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Serenity

Serenity - Flucht in neue Welten

(tsch) Science Fiction wird es immer geben. Die Faszination am Blick in die Zukunft ist spätestens seit Orson Welles' Medien-Coup im Jahre 1938 offenbar, als sein Radio-Hörspiel über den "Krieg der Welten" halb New York in Panik versetzte, weil Millionen von Einwohnern glaubten, die Außerirdischen klopften wirklich an ihre Haustür. Doch was ist aus dem Science-Fiction-Film geworden? Nachdem sich die berühmteren unter den Star-Trek-Crews zur Ruhe gesetzt haben und der Star-Wars-Mythos mit einem am Computer generierten Effektfeuerwerk zu Grabe getragen wurde, bleibt eine unübersichtliche Ansammlung von Einzelprojekten, die so ähnlich wie austauschbar sind. Ob der neue "Battlestar Galactica", die "4400" oder "Firefly": Selbst das Fernsehen erfährt immer wieder neue Weltallvisionen, die sich teils nur in der Jahreszahlen ihrer Handlung unterscheiden. Dennoch gibt es weiterhin Geldgeber für solche Projekte, weil es Menschen gibt, die nicht müde werden, für das bewährte Bild von der fernen Zukunft auf Leinwand und Fernsehschirm ihr Geld und ihre Zeit zu opfern. Nun verspricht ein Kinofilm Besserung, weil Innovation: "Serenity" heißt die Weiterentwicklung des Serienformats "Firefly", das in den USA durchfiel und in Deutschland allein auf DVD vermarktet wird.

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Die Entstehungsgeschichte des Films um eine Weltraumpiraten-Truppe, die nicht nur für ihren eigenen Kühlschrank räubert, sondern auch für Recht und Ordnung, ist angesichts der Stagnation im Science-Fiction-Genre fast schon bizarr: Zwar wollte niemand "Firefly" im Fernsehen schauen, doch fanden sich, nachdem die Serie schon nach wenigen Folgen aus dem Programm geworfen wurde, genug inbrünstige Fans, um eine Revolution im Internet zu starten, sich zu sammeln und zum wohl gemeinsten Schlag auszuholen, der in der US-Film- und Fernsehbranche dem gepeinigten Publikum offen steht: Sie schalteten eine Anzeige im Szene-Blatt "Variety", um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen, was verblüffender Weise gelang. Joss Whedon, kreativer Hexenmeister hinter allen erfolgreichen Entwicklungen von "Buffy" bis "Angel", durfte seinen "Firefly" fürs Kino inszenieren - den Fans zuliebe.

Nun jagt also in der Multimillionen-Dollar-Produktion (die laut Regisseur aber immer noch am unteren Ende des üblichen Budgets lag) eine bunt zusammengewürfelte Crew eines zusammengeflickten Schiffs (namens "Serenity" - fröhliche Gelassenheit) durch das Weltall, das zusammengehalten wird durch eine unmenschliche Föderation, die nur eines im Sinn hat: Macht und Kontrolle. Wer dazwischenfunkt, muss sich schon mal beeilen, rechtzeitig von seinem Planeten zu fliehen. Der wird in diesem Fall nämlich à la "Per Anhalter durch die Galaxis" gesprengt. Oder es wird gefoltert und gemordet. Das ist billiger. Dummerweise haben es die Mächtigen auf River abgesehen, eine junge Frau mit erstaunlichen Kampffähigkeiten. Sie ist perfekt konditioniert: Wenn ein Wort fällt, wird sie zur Mordsmaschine, wenn ein anderes fällt, schläft sie erst mal ein paar Stunden. Das ist indes kein klamaukiger Witz, wie der aus "Taxi Taxi", als ein Auto französischen Herstellers auf Zuruf alltäglicher Ausdrücke Gas gab oder eine Vollbremsung ausführte.

Joss Whedon wusste offensichtlich nicht, was für einen Film er aus seiner Serie, die ihre Zeit brauchte, um den Charakteren genügend Tiefe zu geben, machen sollte. Eine Komödie? Wohl kaum, obwohl humoristische Elemente durchaus sinnvoll wären. Das hat schon den Erfolg von "Buffy - Im Bann der Dämonen" begründet. Oder ein Drama? Funktioniert nicht bei Science-Fiction-Themen. Also ein Actionfilm. Auch dafür konnte sich Whedon nicht vollends erwärmen. So entstand eine Mixtur aus alledem, zusammengerührt unter dem spürbaren Eindruck großer Vorbilder wie "Star Wars" und "Kampfstern Galaktika".

Wieder ist es eine mächtige Föderation, die ihre Macht und Ordnungsvorstellungen durch unmenschliche Vorgehensweise gegen Andersdenkende durchsetzt. Wieder ist es eine ebenso unorthodoxe wie sympathische Raumschiffsbesatzung, die sich vom egoistischen Alleingängertum lossagt, um die Welt, nein, natürlich die bevölkerte Galaxie zu retten oder zunächst einmal nur zu verteidigen. Nur leider fehlt bei allen bekannten Elementen diesmal ein strahlender Protagonist, ein Held oder eine Witzfigur, je nachdem. Nathan Fillion mangelt es als Kapitän Malcolm Reynolds an Charisma, Summer Glau als etwas entrückte Superfrau River an Sex-Appeal. Sie alle sind in ihren Rollen Kinder einer Fernsehserienproduktion, der sie auf dem kleinen Fernsehschirm in der dafür erforderlichen langen Laufzeit Leben und Charme einhauchen konnten. Fürs große Kino sind sie nicht geschaffen. Und dennoch: "Serenity" ist ein Science-Fiction-Film nach Maß, das heißt: Schema F. Also wird ein Erfolg daraus.

Leif Kramp

Credits:
V:UIP, USA 2005, R: Joss Whedon, D: Nathan Fillion, Adam Baldwin, Gina Torres u.a.

Kinostart:
24.11.2005


Captain Malcolm "Mal" Reynolds (Nathan Fillion, rechts) und seine Crew-Mitglieder Zoe (Gina Torres) und Wash (Alan Tudy) gehören zur Besatzung des Raumfrachters "Serenity".
Captain Malcolm "Mal" Reynolds (Nathan Fillion, rechts) und seine Crew-Mitglieder Zoe (Gina Torres) und Wash (Alan Tudy) gehören zur Besatzung des Raumfrachters "Serenity". (2004 Universal Studios)

River (Summer Glau) wird von der Allianz verfolgt.
River (Summer Glau) wird von der Allianz verfolgt. (2004 Universal Studios)

Simon (Sean Maher) versucht, das Leben seiner Schwester River (Summer Glau) zu retten.
Simon (Sean Maher) versucht, das Leben seiner Schwester River (Summer Glau) zu retten. (2004 Universal Studios)

Datum: 30.11.2005

Diskussion: "Serenity"

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Artikel ID 161840

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