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Thandie Newton über ihre Rolle in Guy Ritchies "RocknRolla"

Die Vertrauensfrage

Schauspielerin Thandie Newton

(cg/tsch) Thandie Newton ist keine typische Hollywood-Repräsentantin. Die 1,57 Meter große Londonerin hat Anthropologie an der Cambridge University studiert und ist kaum in der Klatschpresse oder auf dem roten Teppich präsent. Die verheiratete Mutter zweier Kinder machte in den letzten Jahren alles richtig: Seitdem sie im Jahr 2000 in „Mission: Impossible II“ an der Seite von Tom Cruise zu sehen war, spielt sie immer öfter in namhaften Hollywood-Produktionen, etwa im Ensemblefilm „L.A. Crash“, der drei Oscars gewann, oder in „Das Streben nach Glück“, in dem sie zusammen mit Will Smith vor der Kamera stand. Nun hat sie Kult-Regisseur Guy Ritchie für seine neue Gauner-Komödie "Rock'N'Rolla" (Kinostart: 19.März) engagiert. Darüber freut sich die Britin sehr, wie sie im Interview mitteilt, da sie endlich die Chance hatte, in einem englischen Film mitzuspielen, der es mit Hollywood aufnehmen könnte.

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teleschau: Miss Newton, in "Rock'N'Rolla" spielen Sie die Buchhalterin Stella, die es faustdick hinter den Ohren hat. Haben Sie sich in einigen Aspekten der Rolle wiedererkannt?

Thandie Newton: Ich bin zwar nicht so eiskalt wie Stella, wenn es um Gefühlsdinge geht, aber ich weiß, mich in bestimmten Situationen angemessen zu verhalten, mich im Zaum zu halten. Das hat viel mit Gewöhnung zu tun: Ich kann mittlerweile viel besser damit umgehen, im Rampenlicht zu stehen. Aber um ehrlich zu sein, bin ganz und gar nicht wie sie. Sie empfindet eine fast schon perverse Lust daran, sich von einem Angstzustand in den nächsten zu katapultieren, weil sie ihr Glück herausfordert, indem sie Geld unterschlägt.

teleschau: Sie sind mit völlig unterschiedlichen Filmen wie "Mission Impossible II", "Crash" oder "Run, Fatboy, Run" fest in Hollywood zu Hause: Weshalb dreht eine gebürtige Londonerin wie Sie nicht häufiger in Europa?

Newton: Europäische Filme haben es in ihren Heimatländern schwer genug, gegen die großen Hollywood-Hits bestehen zu können. In Großbritannien haben wir zwar den Vorteil, dass wir in englischer Sprache und daher auch automatisch für den amerikanischen Markt drehen, aber das hilft nicht viel. Ich habe zum Beispiel einen amerikanischen und einen englischen Agenten, die sich darum kümmern, dass ich gute Rollen angeboten bekomme. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Provision, die sich aus meiner Gage errechnet. Mein US-Agent hat damit wegen der Vielzahl der realisierten Filme gar kein Problem. Doch meine britische Agentur braucht sehr viel mehr Durchhaltevermögen, weil der britische Filmmarkt um einiges schwächer ist.

teleschau: Sie würden also vermehrt heimische Filme drehen, wenn Sie nur könnten?

Newton: Klar. Was meinen Sie, wie froh ich war, dass Guy Ritchie mich für seinen neuen Film engagiert hat! Guy ist ein echtes britisches Phänomen, schon wenn man bedenkt, in welchem jungen Alter er seine ersten großen Filme "Bube, Dame, König, GrAS" und "Snatch - Schweine und Diamanten" gedreht hat. Trotzdem ist er immer verblüffend liebenswürdig und offen geblieben. Man wird einfach angesteckt von seiner guten Laune. Es geht ihm weder um sein Ego noch um andere Dinge wie geschäftlichen Erfolg: Er hat nur seinen Film im Blick - und der soll genau das Kunstwerk werden, das er im Kopf hat. Ein solches Talent ist ziemlich beneidenswert, finde ich.

teleschau: Was hat für Sie letzten Endes den Ausschlag gegeben, die Rolle anzunehmen?

