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Who Made Who über ihr neues Album "The Plot"

"Wir lehnen jedes Rockbandklischee ab"

Band Who Made Who

(wh/tsch) Die Süddeutsche nannte sie unlängst „die Retter des Pop“ und bezeichnete ihren Stil nach der Veröffentlichung ihres ersten Albums Pop-Rock-Funk-Punk-Italodisco-Disco-Sound. Die Rede ist von der Kopenhagener Band Who Made Who. „Wir versuchen mehr Kunst zu machen denn Top-Ten-Hits“, sagt Tomas Hoffding, der sympathische und freundliche Sänger des Trios. Das merkt man nicht nur an der eigenwilligen Musik, sondern auch an den Auftritten der Band. Ihre Konzerte nennen sie selbst „Shows“ und das trifft es in der Tat ziemlich gut: Kostümiert treten die Dänen auf die Bühne, beispielsweise als Skelette oder Harlekins. An allem merkt man, dass sie sich nicht allzu ernst nehmen, was auf jeden Fall sympathisch wirkt. Ihr neues Album "The Plot" bietet auch einen ziemlich wilden Stilmix und bringt laut der Süddeutschen Zeitung „den Pop auf den Punkt“. Im Interview , das eher einem entspannten Gespräch bei einer Tasse Kaffee wirkt, zeigen sich die Musiker sehr gesprächig, cool und intelligent und entpuppen sich als AC/DC-Hasser, obwohl sie ihre Band nach dem prominenten Album der australischen Hardrocker benannt haben.

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teleschau: In Deutschland seid Ihr schon mehr als nur ein Geheimtipp. Aber wie groß seid Ihr eigentlich in Eurer Heimat Dänemark?

Tomas Hoffding: Wir sind dort weniger erfolgreich als anderswo. Viele wundern sich, wenn sie lesen, dass wir immer wieder als am meisten tourende dänische Band gelistet werden - und sie uns nicht mal kennen.

Tomas Barford: Ich muss Dich korrigieren. Es ist unser größter Markt, aber er ist eben klein. Wir haben die Fanbasis dort wie in Deutschland auch. Aber warum sollten wir uns in Dänemark abmühen?

Hoffding: Im Ausland verdienen wir mehr Geld. In Dänemark, das ist Sisyphusarbeit, da trittst du dann zehnmal hintereinander in den gleichen 30 Clubs auf.

teleschau: Ihr präsentiert nicht einfach Euer neues Album "The Plot", wenn Ihr jetzt tourt. Es muss ins Gesamtkonzept passen. Wie schwierig war das mit dem neuen Material?

Hoffding: Für uns funktioniert es nicht, Dinge wirklich vorzubereiten und einzustudieren. Die Liveshow musste sich über viele Jahre entwickeln. Vor einem Jahr haben wir angefangen, die neuen Songs zu integrieren - heute sind wir bei fünf.

Barford: Manche Lieder sind also schon zwei Jahre alt. Aber sie klangen auch anders in 2007. Wir haben lange an ihnen gearbeitet.

teleschau: Eigentlich seid Ihr mehr Kunst als Musik.

Hoffding: (lacht) Es ist Kunst und Party. Der Begriff Partyband ist natürlich ziemlich übel und klingt nach Joe-Cocker-Covers. Es soll aber eher eine positive Erfahrung werden, es geht um Energie, soll Auftrieb geben, dennoch sind wir intellektuell. Du kannst dem Publikum nicht permanent den Arsch versohlen, das würde die Leute langweilen, du brauchst Wellen. Ich bin stolz auf unsere Übergänge, darauf wie wir Sachen zusammenfügen. Das Mellotron, die Raveparts. Wir versuchen mehr Kunst zu machen denn Top-Ten-Hits.

Barford: Ich muss mich aber von Künstlern im Wortsinn distanzieren. Etwas machen, das keiner versteht? Nein, möchten wir nicht - obwohl wir die Fähigkeiten, das Können hätten für völlig abgefahrene Sachen. Aber was soll das, in einer winzigen Nische zu agieren? Du machst etwas komplett Neues, keiner hört dir zu. Mit dieser Arroganz kann ich nicht viel anfangen.

teleschau: Könnt Ihr Euer visuelles Konzept erklären?

Barford: Wir werden wiedererkannt, weil wir Kostüme tragen. Klar, wenn du auf einem Festival 20 Bands hörst, merkst du dir jemanden in einem Harlekinanzug einfach besser. Wir sind nicht dumm, wissen wie wir unsere Karten spielen müssen. Aber es passiert einfach, läuft uns über den Weg. Wupps, entdecken wir ein Kostüm, wupps, haben wir Skelettanzüge an.

