Kurt Russell verhindert eine "Einsame Entscheidung"
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Einsame Entscheidung
(tsch) Zu Beginn jubelt der Action-Fan. Da räumt Steven Seagal in nur wenigen Minuten Dutzende von Bösewichten aus dem Weg, da wechseln die Schauplätze zeitgleich mit den Schnitten, da ist's laut und erbarmungslos. Doch unter all den falschen Fährten, die "Einsame Entscheidung" (1996) im Laufe der Handlung legt, ist das vielleicht die raffinierteste. Der Film, dessen Plot für einen Actionreißer der klassischen Art ausgelegt scheint, wird zum intelligenten Thriller. ProSieben zeigt ihn nun als Wiederholung.
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Der Vorspann ist gewaltig: Soldaten marschieren in ein geheimes Quartier ein, mähen alles und jeden nieder - bleiben bei ihrer Suche nach Behältern mit tödlichem Gas am Ende aber ohne Erfolg. An Bord eines von Terroristen entführten Passagierflugzeuges, das auf dem Weg nach Washington ist, vermutet schließlich der Pentagon-Terroristenexperte David Grant (Kurt Russell) das Nervengift. Die vom Boss der Bande, Nagi Hassan (David Suchet), geforderte Freilassung eines bekannten Terroristen könne nicht das eigentliche Ziel des Unternehmens sein. Grant vermutet, Hassan plant die Vernichtung Washingtons durch einen Absturz der fliegenden Gasbombe.
Der knallharte Soldat Travis (Steven Seagal) erhält den Auftrag, mit einem kaum erprobten neuen Jet unbemerkt an die entführte Maschine anzudocken und seine Leute an Bord zu schleusen. Doch das Unternehmen schlägt fehl: Nur einigen gelingt es, ins Flugzeug zu steigen, ehe die Verbindung abreißt, und der Jet samt Besatzung - darunter überraschend früh im Film auch Steven Seagal - abstürzt. Ein Tod mit Folgen.
Statt roher Gewalt zählen fortan Intelligenz und perfekte Planung. "Einsame Entscheidung" geht das Wagnis ein, mehr als eine Stunde lang die Spione an Bord bei ihrer Arbeit zu beobachten. Kein Feuerwerk von Schusswechseln und rasanten Verfolgungsjagden, sondern der Beginn eines fast schon dokumentarischen Portraits einer Gruppe von Menschen in zahllosen verzwickten Situationen, die sie mithilfe modernster technischer Mittel und logischem Denken zu bewältigen versuchen.
Für die Spannung sorgt ein kleiner Kunstgriff: Die Männer um den Antihelden David Grant haben den Funkkontakt zur Basis verloren. Das Pentagon wäre gezwungen, die Maschine abzuschießen und die 400 Passagiere mit ihr, um nicht das Leben Millionen anderer aufs Spiel zu setzen: Es wäre die "Executive Decision" (Originaltitel des Films).
Nie überhastet, aber auch nie langweilend treibt Regisseur Stuart Baird die Handlung in seinem Debütfilm voran. Größter Trumpf, den er dabei in der Hand hält, ist die Glaubwürdigkeit aller Figuren, die bis in die Nebenrollen (Oliver Platt, John Leguizamo) hinein exzellent besetzt sind. Allein Halle Berry bleibt in der Rolle einer Stewardess an Bord des gekaperten Flugzeugs über weite Strecken des Films hinweg enttäuschend.
Baird konzentrierte sich fortan wieder auf seinen eigentlichen Beruf, den des Cutters. Er war für den Schnitt erfolgreicher Großproduktionen wie "Casino Royale", "8 Blickwinkel" und "Die Legende des Zorro" verantwortlich.
Kai-Oliver Derks
Kurt Russell spielt Dr. David Grant, Analytiker beim US-Geheimdienst und Spezialist für internationalen Terrorismus. (ProSieben / Warner Bros. Pictures)
Will die Terroristen unschädlich machen: Lt. Colonel Austin Travis (Steven Seagal). (ProSieben / Warner Bros. Pictures)
Dr. David Grant (Kurt Russell, links) und Baker (Whip Hubley) bleibt nicht viel Zeit, die Terroristen aufzuhalten. (ProSieben / Warner Bros. Pictures)
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