Schlöndorffs überschätzte Grass-Adaption "Die Blechtrommel"
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Die Blechtrommel
Von Anfang an ist der Dreikäsehoch Oskar Matzerath ein ungewöhnliches Kind: Mit drei Jahren stellt er aus Protest gegen die Welt der Erwachsenen, die ihm missfällt, sein körperliches Wachstum ein. Doch umso kraftvoller schlägt er nun die weißrote Kindertrommel, die er von der Mutter zum dritten Geburtstag geschenkt bekommt. Mit der Nazi-Zeit setzte sich Volker Schlöndorff des Öfteren auseinander. Mit "Die Blechtrommel" (1978) bekam zum ersten Mal ein deutscher Beitrag in Hollywood 1980 den Oscar als bester nicht englischsprachiger Film. In Cannes gewann er darüber hinaus 1979 zusammen mit Coppolas "Apocalypse Now" die Goldene Palme. Das Erste zeigt nun die Literaturverfilmung nach dem Roman von Günter Grass zum 70. Geburtstag Schlöndorffs (31.03.) noch einmal zu später Stunde.
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In Grass' Bestseller geht es um das Leben des kleinen Oskar Matzerath (David Bennent) - von seiner Geburt im Jahre 1924 in Danzig bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Im Alter von drei Jahren beschließt der Junge, der schon vor der Geburt im Mutterleib äußerst hellhörig war, nicht mehr größer zu werden, weil er nicht der Welt der Erwachsenen angehören will.
Mithilfe einer Kinder-Blechtrommel und einem unglaublichen Stimmvolumen, mit dem er Glas zum Springen bringen kann, tyrannisiert er seine Eltern und protestiert zugleich auf seine Weise gegen eine mit dem Faschismus immer stärker sympathisierende Umwelt. Oskar stört Naziaufmärsche, bringt seine beiden möglichen Väter ins Grab und schwängert obendrein seine spätere Stiefmutter (Katharina Thalbach). Ein höhnischer Zwerg, der die Welt auf den Kopf zu stellen vermag.
Bis zu Schlöndorffs Meisterwerk galt die Romanvorlage von Grass aus dem Jahre 1959 als unverfilmbar. Ein Problem stellte dabei vor allem die kleinwüchsige Hauptperson dar, deren Verkörperung dann durch den damals zwölfjährigen David Bennent große Anerkennung fand. Der Regisseur stellt mit seinem Film aus der Sicht eines sich verweigernden wütenden Kindes dar, wie sich der Faschismus langsam anbahnt und immer weitere Kreise zieht. Dieses "sehr deutsche Fresko" (Schlöndorff) ist wegen seiner historischen Einbettung und zugleich surrealen Überhöhung nach wie vor sehenswert. Die Szene, in der David Bennent Katharina Thalbach Brausepulver von der Leiste leckt, wurde Jahrzehnte nach der Erstaufführung Gegenstand eines Gerichtsprozesses im amerikanischen Oklahoma, weil hier angeblich ein Minderjähriger Oralsex mit einer erwachsenen Schauspielerin hatte. Die Kritik bescheinigte dem Regisseur zu Recht eine "opulente Bestseller-Verfilmung voller sinnlicher Kraft". "Die Blechtrommel" ist der letzte von fünf Filmen im Ersten zum 70. Geburtstag Volker Schlöndorffs.
Hans Czerny
Oskar (David Bennent) trifft auf einen Wanderzirkus und lernt dabei die entzückende Liliputanerin Roswitha Raguna (Mariella Oliveri) kennen. (ARD / Degeto)
Oskar (David Bennent, links) kann mit seiner durchdringenden Stimme Gläser zum Zerspringen bringen. Als er seine Heimat Danzig verlassen muss, setzt er wieder zum Singen an. (ARD / Degeto)
Bei einem Ausflug an die See wird Oskar (David Bennent, links) Zeuge der heimlichen Zärtlichkeiten zwischen seiner Mutter Agnes Matzerath (Angela Winkler) und ihrem Vetter Jan Bronski (Daniel Olbrychski). Sein Vater Alfred Matzerath (Mario Adorf, im Hintergrund) scheint noch ahnungslos. (ARD / Degeto)
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