"Maria voll der Gnade" hat Verständnis für Drogenkuriere
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Maria voll der Gnade
Dass kolumbianische Drogenkuriere Dutzende mit Kokain gefüllte Kondome schlucken und damit in die USA reisen, kennt man höchstens aus den Randspalten der bunten Seiten der Tageszeitungen. Etwas prominenter wird die Platzierung der Nachrichten, wenn ein solcher Schmuggelsack platzt und der Kurier an einer ungewollten Überdosis stirbt. Dann übt man sich kurz in Betroffenheit und weiß, dass die Schicksale, die hinter den Überschriften stecken, anonym bleiben. Mit "Maria voll der Gnade" (2003) bekommen sie bei 3sat ein Gesicht.
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Es ist eine persönliche Geschichte, die der Film erzählt, die von Maria (Catalina Sandino Moreno), einer Fließbandarbeiterin aus dem ländlichen Kolumbien. Tagein, tagaus entdornt und verpackt sie in einer Blumenplantage Rosen. Maria ist zwar lebenslustig, aber in den ärmlichen Verhältnissen, dem Elend und dem Leid gefangen. Ihre Träume zerplatzen mit der ungewollten Schwangerschaft, Maria ist empfänglich für die Versprechungen des charmanten Franklin (John Alex Toro). Der wirbt sie als "Maultier" an, als Drogenkurier.
Also schluckt sie 62 Pellets mit Kokain, lässt eine entwürdigende Einwanderungsprozedur über sich ergehen und landet im Land ihrer Träume auf dem harten Boden der Realität. Das Leben ist auch in New York nicht rosig. Die Drogenempfänger interessieren sich weder für die Mädchen, noch für ihre Probleme und lassen eine Mitreisende qualvoll sterben, als ein Koks-Säckchen in ihrem Magen platzt. Doch Maria ist fest entschlossen, ihr Kind in den Staaten auf die Welt zu bringen und ihm ein besseres Leben zu bieten, als sie bisher hatte.
Regisseur Joshua Marston nähert sich mit teilweise dokumentarischem Ansatz konsequent einem Einzelschicksal. Er erzählt glaubwürdig und ohne Pathos, was "Maria voll der Gnade" zu einem beklemmenden, geradlinigen Film macht, der die Verzweiflung und die Entwürdigung der Menschen hinter den Zeitungsmeldungen erschütternd illustriert. "Mir war wichtig, die Drogenkuriere als Menschen zu zeigen und die persönlichen Motive sichtbar zu machen", erklärte Marston.
Das gelingt dem Film trotz konventioneller Erzählweise vor allem dank der Hauptdarstellerin Catalina Sandino Moreno. Die Kolumbianerin verleiht Maria eine zerbrechliche Präsenz, die ihresgleichen sucht. Moreno wurde für ihr Leinwanddebüt dann auch mit dem Silbernen Bär der Berlinale für die beste Darstellerin ausgezeichnet und für den Oscar nominiert. Im Sommer ist sie an der Seite von Steven Soderberghs "Che" (Kinostart: 11. Juni) endlich wieder im Kino zu sehen.
Andreas Fischer
62 Pellets muss Maria (Catalina Sandino Moreno) schlucken und sie genau neben ihrem ungeborenen Baby nach New York schmuggeln. (ZDF / ARD Degeto)
So unproblematisch wie versprochen wird die Reise nicht: Maria (Catalina Sandino Moreno) muss sich am New Yorker Flughafen einer entwürdigenden Kontrollprozedur aussetzen. (ZDF / ARD Degeto)
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