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Ein Wii-Meisterwerk: "Deadly Creatures"

Kleinkrieg und das große Krabbeln

In "Deadly Creatures" ist der Spieler näher dran an der Fauna als in jedem Dokumentarfilm - man schlüpft selbst in die Rolle einer Tarantel und eines Skorpions.

(mb/tsch) Schon allein für seine eigenwillige Idee hat das neue Wii-Game „Deadly Creatures“ die Bezeichnung Meisterwerk verdient. Der Spieler steckt nämlich selbst in der Haut einer gefährlichen Kreatur (abwechselnd Skorpion oder Tarantel) und erlebt das gefährliche Wüstenleben hautnah und stets aus der Perspektive eines Krabbeltiers. Die Welt sieht von da unten plötzlich ganz anders aus: Ein Motorrad-Wrack ragt beispielsweise wie ein Berg aus der Wüstenlandschaft, ein menschliches Skelett wird zur Höhle etc. „Deadly Creatures“ ist imposant inszeniert und hat eine herausragende Graphik. Hinzu kommt ein erfreuliches Extra: Dennis Hopper und Billy Bob Thornton sprechen tragende Rollen, was dem Spiel etwas Hollywood-Glanz verleiht.

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Der Clou von "Deadly Creatures": Die im Stil eines Independentfilms erzählte Rahmenhandlung - eine Schatzsuche mit Thrillerzügen - wird aus einer ungewöhnlichen Perspektive erlebt. Wer unter Spinnenphobie leidet oder sich vor Skorpionen gruselt, sollte die Finger von THQs Neuzugang lassen: Der Spieler steckt von Kapitel zu Kapitel abwechselnd in der Chitinhaut einer Tarantel und eines Skorpions!

Die skurrile Wahl der Figuren bringt eine ebenso ungewöhnliche Perspektive mit sich: Bei so viel Bodenhaftung sieht die Spielewelt plötzlich ganz anders, nahezu surreal aus. Ein nach einem Unfall liegengebliebenes Motorrad ragt wie ein Berg aus der kargen Wüstenlandschaft, ein menschliches Skelett wird zur Höhle, ein vergammelter Turnschuh zum Unterschlupf ...

Die Wüste lebt! Und ihre Bewohner sind sich - im wahrsten Sinne des Wortes - spinnefeind. Was die Z-Promis im Dschungelcamp erleben, ist nichts gegen den Alltag in "Deadly Creatures". Die Protagonisten fressen Heuschrecken, Maden und Weichkäfer, kämpfen mit Wolfsspinnen und Skarabäus-Käfern oder stehen selbst auf dem Speiseplan. Als Bossgegner steigen Schlangen und größere Tiere wie Krustenechsen in den Ring. Diesen imposant inszenierten tödlichen Kreaturen ist mit den üblichen Kombos nicht beizukommen. Im Stil von Quicktime-Events müssen hier im richtigen Moment Knöpfe gedrückt und Bewegungen mit Nunchuck und Wiimote vollführt werden, die auf dem Bildschirm als Symbol auftauchen. Dabei ist ein guter Sinn für perfektes Timing gefragt. Beispiel: Eine Schlange kündigt ihre Attacken mit einem Fauchen an. Hört man diese Warnung, gilt es, zur Seite zu springen. Apropos Fauchen: Die Tierlaute, Geräusche der Natur und die Musik unterstützen die für Wii-Verhältnisse gelungene Grafik, um den Spieler tief in den Mikrokosmos der Wüstenlebewesen eintauchen zu lassen.

Beim Kleinkrieg der Krabbelviecher kommen die speziellen Steuerungsmöglichkeiten der Wii voll zum Einsatz - Fernbedienung und Nunchuck werden in sämtliche erdenklichen Richtungen bewegt und geschwungen, sodass Spieler nicht nur visuell, sondern auch körperlich erfahren, wie es sich anfühlt, im Körper eines bodennahen Vielbeiners zu stecken. Die Tierchen haben zudem individuelle Fähigkeiten, die im Verlauf der Handlung freigeschaltet werden. So kann die Tarantel beispielsweise an Wänden hinauf oder gar kopfüber klettern, Gegner "angiften" und Netze werfen. Der Skorpion dagegen kann mit Scheren und Stachel angreifen, ablocken, sprinten und sich in Höhlenöffnungen eingraben.

Schon allein für die eigenwillige Idee, die Story aus der Sicht von Krabbelgetier zu erzählen, hat "Deadly Creatures" Aufmerksamkeit verdient. Allenfalls die Steuerung ist manchmal etwas unpräzise. Empfehlenswert ist das Game außerdem als perfekte Therapie für alle, die ihre Angst vor Ekeltieren überwinden wollen - nichts schult die Sympathie für Spinnen mehr, als selbst in ihrer haarigen Haut zu stecken.

Michael Eichhammer




Datum: 22.02.2009

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