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"Hearts in Atlantis" blickt hinter gutbürgerliche Fassaden

Hearts in Atlantis

(tsch) Über 20 Jahre ist es her, da geisterte ein wunderbarer Film durch die Kinos, der von vier Jungs in einem Amerika erzählte, das noch keinen Kalten Krieg kannte. Es war die unerreichte Verfilmung des Stephen-King-Klassikers "Stand By Me - Das Geheimnis eines Sommers" (1986). Und obwohl der Stoff des Horrormeisters unheimlich gern adaptiert wird, dauerte es knapp zehn Jahre, bis mit "Die Verurteilten" (1994) wieder ein guter "King" auf die Leinwand kam. Nur selten gelingt es Regisseuren, die Stoffe des ehemaligen Lehrers überzeugend umzusetzen. Einer der letzten, dem dies glückte, war Scott Hicks, dessen "Hearts in Atlantis" (2001) das ZDF nun wiederholt.

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Es ist ein Meisterwerk über das Ende einer amerikanischen Kindheit, den Verlust der Unschuld, den unerschütterlichen Glauben an Amerika und die Welt der Erwachsenen aus der Perspektive eines Kindes, das Scott Hicks auf die Leinwand brachte. Es ist ein Drama, das mehr schafft, als nur Probleme darzustellen: Dem Regisseur gelingt die teils verstörende, öfter mitreißende Erzählung einer melancholischen Erinnerung.

Es geht um den Fotografen Bobby Garfield (Anton Yelchin), der nach Jahren wieder in sein Heimatdorf im Nordosten der USA zurückkehrt, um einen Todesfall zu untersuchen. Dort wuchs er ohne Vater auf, von seiner Mutter nur wenig beachtet. Oft ist der junge Bobby mit seinem Kumpel Sully (Will Rothhaar) und Carol (Mika Boorem) zusammen, für die er eine zart beschriebene jugendliche Liebe empfindet. Eines Tages zieht ein Fremder namens Ted Brautigan (Sir Anthony Hopkins) auf den Dachboden der Garfields zur Untermiete. Bobby schließt schnell Freundschaft mit dem Mann, liest ihm für ein paar Dollars aus der Zeitung vor und verliert sich in dessen Erzählungen über Literatur und Weisheiten des Lebens.

Bobby wird von einer Gruppe Draufgängern terrorisiert, Brautigan glaubt sich von geheimnisvollen Männern in grauen Anzügen verfolgt, und Bobbys Mutter wird bei einer Geschäftsreise vergewaltigt. "Hearts in Atlantis" zeigt, gemäß der Romanvorlage, wo überall der Schrecken lauert hinter der gutbürgerlichen Fassade des gepflegten Alltags. Unmerklich schleichen sich Gewalt, Vergewaltigung und Homophobie in den atemberaubend kompilierten Bilderreigen. Dabei wird gottlob vollkommen auf Horrorelemente verzichtet. Der Schrecken kommt auf leisen Sohlen und schockiert so viel eindringlicher.

Scott Hicks ließ Anton Yelchin viel Raum zu zeigen, welch großes Potenzial in ihm steckt. Der gebürtige Russe stand zuletzt für den elften Teil der "Star Trek"-Saga vor der Kamera, der am 07. Mai, also noch vor seinem zweiten großen Projekt "Terminator: Die Erlösung" (28. Mai), in die Kinos kommen wird. Genauso überzeugend ist Anthony Hopkins als geheimnisvoller Ted Brautigan. Sein unauffälliges Spiel erfüllt die insgesamt 100 Minuten an Spieldauer mit einer nicht zu fassenden Spannung. An dieser sollte es auch in "The Wolfman" nicht fehlen, einem Horrorthriller, in dem der Brite den Vater eines Ungeheuers spielt. Die Titelrolle übernimmt Benicio Del Toro, dem Hugo Weaving als Ermittler dicht auf den Fersen ist. Doch vor dem 5. November heulen die Wölfe in den Kinos nicht.

Jasmin Herzog


Bobby Garfield (Anton Yelchin, rechts) und Ted Brautigan (Anthony Hopkins) haben Freundschaft geschlossen.
Bobby Garfield (Anton Yelchin, rechts) und Ted Brautigan (Anthony Hopkins) haben Freundschaft geschlossen. (ZDF / Phil Bray)

Anthony Hopkins - wieder einmal in einer dankbaren Rolle.
Anthony Hopkins - wieder einmal in einer dankbaren Rolle. (ZDF / Phil Bray)

Ted Brautigan (Anthony Hopkins) gerät tatsächlich in Gefahr.
Ted Brautigan (Anthony Hopkins) gerät tatsächlich in Gefahr. (ZDF / Phil Bray)

Datum: 09.02.2009

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Artikel ID 211441

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