Als Meryl Streep zum ersten Mal auf Dustin Hoffman traf, verlief diese Begegnung alles andere als höflich. "Das war 1975, als wir zusammen in dem Stück 'All over Town' von Murray Schisgal spielten. Damals kam er betrunken auf die Bühne und sagte: 'Ich bin Dustin - Rülpser - Hoffman', und legte eine seiner Hände auf meinen Busen. Was für ein widerliches Schwein, dachte ich." - An den unterkühlten Ansichten über Hoffman sollte sich auch drei Jahre später nur wenig ändern. Die Dreharbeiten zu Robert Bentons fünffach oscargekröntem (Regie, Drehbuch, Haupt- und Nebendarsteller) Scheidungsdrama "Kramer gegen Kramer" (1978), das nun von ARTE wiederholt wird, waren geprägt von den Differenzen zwischen den Schauspielern.
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Eigentlich will Ted Kramer (Hoffman) mit seiner Frau Joanna (Streep) seine Beförderung feiern. Doch stattdessen findet er ihren Abschiedsbrief: Sie will plötzlich wieder ihr eigenes Leben leben. Ted ist völlig überfordert mit der neuen Situation: einem bitteren Sorgerechtsstreit.
"Böse Auseinandersetzungen", wie es Dustin Hoffman später nannte, waren an der Tagesordnung. Während einer Szene im Restaurant bestand Meryl Streep darauf den Dialog umzuschreiben. "Ich war furchtbar wütend, dass Meryl schon wieder die Szene umschreiben wollte. Schließlich ließ ich ihr den Willen. Als wir die Szene endlich drehen konnten, hatte sich in mir eine solche Wut angestaut, dass ich am Ende der Szene mein Weinglas nahm und es an die Wand warf."
Regisseur Benton war begeistert von Hoffmans Wutausbruch mit dem Weinglas. Er beschloss, ihn für den Film zu verwenden. Die ständigen Änderungswünsche seiner beiden Hauptdarsteller bereiteten ihm indes mehr Kopfzerbrechen. Die endgültige Fassung des Films hatte nur noch wenig mit dem ursprünglichen Drehbuch zu tun. Doch die Geschichte einer Frau, die nach siebenjähriger Ehe Mann und Kind verlässt, und ihrem berufsfixierten Ehemann, der sich nach der Trennung zum verständnisvollen Vater wandelt, gewann dadurch an Authentizität.
Meryl Streep erhielt für ihre Rolle als Joanna Kramer den Oscar als beste Hauptdarstellerin, drei Jahre später war sie in derselben Kategorie erneut erfolgreich ("Sophies Entscheidung"). Bisland war die heute 59-Jährige 15-mal für die begehrte Auszeichnung nominiert - zuletzt für "Glaubensfrage" (2008). Ihr nächster Film "Julie & Julia" wird am 24. September in die deutschen Kinos kommen.
Claas Nielsen
Joanna (Meryl Streep) und Ted (Dustin Hoffman) führen eine nur an der Oberfläche glückliche Ehe. (ARTE F / Columbia Pictures)
Werbekaufmann Ted Kramer (Dustin Hoffmann, rechts) und sein Anwalt (Howard Duff) sind bereit, um Billy zu kämpfen. (ARTE F / Columbia Pictures)
Ted (Dustin Hoffmann) muss lernen, sich um seinen Sohn Billy zu kümmern. (ARTE F / Columbia Pictures)
Datum: 20.04.2009
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