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Mickey Rourke, "The Wrestler", schlägt wie eine Bombe ein

The Wrestler

(cg/tsch) "The Wrestler" ist zweifellos einer der besten Filme des Jahres. Mit eindrucksvoll einfachen Mitteln hat "Pi"-Regisseur Darren Aronofsky ein Meisterwerk geschaffen, das nicht pompös, aber nachhaltig ist. Mickey Rourke ist in der Rolle des alternden Ringkämpfers Randy "The Ram" Robinson eine Gewalt. Der Schauspieler, der wie sein Film-Charakter jahrelang ganz unten war, spielt den gebrochenen Mann so intensiv und authentisch, als wäre "The Wrestler" extra für ihn geschrieben. Für seine unglaubliche Performance wurde Rourke mit dem Golden Globe und mit einer Oscar-Nominierung ausgezeichnet: ein starkes Comeback. "The Wrestler", eine Mischung aus Sportfilm, Drama und Charakterstudie, gewann den Goldenen Löwen in Venedig.

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Der Ruhm ist die Vergangenheit. "The Ram" war ganz oben, er hatte sich durchgekämpft, als Personifizierung des "American Dream". Sie, die allwöchentlich in die Wrestling-Arenen pilgern, sahen ihn als einen der Ihren - aber einen, der es geschafft hatte. 20 Jahre später ist davon nur die Erinnerung übrig. Aus Arenen wurden schäbige Sporthallen, aus schicken Hotelzimmern ein trauriger Trailer, für den Randy nicht einmal pünktlich Miete zahlen kann.

Im Prinzip erzählt Darren Aronofsky den "American Dream" rückwärts, filmisch auf den Punkt mit eindrucksvoll einfachen Mitteln. Die dokumentarische Kamera beobachtet einfach nur, auch wenn das bedeutet, dass Mickey Rourke auch mal in langen Einstellungen nur von hinten zu sehen ist; auf dem Weg durch die Katakomben der Sporthallen, auf dem Weg in den Trailerpark, auf dem Weg in den Supermarkt, wo Randy nach einer Herzattacke versucht, in einem ordentlichen Job zu arbeiten. Bis er dem Ruf der Seile nicht mehr widerstehen kann.

Aronofsky zeigt das Geschäft, die Absprachen, die Tricks, die versteckten Rasierklingen im Schuh, die heimlich im Ring benutzt werden, um Verletzungen dramatischer aussehen zu lassen. In "The Wrestler" ist alles echt. Das Blut, der Schweiß, die Schmerzen und die mit Steroiden vollgepumpten Muskelberge des Protagonisten. Was natürlich auch dem grandiosen Hauptdarsteller zu verdanken ist. Mickey Rourke ist nicht zu bändigen als "The Ram". Vielleicht wegen der Parallelen zu seinem eigenen Leben. In den 80-ern ein Superstar, bekam der Unzähmbare später kaum noch Rollen, musste sich in den 90er-Jahren als Profiboxer im Wortsinne durchschlagen, feierte kurze Comebacks, verschwand wieder von der Bildfläche. Rourke weiß, wie es ist, ganz unten zu sein und doch wieder aufzustehen. Es ist seine Geschichte.

Er kennt den Ruhm und seine Schattenseiten, weiß, was man aufgibt, wiederfindet und erneut verliert. Für "The Wrestler" hat er sich akribisch vorbereitet, die Rolle an einem echten Wrestler der 60er-Jahre angelegt, war monatelang in einem Trainingscamp, hat seine Knochen geschunden. Ähnlich passioniert, wie "The Ram" es ist, mit seinem Hörgerät und der langen, blonden Mähne.

Hinter den Kulissen noch immer ein Star, ein Idol der nachwachsenden Generation, kämpft sich der Wrestler durch die Bedeutungslosigkeit seines Lebens, dessen Höhepunkte gelegentliche Treffen mit der verletzlichen Stripperin Cassidy (Marisa Tomei) sind. Als "Passion Christi" bezeichnet "The Ram" einmal sein Dasein. Darin steckt vor allem Unvermeidlichkeit. Und auch er kann ganz einfach nicht anders.

Eine Herzattacke bringt ihn kurz zum Innehalten, er denkt sogar über einen "ordentlichen" Lebenswandel nach, mit Job und Familie. "The Ram" schafft es sogar - mehr schlecht als recht-, zu seiner Tochter Stephanie (Evan Rachel Wood), die er seit Jahren aus seinem Leben ausgeblendet hatte, Kontakt aufzunehmen. Aber er ist ein Ruheloser, und es gibt die Chance, den Höhepunkt seiner Karriere in einem Rückkampf mit "The Ayatollah" zu wiederholen.

Aronofsky wollte den Film machen, weil sich noch niemand im Kino ernsthaft mit dem Wrestling auseinandergesetzt hat. Dabei scheint gerade dieser Showsport idealer Filmstoff zu sein. Im Ring die große Show, Glanz und Glamour. Doch in den Umkleideräumen werden die Helden entzaubert. Sie sind Typen von Nebenan, die alles geben und nicht anders können, als sich aufzuopfern für eine Show, die sie schlussendlich zerstört. Aus vielen Wrestlern werden Krüppel, aus Helden Vergessene. Aronofsky beobachtet sie, und er baut ihnen ein Denkmal, nicht pompös, aber nachhaltig. So eindrucksvoll, so ehrlich, so unmittelbar war das Kino selten.

Andreas Fischer

Credits:
V:Kinowelt, USA 2008, R: Darren Aronofsky, D: Mickey Rourke, Marisa Tomei, Evan Rachel Wood u.a.

Laufzeit: 109 Min.

Kinostart:
26. Februar 2009


Darren Aronofsky inszenierte die Auferstehung Mickey Rourkes: "The Wrestler".
Darren Aronofsky inszenierte die Auferstehung Mickey Rourkes: "The Wrestler". (Kinowelt)

Momente wie dieser lassen "The Ram" (Mickey Rourke) immer wieder in den Ring steigen.
Momente wie dieser lassen "The Ram" (Mickey Rourke) immer wieder in den Ring steigen. (Kinowelt)

Nur ein kurzer Versuch: "The Ram" (Mickey Rourke) probiert das zivile Leben als Supermarktverkäufer.
Nur ein kurzer Versuch: "The Ram" (Mickey Rourke) probiert das zivile Leben als Supermarktverkäufer. (Kinowelt)

Datum: 22.02.2009

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