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"The International" ist altbacken

The International

(cg/tsch) Tom Tykwer schafft es irgendwie immer, dem Publikum zu gefallen. Obwohl seine Verfilmung von Patrick Süskinds Bestseller „Das Parfüm“ von der Kritik verrissen wurde, war der Film ein Erfolg. Mit seinem jüngsten Werk „The International“ dürfte es nicht anders sein. Der Verschwörungsthriller stellt die Welt als Spielball skrupelloser Bankmanager dar und trifft damit angesichts der globalen Wirtschaftskrise genau ins Schwarze. Gut und spannend inszeniert ist das Ganze schon, doch nicht wirklich verständlich. Hinzu kommt, dass die Charaktere ziemlich blass und unüberzeugend wirken.

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Hochaktuell und brisant ist das Szenario, das Tykwers Verschwörungskrimi in der allgemeinen Atmosphäre der Angst die nötige Aufmerksamkeit zukommen lässt. Nach seiner Multimillionendollar-Produktion "Das Parfüm" dürfte ein neuer Publikumserfolg wahrscheinlich sein. Es kämpfen zwei aufrichtige Ermittler gegen ein globales und schier unangreifbar erscheinendes System aus kühlem Kalkül, menschenverachtender Skrupellosigkeit und profitabler Geschäftemacherei.

Der Berliner Regisseur konzeptionierte seinen Thriller auf der Basis des von tatsächlichen Ereignissen inspirierten Drehbuchs von Autor Eric Warren Singer. Es entstand lange bevor sich die weltweite Panik um Kredite, Erspartes und die realwirtschaftlichen Konsequenzen spekulativer Teufelskreise am Finanzmarkt Bahn brachen. Das dicht inszenierte Abenteuer einer New Yorker Staatsanwältin (Naomi Watts) und eines britischen Interpol-Agenten (Clive Owen) trifft dennoch mitten ins Schwarze. Es passt zu all den düsteren Verschwörungstheorien, die aufkommen angesichts des Grolls über tatsächlich existierende Bankmanager, die sich trotz ihres Versagen Millionen-Boni zahlen.

Zweifellos liest sich Tykwers Mär um ein weltumspannendes Netzwerk aus Lug und Betrug auf allen gesellschaftlichen Ebenen mit einem allmächtigen Bankenkonzern als Herzstück wie eine apokalyptische Vision kapitalistischer Wucherung. Die International Bank of Business and Credit, kurz IBBC, ist eine Festung des Unheils. Ihre Kunden sind Geheimdienste, Terrororganisationen, Drogenbarone, Diktatoren wie auch demokratisch gewählte Regierungen, die sämtliche finanziellen Aspekte ihrer Operationen am Rande oder weit jenseits der Legalität über die Luxemburger Zentrale des pompösen Bankhauses abwickeln.

Das Kreditinstitut profitiert dabei weniger von monetären Gewinnen, sondern vielmehr von der Schuld seiner Klientel: Konflikte sind das wahre Geschäft. Ob Krieg oder Freiheitskampf: Schulden fallen immer und überall an. Also vergoldet sich die Bank ihr ruchloses Streben nach der Schuldigkeit Anderer mit der Vermittlung von Waffengeschäften. Deutschlands Vorzeigeschauspieler Armin Mueller-Stahl, der im Film auf gekonnt ambivalente Weise einen undurchsichtigen Ex-Stasioffizier spielt, welcher der Bank als Berater für die schmutzige Beseitigung von Unruhestiftern und aussagebereiten Verrätern zur Seite steht, glaubt fest an die aufklärende Funktion des Thrillers: "Kriege, Aids, Hunger: Das sind die drängenden Probleme unserer Zeit." Die Weltbevölkerung sei zu Sklaven des Geldes, nicht zu seinen Herrschern geworden. Dass der Film nun zeige, dass Bankmanager zu Monstern degeneriert seien, gereicht Stahl zu der Schlussfolgerung, dass sich all die glücklich schätzen könnten, die nicht der korrumpierenden Kraft des Geldes verfielen.

So moralisch die Botschaft des Wirtschaftskrimis auch interpretiert werden kann: Die Verstrickung von Bankengeschäften mit der organisierten Kriminalität wird in "The International" zwar konkret, jedoch nicht unbedingt verständlich. Viel Zeit und Mühe verwendete Tykwer darauf, geduldig auf den krachenden Höhepunkt zwischen Gut und Böse hinzuarbeiten, bei dem das nachgebaute Guggenheim Museum in New York zum durchsiebten Symbol des Widerstandes gegen die nicht fassbare Übermacht wird. Doch was sich an Spannung entwickelt, verliert sich bald in schlaglichtartigen Hinweisen, Ahnungen und Mutmaßungen über ein omnipräsentes System aus Waffenschieberei, Mord und Korruption.

Zwar trägt das Charisma des passionierten Mantelträgers Clive Owen weite Strecken des etwas altbackenen Verschwörungszaubers, doch wird weder der Hintergrund seiner Figur noch jener von Naomi Watts ausreichend ausgeleuchtet. Knappe Kommentare und Erklärungen müssen reichen, um nicht von der komplizierten, weil abstrakten Filmthematik abzulenken. So bleiben die ehrbaren wie aufopferungsvollen Ermittler trotz ihrer eindringlichen Blicke, ihren bemitleidenswerten Prellungen und Schrammen und ihrem beneidenswerten Durchhaltewillen für den Zuschauer seltsam unnahbar.

Tykwer propagiert die Kultivierung der Ratlosigkeit als höchstes Ziel eines Filmemachers, der das trainierte Auge des zeitgenössischen Kinogängers mit ungeahnten Wendungen zu überraschen sucht. Abgesehen von der kurzweiligen Wirkung der neuen Fährten innerhalb der Geschichte bleibt der Zuschauer jedoch vor allem deshalb ratlos zurück, weil der Film trotz aller gegenteiliger Erwartungen weder schlüssige Auswege noch Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf die verfahrene Situation des internationalen Verbrechens anbietet. Nicht einmal ein Hoffnungsschimmer kommt auf. Vielmehr wird der Eindruck von der Hilflosigkeit des Einzelnen letztlich noch gestärkt. Mag sein, dass das den Film hinsichtlich seiner Nähe zur Lebenswirklichkeit auszeichnet. Doch es nicht viel hilft, wenn das Kino als Zufluchtsstätte vor der Härte, Kühle und Unbarmherzigkeit der Welt aufgesucht wird.

Leif Kramp

Credits:
V:Sony Pictures, D / GB 2008, R: Tom Tykwer, D: Naomi Watts, Armin Mueller-Stahl, Clive Owen u.a.

Laufzeit: 118 Min.

Kinostart:
12. Februar 2009


Am 5. Februar wurde die 59. Berlinale mit "The International" eröffnet.
Am 5. Februar wurde die 59. Berlinale mit "The International" eröffnet. (Sony Pictures Releasing GmbH)

Im New Yorker Guggenheim Museum gerät Louis Salinger (Clive Owen) in eine gefährliche Schießerei.
Im New Yorker Guggenheim Museum gerät Louis Salinger (Clive Owen) in eine gefährliche Schießerei. (Sony Pictures Releasing GmbH)

Der ehemalige Stasi-Mitarbeiter Wilhelm Wexler (Armin Mueller-Stahl) ist jetzt für die IBBC Bank tätig.
Der ehemalige Stasi-Mitarbeiter Wilhelm Wexler (Armin Mueller-Stahl) ist jetzt für die IBBC Bank tätig. (Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 12.02.2009

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