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"Max Payne" trägt alles zu dick auf

Max Payne

(cg/tsch) Schon das Ego-Shooter-Computerspiel, worauf der Film “Max Payne” von Regisseur John Moore (“Das Omen”) basiert, war aufgrund seiner unbegründeten Ballerorgien und Gewaltphantasien umstritten. Von der Verfilmung des Game-Stoffs war auch nichts Anderes zu erwarten. Doch die sadistischen Stilisierungen in “Max Payne” sind nicht das einzige Problem des Films. Das Action-Feuerwerk im Stil Noir trägt zu dick auf und wirkt dadurch plump: zu viele Effekte, zu pompöser Sound, zu wenig Überraschung. Und zum Schluss ein Happy End, das so gar nicht zum düsteren Rest passen will.

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Der Frage nach der moralischen Legitimation hemmungsloser Ballerorgien entkommt am Ende auch "Max Payne" nicht. Dass die Kinoadaption eines jener notorisch umstrittenen Shooter-Games mehr zu bieten hat als Gewaltfantasien für soziophobe Jugendliche, liegt paradoxerweise auch an der Vorlage: Mit stilisierter Comic-Ästhetik und den durch die "Matrix"-Filme bekannt gewordenen Zeitlupensequenzen verwerteten die Spieleentwickler bereits etliche kinotaugliche Elemente. Regisseur John Moore ("Der Flug des Phoenix") griff die Steilvorlage auf und überführte den Actionstoff 2008 auf die Leinwand. Die tiefschwarze Genre-Übung war in den USA ein Achtungserfolg, kam in Deutschland mit gut 300.000 Kinobesuchern durchwachsen an. Mehr Durchschlagskraft verspricht sich der Verleih offenbar von der Zweitauswertung. "Max Payne" erscheint auf Blu-ray-Disc sowie zwei unterschiedlich ausgestatteten DVD-Editionen.

Wie beim Shooter-Game ist auch im Film die Perspektive weitgehend auf den gepeinigten Helden eingeengt. Max Payne (Mark Wahlberg), ein ehemals strahlender, talentierter Cop des New York Police Departments, hat vor Jahren Frau und Kind bei einem vermeintlichen Raubmord verloren. Seither hegt er einzig den Wunsch, den unbekannten dritten Täter aufzuspüren, der ihm seinerzeit um Haaresbreite entwischte.

Payne wittert im Milieu der russischen Mafia eine vielversprechende Spur, gerät unter Mordverdacht, kann aber die Auftragskillerin Mona Sax (Mila Kunis) für seine Sache gewinnen. Gemeinsam ermitteln sie die Hintergründe einer mysteriösen Mordserie, in der die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit zu verschmelzen drohen, ehe zuletzt ein gigantisches Pharmazie- und Militärkomplott sichtbar wird.

In jeder einzelnen Einstellung ist John Moore bemüht, seinem Film ein atmosphärisch dichtes und visuell kompromissloses Flair zu verleihen - ganz ähnlich wie dies Robert Rodriguez und John Miller mit "Sin City" gelang. Durchaus liebevoll in Detailfragen berauscht sich der Film jedoch zu sehr an seinen sadistischen Stilisierungen, trägt zu dick von allem, insbesondere den Soundeffekten auf. Potenzial hätte im klassischen Noir-Plot durchaus geschlummert, doch spätestens mit dem martialischen Happy End im Kugelhagel ist es weitgehend verspielt.

Wer sich für die Doppel-DVD mit der Kinofassung und dem "Extended Director's Cut" (ohne Jugendfreigabe) entscheidet, erhält als Bonus ein zweiteiliges Making Of. Das ist vor allem deshalb erfrischend, weil Regisseur John Moore seinen Widerwillen hieran im Interview sehr deutlich macht. Das zweite Extra ist ein etwas unglücklich animierter Comicroman, der das Schicksal von Paynes ermordeter Frau aufrollt, dabei aber wenig Neues verrät.

Zwiespältig fällt das Fazit zum technischen Niveau der DVD aus. Das Cinemascope-Bild punktet mit guten Kontrasteigenschaften. Auch das verwaschene Grau und die wenigen Signalfarben wurden authentisch von der Kinovorlage transferiert. Die Bildschärfe leidet jedoch unter leicht unruhigen Bildpunkten und vereinzelten Nachzieheffekten. Die 5.1-Spur präsentiert sich aus allen Boxen mitunter fast schon zu wuchtig, liegt aber insgesamt im Soll.

Auch auf Blu-ray-Disc (VÖ: 20.03.2009) erhältlich.

Jens Szameit

bewertungsbox

bildformat 2,40:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Englisch (5.1), Französisch (5.1), Italienisch (5.1), Spanisch (5.1), Russisch (5.1)
untertitel Deutsch, Englisch, Italienisch, Holländisch, Russisch, Estnisch, Lettisch, Litauisch
extras Making Of; Animierter Comicroman
laufzeit 98 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 31 Euro
bewertung bild befriedigend
bewertung ton gut
bewertung extras befriedigend

Credits:
(USA 2008, R: John Moore, D: Mark Wahlberg, Beau Bridges, Mila Kunis u.a.)


Die Shooter-Game-Verfilmung "Max Payne" ist visuell berauschende Noir-Action mit inhaltlicher Schieflage.
Die Shooter-Game-Verfilmung "Max Payne" ist visuell berauschende Noir-Action mit inhaltlicher Schieflage. (Fox)

Stilisierter Großstadtcop: Max Payne (Mark Wahlberg) jagt den Mörder seiner Familie.
Stilisierter Großstadtcop: Max Payne (Mark Wahlberg) jagt den Mörder seiner Familie. (Fox)

Die Stadt als labyrinthisches Lichtermeer: Die Polizisten Ludacris (Jim Bravura, links) und BB Hensley (Beau Bridges) stecken in undurchsichtigen Ermittlungen.
Die Stadt als labyrinthisches Lichtermeer: Die Polizisten Ludacris (Jim Bravura, links) und BB Hensley (Beau Bridges) stecken in undurchsichtigen Ermittlungen. (Fox)

Datum: 22.03.2009

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