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"Der Vorleser", 15, hat Sex mit einer schönen SS-Mörderin
Der Vorleser(vm/tsch) Für ihre Rolle in „Der Vorleser“, der Adaption von Bernhard Schlinks Bestseller, bekam Kate Winslet den Golden Globe. Ihre Rolle als Hanna Schmitz hat es auf sich: erst eine Mittdreißigerin und leidenschaftliche Liebhaberin eines 15-jährigen Jungen, dann ein SS-Monster und zum Schluss eine alte, gebrochene Frau im Gefängnis. Ob die Britin für ihr beeindruckendes Schauspiel auch den Oscar bekommt, werden wir bereits wissen, wenn der Film im Kino startet. Eine Überraschung wäre es nicht, und verdient hätte sie es allemal. „Der Vorleser“ ist durch und durch Oscar-Kino: perfekt gefilmter, wohldosierter Liebesfilm und Holocaust-Drama in einem, schön, erfgreifend und traurig. Anzeige
Natürlich, die finstere Vergangenheit liegt nicht hinter, sondern noch schwer über dieser Geschichte, die im zerstörten Deutschland der frühen 50er-Jahre ihren Anfang nimmt. Nazis, Weltkrieg, Judenvernichtung - so sehr die Wiederaufbaugesellschaft sich auch dagegen stemmt, die Dämonen sind längst nicht besiegt, sondern stecken wie ein giftiger Stachel in der Seele des noch lange nicht genesenen Landes. Aber ist es nicht endlich Zeit für die Liebe? Der 15-jährige Schüler Michael (Kross) erlebt sie. Zum ersten Mal und mit einer rätselhaften wie schönen Frau aus seiner Stadt, der Mittdreißigerin Hanna Schmitz (Winslet). Sie zeigt ihm, was Zärtlichkeit bedeutet, er liest ihr als Gegenleistung aus Romanen vor. Behutsam werden das Knistern und die beinahe verzweifelt gierige Erotik zwischen den beiden ungleichen Protagonisten vermittelt. Eine Liebe, die es eigentlich nicht geben darf, erscheint plötzlich stimmig und wunderschön. Der Zauber ist vorbei, als Hanna eines Tages völlig unvermittelt verschwindet. Es ist das Ende einer Affäre, die ohnehin keine Zukunft hatte, aber zugleich auch der Beginn einer lebenslangen, geradezu magischen Verbindung: Vor Gericht sehen sich beide viele Jahre später wieder. Er ist ein hoffnungsvoller Jurastudent, sie sitzt in einem Holocaustprozess auf der Angeklagebank. Es sei ein "Film über Schuld und Bewältigung", sagt Regisseur Stephen Daldry zwar, aber vor allem ist "Der Vorleser", die werktreue Adaption des Schlink-Bestsellers, eine tieftraurige, mitunter erotische Liebesgeschichte, die in gleichem Maße ans Herz greift wie der Roman. "Der Vorleser" ist also weder "Nazi-Film" noch Befeuerung der "Stauffenberg"-Diskussion, ob das Kino nun von "guten Nazis" erzählen darf oder nicht. Kate Winslet, die dafür den Golden Globe erhielt, spielt beides mit unglaublicher Intensität: erst reife Liebhaberin eines 15-jährigen Jungen, dann angeklagtes SS-Monster, schließlich (mit nicht ganz geglückter Maskerade) eine alte Frau im Gefängnis. Eine gewaltige, melancholische Rolle, wie sie auch ein Hollywoodstar nicht alle Tage bekommt. Winslet legte alles hinein: Ohne viele Worte, dafür mit größtem mimischen und körperlichen Einsatz verleiht sie dieser tragischen Figur Wucht. An ihrer Seite brilliert in einem großartigen Ensemble (Ralph Fiennes, dazu deutsche Stars wie Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara, Jürgen Tarrach, Hannah Herzsprung und Burghart Klaußner) der 18-jährige David Kross. Er verkörpert glaubhaft den aufgeregten Jungen, der sich in Hanna verliebt, ihr aus Büchern vorliest und, auch wenn die Liebe nur einen Sommer hält, für immer mit ihr, der unglücklichen Analphabetin, leidenschaftlichen Geliebten und verurteilten KZ-Mörderin, verbunden bleibt. Ein stiller Film mit lange anhaltender, bedrückender Wirkung. Frank Rauscher |
Credits: Laufzeit: 124 Min. Kinostart:26. Februar 2009 |
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