne. Das klingt, als wäre alles netter, weniger zynisch, nicht mehr mit Gitarrenwut, sondern mit Analogsynthesizersounds an den Mann und die tanzenden Mädchen gebracht. So ist es auch. Man kann lasziver darauf tanzen.

Franz Ferdinand, das bewiesen sie bereits in vergangenen Jahren, können auch ruhig - "Eleanor, Put Your Boots On" etwa war so ein Song. Diese Fähigkeit zeigen sie gegen Ende des neuen Albums erneut mit dem Synthie-Pop-Schlaflied "Dream Again" und dem Akustik-Folk von "Katherine Kiss Me". Am Anfang stehen jedoch die zwei sicheren Singles: "Ulysses" und "No You Girls". Die sind ganz klar Franz as Ferdinand can. Aber während man oft beleidigt sein kann, wenn Bands zwar zwei bis vier Hits auf ein Album packen, der Rest dann aber aus kreativen Selbstverwirklichungen Durchschnittskram besteht, sieht das bei den bodenständigen Indiestars anders aus.

Sie wechselten spontan ihren Produzenten, die Hitmaschine Brian Higgins, tauschten ihn gegen einen weit unbekannteren, aber experimentierfreudigeren verrückten Sound-Professor aus dem Dance-Bereich aus: Dan Carey. Und so schließt sich der Kreis, denn genau das passte zur Korsettsprengung. Sie bleiben einfach nicht stehen. Und stehen weiter für gute Musik. Für ein spezielles Selbstbewusstsein, das mit einer ihrer früheren Textzeilen gut beschrieben wird: Ich sah nicht gut aus, findest du? Nein, ich habe dich nur nicht angelächelt.

Claudia Nitsche


Datum: 27.01.2009

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