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"Inside Hollywood" fehlt der rechte Biss
Inside Hollywood(vm/tsch) “Inside Hollywood”: Schon der Titel des neuen Films von Barry Levinson (“Wag the Dog”) verspricht einen ungewohnten Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik, die normalerweise verborgen bleiben. Bruce Willis spielt einen Schauspieler, der sich trotz der Bitten seines Produzenten weigert, seinen imposanten Vollbart abzunehmen. Sean Penn spielt sich selbst, Robert De Niro einen erfolgreichen Filmproduzenten, der in seinem Beruf eine Menge Skrupellosigkeit und Heuchelei einsetzen muss, um nicht unterzugehen. “Inside Hollywood” will das Studiosystem der Traumfabrik auseinandernehmen, eine bissige Satire auf die Filmindustrie sein. Doch trotz guter Einfälle und eines prominenten Casts fehlt dem Film der rechte Biss, was ihn im Endeffekt ziemlich blass und belanglos erscheinen lässt. Anzeige
Um seinen Job ist Ben (De Niro) nicht zu beneiden. Der Regisseur des letzten von ihm produzierten Films schwebt auf seiner eigenen Kunstwolke und lässt in seinem Thriller einen Hund erschießen. Ein Unding. Menschenleichen im Kino? Daran hat man sich gewöhnt. Aber tote Tiere, unschuldig und niedlich? Klar, dass sich die Studiochefin Lou Tarnow (Catherine Keener) um das entrüstete (und zahlende) Publikum sorgt. Zwischen diesen Parteien muss Ben vermitteln, sonst ist er seinen Job los. Das wäre für den mehrmals geschiedenen Workaholic ein Desaster. Und zwar ein richtiges, gegen das sich die mittleren Katastrophen seines (Arbeits)alltags wie Entspannungsurlaub ausnehmen. Also hetzt Levinson Ben durch das System, in dem der Regisseur selbst arbeitet. Lässt ihn vermitteln, verhandeln, verzweifeln. Das ist hübsch und unterhaltsam, aber auch etwas gemächlich inszeniert. Levinsons Hollywood-Satire fehlt der rechte Biss, die ironische Distanz, die einen Robert Altman zum Beispiel mit seinem thematisch ähnlich gelagerten Produzenten-Porträt "The Player" (1994) auszeichnete. Und die Levinson in seiner exzellenten Polit-Satire "Wag, the Dog" so vortrefflich durchexerzierte. Levinson beherrscht sein Handwerk, das ist klar. Er kann die Klaviatur des Spotts mit allen doppeldeutigen, stichelnden Zwischentönen spielen. In seiner Verfilmung der Memoiren des echten Hollywoodproduzenten Art Linson ("Fight Club", "The Untouchables - Die Unbestechlichen") aber beschränkt er sich zu sehr auf Robert De Niro. Der ist das Eintrittsgeld wert, ohne Frage. Ist ein Stoiker mit gelegentlichen Vulkanausbrüchen, kann das Auge im Hurrikan genauso sein wie der Tsunami. Also holt er seine Töchter nacheinander bei ihren verschiedenen Müttern ab, telefoniert sich dabei die Ohren blutig, setzt seinen Bruce Willis' Schauspielagenten unter Druck, findet abends eine beliebige Beischläferin und nebenbei noch die Zeit für den nicht immer ernst gemeinten Versuch, die letzte in die Brüche gegangene Ehe zu kitten. Ein viel beschäftigter Mann ist man als Hollywood Bigshot, und trotzdem nur ein Hase auf der Hunderennbahn. Überlebenschancen? Null! Ohne Cleverness, Glück und Skrupellosigkeit geht nichts. Das macht Levinson klar, mit viel Witz, und einer Menge verrückter Einfälle. Aber das ist auch bekannt. Zu bekannt. Der Regisseur dreht sich schlussendlich im Kreis, genauso wie sich sein Film im Kreis dreht - und sich ein wenig, das darf vermutet werden, an sich selbst berauscht. "Inside Hollywood" ist keine Tour in unerforschtes Terrain. Eher ein gemütlicher Trip zu einem kulturbügerlich akzeptierten Ausflugsziel, das schon oft besucht wurde. Mit etwas Glück lässt sich das eine oder andere neue Detail entdecken. Wie etwa Bruce Willis' Rauschebart. Und das kann durchaus unterhaltsam sein. Andreas Fischer |
Credits: Laufzeit: 105 Min. Kinostart:26. März 2009 |
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