Ein unvergessener Klassiker: "Die üblichen Verdächtigen"
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Die üblichen Verdächtigen
Bryan Singers Name ist trotz seines letzten umstrittenen Projektes "Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat" (2008) untrennbar mit Comic-Verfilmungen verbunden. Zum einen bescherte er 2000 den "X-Men" einen erfolgreichen Sprung auf die große Leinwand - es folgten zwei Fortsetzungen, von denen Singer eine umsetzte -, zum anderen verschaffte er mit "Superman Returns" (2006) dem Mann aus Stahl ein erfolgreiches Comeback. Auch das nächste Projekt "Freedom Formula", mit dem der 43-Jährige in Verbindung gebracht wird, wäre die Verfilmung eines Comicbuches. Seinen Durchbruch verdankt Singer aber weder Superhelden noch Mutanten, sondern einer Gruppe Krimineller. Mit dem Thriller "Die üblichen Verdächtigen", den kabel eins nun wiederholt, schuf er 1995 einen unvergessenen Klassiker.
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Es war eine Produktion mit zahllosen starken Darstellern, die damals allerdings kaum jemand kannte. Heute dagegen ist Benicio Del Toro, dessen nächster Film "The Wolf Man" am 6. November in die US-Kinos kommt, ein gefragter Charakter-Darsteller und Oscar-Preisträger. Ebenso Kevin Spacey, den kabel eins zuvor außerdem in seiner oscarprämierten Rolle in "American Beauty" zeigt (20.15 Uhr). Seinen ersten Goldjungen erhielt er als bester Nebendarsteller in "Die üblichen Verdächtigen".
Die Prognose für diesen Film war eigentlich eindeutig: ein Flop. Zu den weitgehend unbekannten Darstellern kamen mit Bryan Singer ein Regisseur, der für sein Debüt "Public Access" (1993) Preise einfuhr, aber kein Geld, und ein Plot, der nur eines wollte: verwirren. Doch Qualität setzte sich in dem Fall durch. Retrospektiv erzählt wird die Geschichte von fünf Kriminellen, die als Verdächtige verhaftet wurden, als es galt, einen Waffendiebstahl aufzuklären. Die fünf (Kevin Spacey, Gabriel Byrne, Stephen Baldwin, Kevin Pollack und Benicio Del Toro) nutzen die Gelegenheit, einen millionenschweren Coup auszuhecken.
Sechs Wochen später bricht ein gewaltiges Feuer auf einem Schiff aus, das im Hafen von San Pedro vor Anker liegt. 27 Menschen sterben, zwei überleben die Katastrophe. Einer von ihnen ist Roger "Verbal" Kint (Spacey). Im Laufe des Verhörs erzählt er, was seit ihrer Verhaftung geschah, und immer stärker rückt die mysteriöse Figur des mächtigen Gangsterbosses Keyser Soze in den Mittelpunkt, den keiner kennt, der jedoch die gesamte Unterwelt zu steuern scheint.
Einem geschickten Marionettenspieler gleich führt der Regisseur, der übrigens als Produzent auch für die geniale TV-Serie "Dr. House" (RTL) verantwortlich ist, inmitten eindrucksvoller Bilder seine Protagonisten und leitet den Betrachter an unsichtbaren Fäden durch zahllose Irrwege zur Aufklärung des Verbrechens, die sich völlig überraschend wie das Licht am Ende eines langen, düsteren Tunnels einstellt. Es scheint Singer fast sadistische Freude zu bereiten, mit Schein-Lösungen zu spielen, immer wieder neue Blickwinkel zu zeigen. Droht die Bindung zur Story verloren zu gehen, wirft er dem Zuschauer einen leicht verdaulichen Appetithappen zu, und schon ist man wieder verloren im unübersichtlichen Geflecht der Ereignisse.
Jasmin Herzog
Ganove Verbal Kint (Kevin Spacey) ist einer von zwei Überlebenden des Feuers. (kabel eins / Gramercy Pictures)
Die Freundin von Ex-Cop Keaton (Gabriel Byrne) arbeitet als Staatsanwältin. (kabel eins / Gramercy Pictures)
Hockney (Kevin Pollack) ist eigentlich ein kleiner Autoschieber. (kabel eins / Gramercy Pictures)
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