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In "Hinter Kaifeck" reiht sich ein plumpes Klischee ans nächste

Hinter Kaifeck

(mb/tsch) Dem Fotografen Marc (Benno Fürmann) geht es im düsteren bayerischen Kaff Hinterkaifeck ein bisschen wie K. in Kafkas „Das Schloss“ oder wie Johnny Depp in „Sleepy Hollow“: Es ist grau und regnerisch, die Dorfbewohner benehmen sich merkwürdig, sehen bedrohlich aus und scheinen ein Geheimnis zu hüten. 1922 ereignete sich in Hinterkaifeck ein spektakulärer und myseriöser Mord an einer ganzen Bauernfamilie, der bis heute ungeklärt ist. Die Ereignisse von damals inspirierten gleich zwei deutsche Filmemacher: Ende des Jahres erwartet man die gleichnamige Verfilmung von Andrea Maria Schenkels Bestseller "Tannöd", und jetzt schon startet Esther Gronenborns "Hinter Kaifeck“ mit Benno Fürmann und Alexandra Maria Lara in den Kinos, eine Mischung aus Mystery-Thriller und Drama, als ein kleiner Vorgeschmack auf „Tannöd“. Das Drehbuch von „Hinter Kaifeck“ verzettelt sich fatal und lässt den Film belanglos erscheinen.

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Esther Gronenborn, die für "alaska.de" 2001 den Deutschen Filmpreis erhielt, erfuhr nach ihrem hochgelobten Debüt, für das sie das Drehbuch schrieb und Regie führte, nicht den erwarteten Popularitätsschub - ganz im Gegensatz zu Jana Pallaske, für die der Film der Durchbruch war. Dennoch hat die 40-jährige gebürtige Oldenburgerin einen eigenen Stil manifestiert. Ihre Farben sind fahl, die Kamera wackelt, die Tristesse wird von ihr mit großer Wachheit eingefangen, sodass die Geschehnisse auf der Leinwand kein Mitleid erregen, sondern eine intensivere Gewichtung erhalten.

In Zusammenhang mit "Hinter Kaifeck" ist diese Vorgehensweise nicht unproblematisch. Gekonnt fängt sie die düstere Stimmung des bayerischen Dorfes ein, in dem der Fotograf Marc (Benno Fürmann) mit seinem Sohn Tyll (Henry Stange) während der Motivsuche strandet.

Fürmann arbeitet viel mit Blicken, staunt nach dem Aufwachen ausgiebig über den Dreck unter seinen Schuhen, wähnte er sich doch schlafend. Allerdings beuteln ihn seit der Ankunft in dem Landgasthof der freundlichen Wirtin (Alexandra Maria Lara) schlimme Albträume. Diese Visionen sind es, die mit Gronenborns Filmstil kollidieren.

Wenn Fürmann durch den dunklen Wald läuft, gehetzt, verängstigt, werden unweigerlich Erinnerungen an den zum Klassiker avancierten "Blairwitch Project" wach - und das passt eigentlich nicht zum tiefsinnigen Vorhaben der Regisseurin. Sie will das Alte und das Neue auf einer sinnigen Ebene zusammenführen. Sie lässt ihre Hauptfiguren Fragen stellen wie "Haben Sie sich als Kind gern gegruselt?" oder Erklärungen zum (Aber-)Glauben suchen.

Der Aberglaube manifestiert sich in den Perchtenläufen, einer bayerischen Tradition. Dabei verkleiden sich die Dorfbewohner mit Fellkostümen und tragen Furcht einflößende Holzmasken. In den rauen Nächten um den Jahreswechsel ziehen sie unter lautem Trommeln und Rasseln durch die Straßen. Diese beeindruckende Erscheinung wählte die Regisseurin zum Höhepunkt ihres Dramas, das alles in allem doch sehr unentschlossen wirkt.

Da sind die reinen Horrorfilm-Elemente, die in ihrer Auflösung nicht immer logischen Visionen des Fotografen, der den Zusammenhang sucht zwischen sich und den Morden. Scheibchenweise füttert das Drehbuch den Zuschauer an, verzettelt sich aber auch sehr zwischen einer angedeuteten Liebesgeschichte, der sterbenden, geheimnisvollen Großmutter der Gastwirtin und vielen typisierten Dorfbewohnern (unter ihnen Michael Gwisdek als Dorfpfarrer).

Gerade wird noch mit einer Träne im Auge über möglichen Inzest spekuliert, da rennt Benno Fürmann schon wieder einer Vision folgend mit der Brechstange durch den Wald. Es wird viel gewollt, und viel geboten, das allerdings nicht besonders strukturiert wirkt. Der Wendepunkt bleibt aus, die wenig überraschende Auflösung ist nicht subtil, eher plump.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Kinowelt, D 2009, R: Esther Gronenborn, D: Benno Fürmann, Alexandra Maria Lara, Michael Gwisdek u.a.

Laufzeit: 87 Min.

Kinostart:
12. März 2009


In einem kleinen Dorf in Oberbayern wurden im Jahre 1922 sechs Menschen ermordet - der Fall ist bis heute ungeklärt.
In einem kleinen Dorf in Oberbayern wurden im Jahre 1922 sechs Menschen ermordet - der Fall ist bis heute ungeklärt. (Kinowelt Filmverleih)

Der Fotograf Marc Barenberg (Benno Fürmann) möchte unbedingt herausfinden, was damals auf dem Einödhof geschah.
Der Fotograf Marc Barenberg (Benno Fürmann) möchte unbedingt herausfinden, was damals auf dem Einödhof geschah. (Kinowelt Filmverleih)

Die Gasthofbetreiberin Juliana Lukas (Alexandra Maria Lara) ist bereit, über den verschwiegenen Ort des Verbrechens zu erzählen.
Die Gasthofbetreiberin Juliana Lukas (Alexandra Maria Lara) ist bereit, über den verschwiegenen Ort des Verbrechens zu erzählen. (Kinowelt Filmverleih)

Datum: 08.03.2009

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