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Überwältigendes Politdrama von Ron Howard: Frost/Nixon

Frost/Nixon

(cg/tsch) „Frost/Nixon“ zeigt das berühmteste Interview der Geschichte, den letzten großen Kampf des Ex-US-Präsidenten mit den Medien, Nixons letzten Versuch, seinen Namen nach der „Watergate“-Affäre zu bereinigen. Es war eine Verbalschlacht, was sich Richard Nixon und der britische Moderator David Frost 1977 vor laufender Kamera und Millionen von Zuschauern lieferten. Diese spannende Episode der Weltgeschichte inszenierte Regisseur Ron Howard („A Beautiful Mind“, „Da Vinci Code“) sehr gelungen. Sein Politdrama ist dialogreich und doch keineswegs dialoglastig, es ist dynamisch und atmosphärisch dicht. Nicht zuletzt überzeugt „Frost/Nixon“ mit seiner herausragenden Besetzung: Michael Sheen (Tony Blair in „The Queen“) verkörpert sehr überzeugend den britischen Journalisten Frost und Frank Langella („Good Night, and Good Luck) wurde zu Recht für seine Rolle als Präsident Nixon für den Oscar nominiert. Ron Howard könnte sich für seine Regiearbeit ebenfalls bald über einen Oscar freuen.

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Das Ergebnis der ertragreichen Zusammenarbeit zwischen Howard und Morgan nimmt durch seine dichte atmosphärische Inszenierung und die intensiven Dialoge gefangen. Das Charakterstück "Frost/Nixon" rankt sich um den letzten großen Kampf zwischen Nixon und den Massenmedien im Jahre 1977. Der vormals mächtigste Mann der Welt hatte sich drei Jahre zuvor durch massive Kritik in den Medien zu einem Rücktritt bewegen lassen. Zu deutlich hatte er seine Vollmachten als Regierungschef und oberster Heerführer in Vietnam überschritten. Verschmäht als Kriegstreiber und entlarvt als Lügner entzogen ihm breite Bevölkerungsschichten nach der Watergate-Affäre um die von ihm autorisierte Bespitzelung von politischen Gegnern das Vertrauen.

Dem "Fall Nixon" waren bereits mehrere Filme gewidmet. Die bekanntesten waren "Die Unbestechlichen" um das Reporterduo Bob Woodward und Carl Bernstein von der "Washington Post", das Watergate aufdeckte und Oliver Stones düsteres Portrait mit dem schlichten Titel "Nixon". Die tatsächliche Hass-Beziehung zwischen den Medien und dem Präsidenten wurde jedoch bisher nur indirekt thematisiert: In Howards und Morgans Kammerspiel wird erstmals Auge in Auge zwischen erster und vierter Gewalt abgerechnet.

Nixon attestierte der "New York Times" einmal: "Some read it and like it, some read it and don't like it, but everyone reads it." Die Presse war ihm jedoch spätestens nach seinem Fall durch die Enthüllungsgeschichten nicht mehr geheuer. Das Fernsehen erschien als einzig wirksames Instrument, um die Öffentlichkeit nachträglich von seiner Unschuld und der Rechtmäßigkeit seines Handelns zu überzeugen.

Drei Jahre nach seiner Amtsniederlegung stellte sich Nixon ein letztes Mal der breiten Öffentlichkeit und ging auf das Angebot des britischen Fernsehjournalisten David Frost ein, ein mehrtägiges Interview mit ihm zu führen. Zu lange hatte er sich und sein politisches Erbe von der Medienmeute verunglimpft gesehen. Zeit, alles ins rechte Licht zu rücken. Die Gelegenheit erscheint perfekt, ist Frost doch bekannt als Showmaster auf dem absteigenden Ast, dem ein schillernd-oberflächliches, aber nicht investigativ-zupackendes Befragungstalent attestiert wird. Doch ebenso wie der Präsident wittert auch der Journalist seine große, vielleicht letzte Chance, um sein Leben in den Griff zu bekommen. Die geplante Selbstdarstellung Nixons wird zum finalen Kräftemessen zwischen Schein und Wahrheitssuche.

Der als Dokudrama inszenierte, dabei auf Authentizität zielende, aber mit zahlreichen erzählerischen Freiheiten arbeitende Film versetzt den Zuschauer sofort in den Mittelpunkt des Geschehens: Hier treffen zwei Verlierer aufeinander, die weniger der Welt, sondern vielmehr sich selbst etwas zu beweisen haben. Der eine strebt nach beruflichem Respekt, der andere nach der Bereinigung seiner Autobiografie. Die Dialoglast ist kaum zu spüren, so filigran und ausgefeilt ist das Drehbuch. Und so organisch wirken die Leistungen von Frank Langella als Richard Nixon und Michael Sheen als sein Herausforderer David Frost. Beide werden gewinnen, der eine mehr als der andere, so wie es sich im traditionellen Erzählkino gehört. Doch bleibt der Film schlussendlich nah am tatsächlichen Geschehen, wonach es zwar zu einer Art televisuellem Showdown kam, jeder Kämpfer jedoch sein Gesicht wahrte.

Ron Howard erhielt für seine Regiearbeit bereits eine Oscar-Nominierung, Frank Langella in seiner Rolle als Richard Nixon ebenso. Verdient haben sie dies allemal, schließlich ist dieser Tage im Kino nur selten ein solch faszinierend intensives Drama zu sehen.

Leif Kramp

Credits:
V:Universal, USA 2008, R: Ron Howard, D: Michael Sheen, Kevin Bacon, Frank Langella u.a.

Laufzeit: 122 Min.

Kinostart:
05. Februar 2009


Rekordquoten: Über 45 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten die vier Interviews im Jahre 1977.
Rekordquoten: Über 45 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten die vier Interviews im Jahre 1977. (2008 Universal Studios)

Hinter der Kamera richtet der ehemalige Präsident Richard Nixon (Frank Langella, links) klare Worte an David Frost (Michael Sheen).
Hinter der Kamera richtet der ehemalige Präsident Richard Nixon (Frank Langella, links) klare Worte an David Frost (Michael Sheen). (2008 Universal Studios / Ralph Nelson)

David Frost (Michael Sheen, links) setzt sich mit seinen Beratern James Reston (Sam Rockwell, zweiter von links), John Birt (Matthew Macfadyen, zweiter von rechts) und Bob Zelnick (Oliver Platt) zusammen.
David Frost (Michael Sheen, links) setzt sich mit seinen Beratern James Reston (Sam Rockwell, zweiter von links), John Birt (Matthew Macfadyen, zweiter von rechts) und Bob Zelnick (Oliver Platt) zusammen. (2008 Universal Studios / Ralph Nelson)

Datum: 31.01.2009

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