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Star-besetzt und prachtvoll ausgestattet: "Die Herzogin"

Die Herzogin

(vm/tsch) England des 18. Jahrhunderts: Leidenschaft, Intrigen, Zweckehen, unglückliche, weil unerlaubte Lieben und viele aufwändige Kostüme… von all dem findet sich etwas im historischen Drama “Die Herzogin”. Für Letzteres bekam das Liebesdrama sogar einen Oscar. Doch der Star-besetzte und pompöse Kostümfilm ist keine seelenlose Ausstattungsorgie. Obwohl viele der Themen, die in “Die Herzogin” behandelt werden, in kaum einem Film desselben Genres fehlen, erfüllt er, was ein Kostümfilm eben erfüllen muss: Er ist spannend, perfekt ausgestattet und unterhält trotz gelegentlicher Kitschszenen. Mit einem liebevollen Blick fürs historische Detail und einer herausragenden Besetzung (darunter Keira Knightley, Charlotte Rampling und Ralph Fiennes) zeichnet “Die Herzogin” zudem auch ein gutes Porträt jener Zeit.

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Schon mit der ersten, mit liebevollem Blick fürs historische Detail inszenierten Szene ist der Grundkonflikt des Films vorgegeben: Während die jugendlich frische Georgina auf dem Rasen vor einem malerischen englischen Landgut ein wildes Wettrennen ihrer Verehrer veranstaltet, das vor allem Dominic Coopers Herz, der ihren späteren Liebhaber Charles Grey spielt, zum Rasen bringt, herrscht im Inneren des Schlosses eiskalte Totenruhe. Georginas Zukünftiger, der Duke of Devonshire, den Ralph Fiennes mit einer meisterlich boshaften Zurückhaltung anlegt, tritt mit arroganter Mine ans Fenster, betrachtet widerwillig die leidenschaftliche Neckereien im Garten - und willigt schließlich in einen verhängnisvollen Pakt ein.

Weil er zur Absicherung seiner Dynastie unbedingt einen männlichen Nachkommen braucht, unterzeichnet der steinreiche Aristokrat ein Heiratsarrangement, bei dem Georginas Mutter die Strippen zieht. Charlotte Rampling steht Ralph Fiennes hinsichtlich seelenloser Berechnung in nichts nach und überzeugt erneut mit einer Meisterleistung, die so manchen Zuschauer frösteln lassen dürfte.

Von Anfang an ist offensichtlich, dass die merkantil eingefädelte Zweckehe unter einem schlechten Stern steht. Georgina scheitert an ihrer vermeintlich wichtigsten Lebensaufgabe. Ihr Ehemann wirft ihr wütend vor, dass er ihr nur zwei Dinge abverlangt habe: Loyalität und einen männlichen Erben. Stattdessen kommt zunächst in kurzer Zeit eine Tochter auf die Welt, und Georgina muss lernen, dass ihre Ehe nur eine bittere Farce ist, die mit Blick auf die sensationslüsterne Öffentlichkeit aufrechterhalten wird. Ihr Ehemann, der mehr Worte und sicher mehr Liebe für seine Jagdhunde übrig hat als für sie, hat sich bereits neue Geliebte gesucht. Schlimmer noch: Ausgerechnet ihre einzige Vertraute, Lady Bess Foster (Hayley Atwell), zieht in den gemeinsamen Palast ein und teilt fortan mit dem Herzog Bett und Tisch.

Georgina dagegen stürzt sich Hals über Kopf ins gesellschaftliche Leben - und wird, wenn auch nicht zur "Prinzessin der Herzen", so doch zur "Empress of Fashion". Ganz London und das feine Bath liegt ihr zu Füßen. Doch als sie erneut auf ihre Jugendliebe, den aufstrebenden Politiker und späteren Prime Minister Charles Grey (Dominic Cooper aus dem Überraschungserfolg "Mamma Mia!") trifft, beißt sie bei ihrem Ehemann auf Granit. Dieselben freizügigen Rechte, die er sich selbst großzügig zugesteht, erlaubt er Georgina selbstverständlich nicht. Sie wird zur einsamen Gefangenen in einem goldenen Käfig.

Der vergleichsweise unerfahrene Regisseur Saul Dibb, der zuvor britische TV-Produktionen und den Spielfilm "Bullet Boy" gedreht hat, schwelgt in seinem oscargekrönten perfekt ausgestatteten Kostümfilm in Opulenz - ohne jedoch in die "Buddenbrocks"-Falle einer seelenlosen Ausstattungsorgie zu verfallen. Dass sein Kostüm-Drama in der Tradition von Schmachtfetzen wie "Sinn und Sinnlichkeit" oder "Stolz und Vorurteil" auf einem gut recherchierten Bestseller von Amanda Foreman basiert, der noch dazu das verbürgte Liebesunglück der historischen Georgina Spencer, der Ur-Ahnin von Lady Diana, zum Thema hat, schadet dem Vermarktungspotenzial des Films nicht. Allzu plumpe Bezugnahme auf die moderne tragische "Ménage-à-trois" zwischen Diana, Charles und Camilla verkneift sich der Film aber zum Glück. Abstriche gibt es lediglich für etwas zu plakativ ausgewalzte Gefühlskonflikte und den gelegentlichen tiefen Griff in den Schmalztiegel.

Rupert Sommer

Credits:
V:Kinowelt, USA 2008, R: Saul Dibb, D: Keira Knightley, Ralph Fiennes, Dominic Cooper u.a.

Laufzeit: 110 Min.

Kinostart:
26. März 2006


"Die Herzogin" wurde in den Kategorien "Bestes Kostüm" und "Beste Ausstattung" für den Oscar nominiert, für Erstere erhielt er die Auszeichnung.
"Die Herzogin" wurde in den Kategorien "Bestes Kostüm" und "Beste Ausstattung" für den Oscar nominiert, für Erstere erhielt er die Auszeichnung. (Kinowelt)

Mit ihrem extravaganten Auftreten verdreht die Herzogin von Devonshire (Keira Knightley) den Londoner Männern den Kopf.
Mit ihrem extravaganten Auftreten verdreht die Herzogin von Devonshire (Keira Knightley) den Londoner Männern den Kopf. (Kinowelt)

Gefangenen im Goldenen Käfig: Die Herzogin von Devonshire (Keira Knightley) muss ihrem Ehemann einen Stammhalter liefern.
Gefangenen im Goldenen Käfig: Die Herzogin von Devonshire (Keira Knightley) muss ihrem Ehemann einen Stammhalter liefern. (Kinowelt)

Datum: 25.03.2009

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