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Die Luftbrücke - Nur der Himmel war frei (1)

Die Luftbrücke - Nur der Himmel war frei (1)

(tsch) "Du darfst die Welt jetzt nicht im Stich lassen", sagten seine Söhne zu General Philip Turner, als das Telegramm von Präsident Truman kam. Also ging er, die Freiheit zu verteidigen, nach Berlin und steigerte die Leistung seiner Piloten - so erzählt es der Zweiteiler "Die Luftbrücke - Nur der Himmel war frei". Helden braucht das Land, keinen düsteren Pessimismus, kein Gejammer. Mit dem 7,5 Millionen teuren "TV-Event des Jahres" bedient nun SAT.1 dieses Bedürfnis nach Heroentum und lehrt seine Zuschauer nebenbei noch jüngere deutsche Geschichte: Die Versorgung West-Berlins aus der Luft drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist das historische Ereignis, um das es hier geht. Heino Ferch spielt den General mit dem stoischen Blick, und der kümmert sich dabei nicht nur um Tempelhof, sondern auch um eine vermeintliche Witwe ...

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"Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!" Berlins Oberbürgermeister Ernst Reuter, zwischen Resignation und optimistischer Verbissenheit eindrucksvoll dargestellt von Burghart Klaußner, ruft im September 1948 vor dem zerbombten Reichstag zur Unterstützung auf. Ende Juni reagierten die Russen auf die Währungsreform im Westen Berlins mit einer Blockade der Stadt. Die Alliierten mussten den Westteil aus der Luft mit Nahrung, Medikamenten, Kleidung und Kohle versorgen, da sämtliche Wasser- und Schienenwege sowie Straßen dicht waren. Für 2,3 Millionen Menschen wurde täglich eine Fracht von etwa 4.500 Tonnen benötigt.

Der Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone, US-General Lucius D. Clay, gespielt von Ulrich Tukur, initiiert die anfangs für unrealistisch gehaltene Luftbrücke. Unterstützt wird er bald vom selbstsicheren Turner, der sich an der echten Figur des US-Generals William H. Tunner orientiert.

Bettina Zimmermann spielt jene Witwe, Luise Kielberg, die denkt, ihr Mann Alex (Ulrich Noethen) sei im Krieg gefallen. Daher lässt sie sich nach langem Zögern von dem amerikanischen Heroen in diesen kalten Zeiten wärmen. Doch ihr Mann kehrt zurück aus russischer Gefangenschaft, und Luise kann sich nicht so recht entscheiden, auch nicht, als sie ein Kind erwartet von einem der beiden.

In ihrer Person laufen die Fäden zusammen, die Einzelschicksale mit der großen Historie verknüpfen. Da sind der Nachbar, Ladenbesitzer Herbert Prenzke (Michael Gwisdek), der seine an Tuberkulose erkrankte Frau pflegt; der flotte US-Pilot Harry Keynes (Henning Baum), der sich in Luises beste Freundin Leni (Katharina Wackernagel) verliebt, sowie die Mächtigen in Washington und Moskau, die aus Hunger und Kälte Politik machen.

Doch trotz der großen Namen auf der Besetzungsliste, die Hauptrolle spielt in der teamWorx-Produktion ("Der Tunnel", "Stauffenberg") wieder einmal der Himmel über Berlin. Dort schwirren Flugzeugformationen - computeranimiert und mit echten DC-3-Maschinen - elegant im Gegenlicht. Die Schokoladen-Fallschirme segeln. Kinder strecken sich jubelnd den "Rosinenbombern" entgegen. Der Begriff Pathos wird von Regisseur Dror Zahavi ("Der Mann von nebenan") am Firmament konkretisiert.

Die feschen Piloten, der willensstarke General, die große Liebe und das noch größere Drama mit ihr lösen in den weichgezeichneten Bildern das Dilemma der langweiligen Wissensvermittlung: Dieser zum Mythos verwässerte Teil deutscher Geschichte wird ohne den didaktischen Holzhammer und mit langwierig recherchierten Fakten - Produzent Nico Hofmann spricht von vier Jahren Entwicklungszeit - endlich wieder unterfüttert. Dabei kontrastieren die emotional oft überladenen Einzelschicksale mit den grauen, zerstörten Straßenzügen - gedreht wurden die Außenaufnahmen des Nachkriegs-Berlins in Breslau - und den schlichten, authentischen Kostümen der Darsteller, sodass sich der Zuschauer gerne an das bisschen Kitsch binden lässt.

Dazu passt auch die Musik: "Somewhere Over The Rainbow" ist das Thema der beiden außerehelich Liebenden, von denen der Amerikaner seinem heldenhaften Gestus stets verhaftet bleibt und darob statisch wirkt. Der erst im zweiten Teil (Montag, 28. November, 20.15 Uhr) aufspielende Ulrich Noethen trifft es da schon besser: als verstörter Arzt, der sich nur langsam daran gewöhnen kann, dass der Krieg und die Gefangenschaft vorbei sind, schlägt der Schauspieler zwar die ganz leisen, dafür aber richtigen Töne an.

Im Anschluss an den ersten Teil des TV-Events folgt die Dokumentation "Die Luftbrücke - Berlin gibt nicht auf!" (22.20 Uhr).

Susanne Wolff


Große Gefühle in Berlin-Tempelhof: Luise (Bettina Zimmermann) und Turner (Heino Ferch) würden gerne, dürfen aber nicht ... eigentlich.
Große Gefühle in Berlin-Tempelhof: Luise (Bettina Zimmermann) und Turner (Heino Ferch) würden gerne, dürfen aber nicht ... eigentlich. (SAT.1 / Stephan Rabold)

Luise (Bettina Zimmermann) und ihr Mann Alex (Ulrich Noethen) brauchen Zeit, um sich wieder aneinander zu gewöhnen. Alex hat den Krieg noch nicht vergessen.
Luise (Bettina Zimmermann) und ihr Mann Alex (Ulrich Noethen) brauchen Zeit, um sich wieder aneinander zu gewöhnen. Alex hat den Krieg noch nicht vergessen. (SAT.1 / Stephan Rabold)

Luise (Bettina Zimmermann) und Turner (Heino Ferch) beschließen, ihre Liebe zu beenden. Doch ihre Gefühle füreinander sind zu stark ...
Luise (Bettina Zimmermann) und Turner (Heino Ferch) beschließen, ihre Liebe zu beenden. Doch ihre Gefühle füreinander sind zu stark ... (SAT.1 / Stephan Rabold)

Datum: 26.11.2005

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Artikel ID 161507

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