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Finanzjongleure

Rette sich, wer kann!

(tsch) Der Klimawandel, der Terror und die Apokalypse haben fürs Erste ausgedient. Die Welt hadert aktuell mit weit schlimmeren Dingen: Es geht ums Geld. Im Frühsommer 2007 ereilte die USA eine heftige Immobilienkrise, die Ende 2008 - wie es im Finanzjargon heißt - auch die "Realwirtschaft" erfasst hat. Wobei das mit der Realität so eine Sache ist. Wirklich sichtbar wird die viel diskutierte Finanzkrise zuallererst in den Kursverläufen börsennotierter Unternehmen. Doch wenn es blöd läuft, auch schnell auf den eigenen Kontoauszügen. 2009, so viel scheint sicher, muss sich jeder warm anziehen. Klar, dass das Internet mit gutem Rat zur Seite steht - und, nun ja, auch mit ein wenig Panikmache.

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So rasch die Krise in den Märkten und im Vokabular der Menschen auftauchte, so rasch haben sich findige Seitenbetreiber entsprechende Domains gesichert. Unter www.finanzkrise-2008.de befasst sich ein Service-Portal umfänglich mit den Verwerfungen auf den internationalen Märkten und den Auswirkungen für den Einzelnen. "Fakten, Hintergründe und Informationen" verspricht die Seite, nach deren Einschätzung die jüngsten Entwicklungen Folgen einer ungesunden "Mentalität" sind und somit "längst überfällig" waren. Verständlich wird hier der faule Kuhhandel mit den amerikanischen "Subprime-Krediten" erläutert und wie der zum Verhängnis für deutsche Banken wurde.

Zur besseren Einordnung der jüngsten Turbulenzen erhält man überdies einen Rückblick auf historische Finanzkrisen. Sparer erfahren, wie sicher ihre Anlagen wirklich sind sowie Wissenswertes zum Thema Gold. Damit hier niemand zu großen Optimismus unterstellen kann, wird auch ein Worst-Case-Szenario ausgemalt: der totale Bankencrash.

Weniger analytisch und stärker praktisch orientiert ist die Seite www.krisenvorsorge.com. Die "wirkliche Krise" sei noch gar nicht eingetreten, weiß man hier und mahnt zu essenziellen Vorsorgemaßnahmen jenseits fiskalischer Winkelzüge: "Sie müssen auch Ihr tägliches Überleben sichern." Wie wörtlich das zu verstehen ist, wird schnell ersichtlich. Kommt die Krise mit der hier erwarteten Wucht, dann sollte man von der Hagebutte bis zum Wiesenchampignon die Ernährungsangebote der Natur zu nutzen wissen.

Da dann auch auf die medizinische Versorgung kein Verlass mehr sein wird, erfährt man zudem, wie mit Verletzungen und akuten Erkrankungen zu verfahren ist. Wirklich gruselig sind aber die Ausführungen zur Armbrust als "perfekter Waffe". Mit diesem handlichen Instrument, so lernt man, können auch Frauen und Kinder das Heim vor Plünderern schützen.

Auf weniger blutige Maßnahmen zur Eindämmung der Krise setzt aktuell noch das Bundesfinanzministerium. Unter www.bundesfinanzministerium.de hat die von Peer Steinbrück geleitete Behörde einen Themenschwerpunkt zur maladen Lage der Finanzmärkte eingerichtet. Interessierte Bürgerinnen und Bürger lassen sich hier umfänglich über Rettungspakete, Maßnahmen und politische Prinzipien aufklären. In zahlreichen Schaubildern und Artikeln erklärt das Ministerium, wie Schaden von Deutschland abgewendet werden soll, und hält die User über die neuesten internationalen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Wer trotz aller Aufklärung noch offene Fragen zum verworrenen Themenkomplex hat, mag sich dem Forum der Seite www.finanzfrage.net anvertrauen. Egal, ob einen spezielle oder allgemeine Wissenslücken plagen, hier trifft man auf auskunftsfreudige Finanzexperten aus der Webgemeinschaft. Wie vertrauenswürdig die jeweilige Auskunft ist, lässt sich anhand eines Mitgliederrankings auf der Grundlage von Nutzerbewertungen ermessen.

Wer glaubt, dass die Künste der Finanzjongleure längst am Ende sind und nur noch Psychologie hilft, ist dagegen auf der Seite www.rezession-nein-danke.de richtig. Die Initiative ruft Privatpersonen und insbesondere Unternehmer dazu auf, Optimismus statt Panik walten zu lassen. Ob nun der Gartenbaumeister aus Leonberg oder der Elektrotechniker aus Kornwestheim: Wer sich den Maximen des Mutmacherprogramms verschreibt, wird hier mit einem Eintrag gewürdigt.

Dass auch die Schönen Künste in Zeiten der Not noch einen wertvollen Beitrag leisten können, hat indessen der Komponist Johannes Kreidler erkannt. Auf seiner Homepage www.kreidler-net.de findet man einen außergewöhnlichen Videoclip, der gewissermaßen als Soundtrack zum Börsencrash zu verstehen ist. Aus den purzelnden Aktienkursen glückloser Großunternehmen wurden hier Melodien gewonnen und mit der automatischen Instrumentierung des Musikprogramms Songsmith unterlegt. "Crisis sounds so cool", lautet das etwas sarkastische Motto des "vorfinanzierten Hörsturzes". So lässt sich die Stimmung auch retten.

Jens Szameit


Was bisher geschah und was noch kommen könnte: www.finanzkrise-2008.de klärt umfänglich auf.
Was bisher geschah und was noch kommen könnte: www.finanzkrise-2008.de klärt umfänglich auf. (www.finanzkrise-2008.de)

Ein Ministerium im Dauerstress: Unter www.bundesfinanzministerium.de werden staatliche Rettungsmaßnamen verständlich erläutert.
Ein Ministerium im Dauerstress: Unter www.bundesfinanzministerium.de werden staatliche Rettungsmaßnamen verständlich erläutert. (www.bundesfinanzministerium.de)

Mut- statt Panikmache: Die Initiative www.rezession-nein-danke.de richtet sich an optimistische Unternehmer.
Mut- statt Panikmache: Die Initiative www.rezession-nein-danke.de richtet sich an optimistische Unternehmer. (www.rezession-nein-danke.de)

Datum: 25.02.2009

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Diskussion: "Finanzjongleure"

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