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U2 beweisen in "No Line On The Horizon" Mut zum Experiment

U2 No Line On The Horizon

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"Achtung Baby" - das 1991er-Meisterwerk wurde schon im Vorfeld der Veröffentlichung von "No Line On The Horizon" von ersten Ohrenzeugen als Vergleichsgröße angeführt. Schließlich begann mit jenem Album damals die sogenannte experimentelle Phase von U2. Und - um ehrlich zu sein - erreichte jene Schaffensperiode der 90er-Jahre damit auch gleich ihren Höhepunkt. Nach zwei eher konventionell-traditionellen und rockigeren U2-Alben beweisen die irischen Superstars nun wieder Mut zum Experiment. Trotzdem ist der Vergleich mit "Achtung Baby" unzureichend.

"Dieses Album soll eines werden, auf das man immer wieder zurückgreift, in das man sich hineinversetzen kann, in das man versinkt", formulierte Gitarrist The Edge gegenüber dem britischen Musikmagazin "Q" den Anspruch der Band. Das ist ihnen sicher gelungen. Das Album verlangt aber noch mehr: In "No Line On The Horizon" muss man sich hineinversetzen (wollen).

Denn U2 wandeln bei ihren Klangexperimenten auf einem schmalen Grat. Zwischen einem sorgfältig ausgetüftelten Sound, komplexen Songstrukturen einerseits und der Unmittelbarkeit ihres hymnischen Gitarrenrocks, ihrer Fähigkeit zur großen, alles umarmenden Melodie andererseits. Am besten gelingt dieser Spagat gleich im Opener und Titeltrack. Der zudem klar macht: Viele Bands wurden bereits als die "nächsten U2" gehandelt - im Fall von "No Line On The Horizon" mag man an die Kings Of Leon denken - erreicht hat diesen Status noch niemand.

Die restlichen Songs des Albums hingegen können kaum als konventionelle U2-Hits bezeichnet werden. Kein "One", kein "Who's Gonna Ride Your Wild Horses", kein "Mysterious Ways" - "Achtung Baby" als Vergleichsgröße macht eben nur bedingt Sinn. Gleiches gilt für die Vorabsingle "Get On Your Boots". Led-Zeppelin-Riffs, Disco-Feeling und stakkatoartige Lyrics à la Billy Joels "We Didn't Start The Fire" zusammenzupacken, ist eine nette Spielerei. Vielleicht sogar ein Augenzwinkern. Denn den Kern des Albums bilden die scheinbar im Schwebezustand befindlichen, zunächst kaum greifbaren epischeren Songs. "Moment Of Surrender" ist ein monumentaler Sieben-Minuten-Gospel. "Fez - Being Born" beginnt verhalten pluckernd und leise und schwingt sich zu einer rhythmischen, sehnsüchtigen Ode auf. Und die fast transparent wirkende Leichtigkeit des ebenfalls komplexen "Unknown Caller" erinnert schon fast an die ewigen Experimentalisten Radiohead.

"Restart and re-boot yourself", singt Bono in jenem Song. Was U2 angeht, ist der Neustart sicher gewöhnungsbedürftig, aber im Großen und Ganzen gelungen. Und für ihren Mut: alle Achtung, Baby.

Stefan Weber


Datum: 01.03.2009

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