(tsch) Tom Hanks gehört zu jenen Darstellern, die sich bei ihren Arbeiten gerne auf freundschaftlich verbundene Regisseure verlassen. Aktuelles Beispiel: Ron Howard. Mit ihm drehte Hanks 1995 "Apollo 13" und zuletzt in Paris "The Da Vinci Code", die Kino-Umsetzung des Bestsellers "Das Sakrileg", die im Mai 2006 in die Kinos kommt. Auch mit Steven Spielberg arbeitete Hanks gleich mehrfach. Und nicht zuletzt verbindet ihn mit dem Regisseur Robert Zemeckis eine langjährige Freundschaft. Man hat einander viel zu verdanken, zuvorderst die Oscars, die beide für ihre Arbeit an "Forrest Gump" (1994) erhielten. Es folgten "Cast Away" (2000) und "Der Polarexpress" (2004).
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Seit Jahren zeigt SAT.1 in regelmäßigen Abständen "Forrest Gump" immer und immer wieder. Überragende Quoten lassen sich damit nicht mehr erzielen. Dennoch sind es jedes Mal Millionen, die einschalten, um diesen grundoptimistischen Helden bei seiner Reise durch die Zeit zu begleiten. Es ist eine fiktive Erfolgsgeschichte, ein Märchen, aber eben ein sehr unterhaltsames.
Forrest sitzt an einer Busstation fernab seines Zuhauses und erzählt den Menschen, die neben ihm Platz nehmen, seine Lebensgeschichte. Früh ist klar, dass er nicht zu den geistig Hellsten gehört. Aufgrund einer Muskelschwäche wird er immer wieder von seinen Schulkameraden gehänselt. Aber auf der Flucht vor einigen Rabauken schüttelt er die Beinstützen von sich und erkennt eines seiner Talente: das Laufen.
Die Erzählung seines Lebens ist zugleich eine Schilderung der wichtigsten Stationen in der Geschichte Amerikas seit den 60er-Jahren. Sie ist es, die Forrest durch Höhen und Tiefen seines Lebens schleudert. Sie macht ihn zum Helden einer Footballmannschaft, zum Lebensretter in Vietnam, zum Fernsehstar.
Forrest begegnet den Ereignissen mit der aus Dummheit geborenen Naivität. Der Leitsatz seiner Mutter (Sally Field) lässt ihn sein Schicksal mit Leichtigkeit ertragen: "Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel. Du weißt nie genau, was Du bekommen wirst." Tiefschläge erträgt der Held des Films aus dem Bewusstsein heraus, nicht gegen sie angehen zu wollen, sondern sie zu akzeptieren.
Die Faszination von Zemeckis' Portrait erklärt sich aus der Bewunderung, die sich für einen geistig Minderbemittelten einstellt. Leicht findet man sich in Forrests schweren Stunden wieder, und fast beneidet man ihn um seine Dummheit, die ihm offenbar den Verzicht auf Selbstmitleid und Pessimismus gestattet. Er lässt sich treiben ohne politische Zielrichtung, kämpft für sein Land in Vietnam ebenso wie danach an der Seite der Hippie-Bewegung, ohne sich mit dem einen oder anderen Ziel weiter zu identifizieren. Für Außenstehende ist sein Leben Weinen und Lachen, für ihn selbst allemal die schönste Sache der Welt.
Kai-Oliver Derks
"Forrest Gump" von Regisseur Robert Zemeckis wurde mit sechs Oscars ausgezeichnet. Tom Hanks (Foto) erhielt ihn als bester Hauptdarsteller. (SAT.1 / Paramount Pictures)
Forrest (Tom Hanks) läuft schneller als seine Verfolger. (SAT.1 / Paramount Pictures)
Häufig besucht der geduldige Forrest (Tom Hanks, rechts) den unzufriedenen Dan (Gary Sinise), der seit dem Vietnamkrieg schwer behindert ist. (SAT.1 / Paramount Pictures)
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