Newton: Die wichtigste Frage bei einem Rollenangebot ist doch immer: Dient man nur als Kleiderständer oder hat der Charakter, den man spielt, auch wirklich eine tragende Funktion in der Geschichte? Das hat mir Guy von vornherein zugesichert, und ich spürte außerdem sofort, dass sein humorvoll-ironischer Ansatz, der den gesamten Film durchzieht, auch in meiner Rolle voll zum Ausdruck kommen würde. Außerdem konnte ich allein unter Männern arbeiten - das war großartig (lacht)!

teleschau: Apropos Männer: Gemeinsam mit Ihrem schottischen Kollegen Gerald Butler drehten Sie eine höchst ungewöhnliche Liebesszene. Wie kam es dazu?

Newton: Gerry ging es an jenem Tag ganz und gar nicht gut. Er war schwer erkältet, hatte eine Halsentzündung. Dummerweise stand aber unsere Liebesszene auf dem Drehplan. Also mussten wir irgendwie improvisieren und eine Lösung finden. Ich ging eigentlich schon davon aus, dass wir den Tag frei bekommen und uns ein anderes Mal ausziehen würden. Doch Guys Gedanken kreisten schon auf Hochtouren darum, wie er um das Problem herum arbeiten konnte. Heraus kam eine der besten und kürzesten Liebeszenen, die ich jemals gesehen habe. Und sie wäre nicht in die Filmgeschichte eingegangen, wenn Gerry nicht so krank gewesen wäre.

teleschau: Versuchen Sie schon während der Dreharbeiten herauszufinden, wie der Film im Endeffekt aussehen wird?

Newton: Das weiß man nie: Wenn ich einen Film drehe, dann stecke ich vollkommen in meiner Rolle und drehe Szene für Szene. Ich kann nie sicher sein, was am Ende dabei herauskommt. Das ist letzten Endes eine Vertrauensfrage. Ein Film kann sich im Schneideraum von Grund auf verändern. Das kommt ständig vor.

teleschau: Kürzlich schlüpften Sie für Oliver Stones Filmportrait über George W. Bush in die Rolle der ehemaligen US-Außenminister Condoleezza Rice. Welche Bedeutung hatte dieser Film für Sie?

Newton: Gerade bei solch einem Projekt kann ich es kaum erwarten, den ganzen Film zu sehen. Als Schauspieler ist man meist nur an einem bestimmten Teil des Films beteiligt, hat aber in der Regel keine Ahnung, wie das gesamte Produkt in seiner letztendlichen Fassung wirken wird. Ich fand es toll, dass "W" eine solche Resonanz hervorgerufen und eine Debatte provoziert hat über den politischen Wechsel in Amerika. Den Wechsel zu erwarten und darüber aktiv zu diskutieren, macht einen großen Unterschied. In den USA hat sich ein wegweisender Regierungswechsel vollzogen. Und je mehr die Leute sich dafür interessieren, darüber sprechen und sich am gesellschaftspolitischen Leben beteiligen, desto besser.

Leif Kramp


Thandie Newton spielt in Guy Ritchies "Rock'N'Rolla" die Buchhalterin Stella.
Thandie Newton spielt in Guy Ritchies "Rock'N'Rolla" die Buchhalterin Stella. (2008 Warner Bros. Ent.)

Gerard Butler und Thandie Newton übernahmen die Hauptrollen in der britischen Kinokomödie "Rock'N'Rolla" die am 19.03. in den Kinos anläuft.
Gerard Butler und Thandie Newton übernahmen die Hauptrollen in der britischen Kinokomödie "Rock'N'Rolla" die am 19.03. in den Kinos anläuft. (2008 Warner Bros. Ent.)

Eine Krankheit von Gerard Butler sorgte für eine ungewöhnliche Liebesszene mit Thandie Newton.
Eine Krankheit von Gerard Butler sorgte für eine ungewöhnliche Liebesszene mit Thandie Newton. (2008 Warner Bros. Ent.)

Datum: 15.03.2009

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