Hoffding: Mir gibt das auch ein ganzes Stück mehr Freiheit. Im Harlekinoutfit kann ich performen ohne mir wie ein Idiot vorzukommen. Abgesehen davon, dass es unglaublich langweilig ist, wenn drei Typen an einer Wand lehnen. Wir lehnen jedes Rockbandklischee ab. Wir hassen alle drei den typischen Rockmusiker und seine Posen.

teleschau: Welche Rock'n'Roll-Klischees mögt Ihr denn nicht?

Hoffding: Wieso muss ich mir Koks reinhauen, nur weil ich Musiker bin?

Barford: Dieses Backstage-Klischee. Wir erleben Tage auf Tour, an denen haben wir vor dem Gig die Mails gecheckt und Tee getrunken. An anderen Abenden, wie dem einen in Moskau, passiert es tatsächlich mal, dass wir zwei Flaschen Wodka geleert haben und dann auf die Bühne gehen. Aber es gibt kein Prinzip, das besagt, dass wir trinken müssen, weil wir touren.

teleschau: Trotzdem seid Ihr lieber die Liveband als die Studiotüftler?

Hoffding: Nein, im Studio ist es auch großartig. Kreativität passiert nur dort. Live kannst du kleine Änderungen machen, probierst aus, kannst es aber auch versauen. Im Studio passiert das Wahre.

Barford: Das sehe ich noch viel mehr so. 20 Prozent unserer Gigs sind okay, 80 Prozent kann ich nicht leiden. Selbst bei den 20 Prozent geht es eher um das Erlebnis, in Australien auf einem Open Air zu spielen. Aber das Busfahren irgendwo in Europa ist sicher nicht spannend.

Hoffding: Während es ein erhebendes Erlebnis ist, ein Album zu machen (schwenkt seine CD), du beginnst mit nichts, einem weißen Blatt Papier, und dann hast du was, das bleibt. Das sollte jeder mal probieren, ehrlich. Wenn du zwei Jahre tourst, hast du lediglich ein paar Rettungsringe, die bleiben. Die Stunde spielen ist gut, aber die anderen 23 Stunden ... Also entscheidest du dich fürs Trinken, die Party, den Hangover. Aber das langweilt uns zu sehr.

teleschau: Lasst Ihr Euch als Kunstliebhaber vom Theater inspirieren?

Hoffding: Ich finde Oldschool-Theater zweidimensional, du hast weniger Möglichkeiten als beim Film, wo du es immer besser machen kannst.

Barford: Ich mag das Theater auch nicht. Es gab da ja eine Entwicklung, vom Theater zum Film. Ich nehme das Ende der Evolution, den Film. Aber ich mag die Subkultur, Querverbindungen zwischen Musik und Kunst. Außerdem machen die vielen kleinen Fashionlabels in Dänemark spannende Sachen.

teleschau: Ich habe so ein Bild des ambitionierten Eigenbrötlers von Euch. Seid Ihr diese Nerds?

Hoffding: Vielleicht. Nein, eigentlich nicht. Weil wir keine Rocker sind? Der Leadsänger mit dem großen Ego, der Drummer, das aggressive Vieh und der Bassist repariert immer das Auto … (lacht) Sänger bei AC/DC, das wäre mein Alptraum, gefangen im eigenen Klischee. Wir möchten gern unberechenbar bleiben, bei uns weißt du nicht, was dich beim Livekonzert erwartet. Das klingt ein bisschen abgedroschen. Aber Gigs sollten sich nicht ähneln.

teleschau: Diese Stelle beweist, dass es trotz Eures Bandnamens wirklich keine Verbindung zu oder Bewunderung für AC/DC gibt.

Barford: Aber weißt Du, was sie verdienen? Dafür würde ich es auch machen.

Hoffding: Nein, gerade wenn ich so viel Geld auf der Bank hätte, würde ich es nicht machen.

Claudia Nitsche


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Erobern europaweit mit melodiösem Elektro-Pop die Clubs: das dänische Trio Who Made Who. (Gomma Records)

Ihre Kostümierung erlaubt es Who Made Who, sich bei Live-Shows ungestraft und völlig frei zu bewegen.
Ihre Kostümierung erlaubt es Who Made Who, sich bei Live-Shows ungestraft und völlig frei zu bewegen. (Gomma Records)

Hassen Rockstar-Klischees: das dänische Elektro-Pop-Trio Who Made Who.
Hassen Rockstar-Klischees: das dänische Elektro-Pop-Trio Who Made Who. (Gomma Records)

Datum: 01.04.2009

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