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Motörhead - Inferno als Limited deluxe edition

Motörhead Inferno (Limited Deluxe Edition)

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Rockmusik kann duften. Nein, die Rede ist hier nicht vom hart erarbeiteten Schweiß- und Adrenalin-Dampf, durch den man sich bei einem Motörhead-Konzert schneiden muss, sondern tatsächlich von einem Wohlgeruch. Wenn erst mal das schicke, schwarze Geschenkpapier (!), mit dem Lemmy und Konsorten die "Limited Deluxe Edition" des letzten Albums "Inferno" eingewickelt haben, entfernt ist, strömt er einem entgegen, dieser Duft, den manche (in der Motörhead-Zielgruppe sind das ja eigentlich alle) vielleicht von früher noch kennen. Aus den 80-ern. Genau so roch es damals, wenn man eine gute, alte Vinyl-Scheibe nach dem Neu-Erwerb das erste Mal aus der Hülle zog: irgendwie nach edlem Kunststoff, nach Farbdruck, und, ja, auch nach Musik. So war das damals. Ganz bestimmt. Keine Ahnung, ob das jetzt Zufall ist oder von den Machern wirklich so gewollt, ob ein besonders gut funktionierender Riechzinken oder nur Einbildung - jedenfalls passt es. Denn Motörhead sind die Band, die dieses goldene Zeitalter auch anno 2005 mehr zelebriert, als jede andere Retro-Truppe. Die sind nämlich gar nicht retro, sondern echt. Seit genau 30 Jahren.

Straighter Sound, klare Ansage: "Life's A Bitch", hustet Lemmy Kilmister ins Mikro. Kein Lamenti, sondern mit unzähligen Flaschen Whiskey eingesogene Erkenntnis. Wer könnte ein solches Statement auch authentischer verkaufen als der legendäre Motörhead-Boss, der so gar nichts mit den ewig jammernden und übers ach so harte Leben Leben philosophierenden Rock-Schönlingen der letzten Dekade gemein hat. Motörhead sind echt, seit über 30 Jahren schon. Und sie sind immer noch weit davon entfernt, die beste Band der Welt zu sein, aber wenigstens sind sie noch verdammt laut - wie zig-Tausende bei der gerade zu Ende gegangenen Europa-Tour 2005 erleben durften. "Inferno", mit dem Motörhead vor einem Jahr sogar in den Top-Ten auftauchten, ist wohl eine Art Konzeptalbum, jedenfalls drehen sich die meisten Songs um den Tod im Allgemeinen und um Mord im Besonderen. Nun ja, das ist auch nichts Neues. Eh klar, dass es bei Motörhead nicht die Spur von Innovation gibt. Hier gibt es nur, wie gehabt, geradeaus voll in die Fresse. Schon lange nicht mehr haben Motörhead ihre erdige Rock-Blues-Metal-Punk-Mischung so auf den Punkt gebracht, wie bei diesem Album, das praktisch keine Schwachpunkte hat. Nur Kracher. Und dass Steve Vai bei zwei Songs mitklampft, stört gottseidank auch nicht weiter. Das Mitte 2004 erschienene und nun neu aufgelegte "Inferno" schlägt das 2003er-Studioalbum "Hammered" jedenfalls um Längen. Zum Jubiläum wurde es mit einer wirklich unglaublich edlen Verpackung versehen. Zur streng limitierte Sammlerausgabe gehört eine Bonus-DVD mit sechs Live-Videos der Geburtstagsshow in London und dem brandneuen Videoclip zum Song "Whorehouse Blues", in dem Motörhead unplugged (braucht kein Mensch!) "rocken". Hinzu kommen ein Making-Of mit Aufnahmen vom Videodreh und die etwa 45-minütige Dokumentation "30 Years: Born To Lose - Live To Win". Das ist ganz klar vorweihnachtliche Geld-aus-der-Tasche-Zieherei, aber es ist eben auch verdammt geil.

Frank Rauscher


Datum: 26.11.2005

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