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Schrecklich komisch: "Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected"

Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected

(vm/tsch) "Ein Leben für ein Leben – Adam Resurrected" ist ein sehr besonderes Stück Kino. Der neue Film des „American Gigolo“-Regisseurs Paul Schrader ist eine amerikanisch- deutsch-israelische Produktion mit dem Thema Holocaust. Doch der Völkermord wird in „Ein Leben für ein Leben“ nicht auf die gewohnte Art und Weise behandelt. Die Tragikomödie erzählt die Geschichte eines Varieté-Künstlers (Jeff Goldblum), der im KZ dank seines komödiantischen Talents überlebt und anschlieβend in der Psychiatrie landet, wo er als überdurchschnittlich intelligenter, sarkastischer Komödiant die Bewunderung aller gewinnt. Bis er dort eines Tages einem kleinen Jungen begegnet, der noch „verrückter“ ist als er selbst. „Ein Leben für ein Leben – Adam Resurrected“ ist witzig, jedoch niemals albern, und dramatisch, aber keineswegs pathetisch. Das Problem: Die Story der Tragikomödie mag vielen als zu abgefahren und surreal erscheinen.

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Die Nazis zerstören das Leben des anerkannten Varieté-Künstlers Adam Stein. Als Jude konnte er kein Mitglied der Reichstheaterkammer werden. Doch die Repressalien und schließlich die Deportation seiner Familie 1944 verändern den Unterhalter, den Clown mit tiefenpsychologischen Fähigkeiten, nur sehr langsam. Denn er ist einer, der nichts ernst nimmt. Einer, der gewinnt, wenn er nur die anderen zum Lachen bringt. Einer, das stellt sich nach und nach heraus, der nichts anderes kann als andere zu amüsieren. Das glaubte er sein ganzes Leben lang. Würde er damit aufhören, müsste er sein Leben betrachten und am Schmerz ersticken.

Der gefeierte Künstler der 20er-Jahre musste auf allen Vieren Tricks vorführen, während seine Frau und seine Töchter weggeführt wurden. Der Leiter des Konzentrationslagers, Kommandant Klein (Willem Dafoe), erkannte Stein bei seiner Ankunft im Lager und beschloss, den Künstler als sein Privatvergnügen und zum Amüsement seines Hundes zu "behalten".

So überlebt Stein den Holocaust, lebt danach in der Psychiatrie. Doch dort geht er ein und aus wie es ihm gefällt, lässt sich als Star feiern, als wäre nichts geschehen. Er versteht dank seines sechsten und siebten Sinnes alle Patienten (unter ihnen Joachim Król), liefert Krankenschwester und Arzt die Show, die sie brauchen. Alle beten ihn an. Er liebt die Frauen und die werden von seiner Unberechenbarkeit angezogen. Als er endlich beschließt, seine Tochter Ruth, die ebenfalls überlebt hat, aufzusuchen, muss sich Adam Stein seiner Vergangenheit stellen und seine Lebenseinstellung überprüfen.

Regisseur Paul Schrader gibt Goldblum Raum, und der schafft sich ungeahnte Präsenz. Er beherrscht die Manege, sogar die Notaufnahme, weist seinen Arzt in die Grenzen, macht ihn lächerlich und erniedrigt die Schwester. Seine Überheblichkeit ist bestaunenswert. Lustig fürwahr. Dieser Mann ist schlauer als der Rest, aber ihm kann nicht geholfen werden, solange er niemanden in seine Seele lässt.

Im zweiten Teil der Romanverfilmung begegnet der sarkastische Clown, der über Tränen sagt, sie seien "nur Wasser", einem Menschen, der "noch verrückter ist" als er selbst. Das fordert ihn heraus. In der Anstalt hält man den Jungen zunächst von ihm fern, einen Jungen, der als Hund gehalten wurde, der glaubt, er sei einer. Stein spürt ihn auf, nähert sich ihm.

Dieser Junge (Tudor Rapiteanu - dessen Name auf dem Plakat fehlt) stiehlt Goldblum fast die Show. Es werden zunächst Erinnerungen wach an all die "Kaspar Hausers" und "Nells", die das Kino schon zivilisiert hat. Doch die geschliffenen Sätze des Goldblum-Charakters, der gespenstisch schwarze Humor und die endlich aufblitzende Menschlichkeit sind nicht pathetisch, aber dramatisch. All diese Witze sind nie albern. Tatsächlich findet Regisseur Paul Schrader das Komische im Schrecklichen.

Seine Adaption gelingt als surrealer Ausflug in eine ungekannte Welt. Ein Ausflug mit vielen Zeitsprüngen. "Ein Leben für ein Leben" wird zur Parabel, die unangemessen bunt scheint, die aber in die Tiefe dringt, weil sie zwei Dinge zueinander bringt, die nicht zusammenpassen dürfen: Humor und Völkermord.

20 Jahre umkreisten die Filmemacher diesen Stoff. Keiner wusste recht, wie er umzusetzen wäre. Nun haben sich ein israelischer und ein deutscher Filmproduzent zusammengetan, um ihn zu realisieren. Was lange währt, wird manchmal gut. Neben Joachim Kròl stehen weitere deutsche Darsteller in Nebenrollen auf der Besetzungsliste, darunter Veronica Ferres, Juliane Köhler und Moritz Bleibtreu.

Vielleicht wird es Jeff Goldblum ärgern, dass er nicht nominiert wurde für den Oscar, doch warum soll es ihm anders ergehen als dem Roman selbst? Der 1969 in Israel veröffentlichte Roman von Yoram Kaniuk (1989 in Deutschland unter dem Titel "Adam Hundesohn" erschienen) war zunächst umstritten, bis man seine Größe erkannte. Wie sollte das Oscar-Gremium schlauer sein als ein ganzes Land?

Claudia Nitsche

Credits:
V:3L, D / USA / IL 2008, R: Paul Schrader, D: Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Joachim Król u.a.

Laufzeit: 102 Min.

Kinostart:
19. Februar 2009


Regisseur Paul Schrader wagt sich an das Holocaust-Thema.
Regisseur Paul Schrader wagt sich an das Holocaust-Thema. (3L Filmverleih)

Adam Stein (Jeff Goldblum) hat den Holocaust überlebt.
Adam Stein (Jeff Goldblum) hat den Holocaust überlebt. (3L Filmverleih)

Von Frau Fogel (Veronica Ferres) erfährt Adam, dass seine Tochter noch lebt.
Von Frau Fogel (Veronica Ferres) erfährt Adam, dass seine Tochter noch lebt. (3L Filmverleih)

Datum: 19.02.2009

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