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Der Soundtrack zu "Watchmen" trifft voll ins Schwarze

Diverse Watchmen - Music From The Motion Picture

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Düster und pessimistisch sind sie. Superhelden ihrer Zeit, in der die Welt am Abgrund steht - und die noch stärker gefährdet ist, als das in den 80er-Jahren, als die Comicvorlage zum gleichnamigen Film "Watchmen - Die Wächter" entstand, ohnehin der Fall war. Zack Snyder hat das vom "Time"-Magazin zu den 100 besten Büchern des 20. Jahrhunderts gezählte Werk spektakulär für die Leinwand adaptiert und ist dabei sehr nahe am Original geblieben. Lediglich bei der Songauswahl hat er sich von den Vorgaben der Comic-Autoren Alan Moore (Texter) und Dave Gibbons (Zeichner) gelöst - und dabei trotzdem den Kern getroffen. "Watchmen - Music From The Motion Picture" ist daher eine Zusammenstellung von Songs und Musikstücken, die als Essenz von Ängsten und Gefühlslagen ihrer jeweiligen Zeit funktionieren.

Aus zwölf einzeln erschienen Heften bestand die Comic-Vorlage, die mit Zitaten Bob Dylans, Elvis Costellos, John Cales (oder von Wissenschaftlern, Philosophen oder aus der Bibel) endeten; eine Art - oft lyrische - Zusammenfassung des Kapitels und in wenigen Songminuten konzentrierte Reflexion der Welt, die sich selbst zerfleischt. Dylans "Desolation Row" - in einer wütenden Version von My Chemical Romance - und "All Along The Watchtower" - natürlich von Jimi Hendrix gespielt - sind Paradebeispiele dafür und kommen auch im Film (und auf der CD) vor.

Als eine Art Ersatz für Albert Einstein, Friedrich Nietzsche und das Alte Testament gewissermaßen hat sich Snyder entschieden, eine musikalische Einordnung der Zeit vorzunehmen, rund um Bob Dylans "The Times They Are A-Changin'" als zentralem Thema. Billie Holiday begleitet mit dem treffend melancholischen "You're My Thrill" die erste selbst ernannte Superhelden-Generation in die 40er-Jahre, Richard Wagners musikalische Götterdämmerung "Ride Of The Valkyries" untermalt das Ende der Welt, während Leonard Cohens 1984 erstmals veröffentlichtes "Hallelujah" ein letztes Mal fleht. Manche der Songs scheinen unvermeidlich zu sein - "The Sound Of Silence" von Simon & Garfunkel oder Janis Joplins "Me And Bobby McGee" zum Beispiel. Zack Snyder für diese Offensichtlichkeiten aber vorschnell zu verurteilen, wäre ungerechtfertigt. Weil die Songs ihren Zweck in seinem mutigen Film erfüllen und der Regisseur mit Nina Simones formidabler Brecht-Interpretation "Pirate Jenny" und "Pruit Igoe & Prophecies" von Philip Glass mit assoziativen Geniestreichen der Vorlage durchaus gerecht wird. Glasses Stück stammt übrigens aus Godfrey Reggios filmischer Reflexion der Zivilisation: "Koyaanisqatsi" bedeutet in der Sprache der Hopi-Indianer "Leben im Ungleichgewicht".

Andreas Fischer


Datum: 09.03.2009

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