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Die Apokalypse-Vision "Knowing" strotzt vor religiösem Kitsch

Knowing

(vm/tsch) Ist nun Nicholas Cage auch unter die Scientlogen gegangen? Diese Frage stellt man sich automatisch, wenn man sich „Knowing“ ansieht, den neuesten Film des sonst visionären Regisseurs Alex Proyas („I, Robot“, „Dark City“, „The Crow“). Denn der SciFi-Mystery-Thriller transportiert eine derart konservative und missionarische Botschaft, dass man bis zum Schluss hofft, dass eine überraschende Wendung kommt, die alles ins Gegenteil umkehrt. Die kommt nicht. Und es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich an den Effekten des Films festzuklammern, denn die sind das einzig Gute an dieser schmerzhaft pathetischen und kitschigen SciFi-Mär.

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"Knowing" muss sich zwei Dinge nicht vorwerfen lassen: keine spannende Ausgangsidee zu haben und beim Einsatz cinematografischer Mittel geizig gewesen zu sein. Im Gegenteil. Alex Proyas schöpft aus dem Vollen, wenn er die Katastrophen inszeniert, die von einem kleinen Mädchen vor einem halben Jahrhundert vorhergesagt worden. - Mit krachlederner Action und innovativen, bedrohlichen Szenarien, die mit den Terrorängsten der modernen Zeit spielen, allerdings schnell zum überdeutlicher Fingerzeig werden: Die Welt heute ist kaputt, und eine Rettung ist nur möglich, wenn sich die Menschheit auf den Glauben verlässt.

Der Kontext, in den "Knowing" gebettet ist, ist ein neo-konservativer und missionarischer, mit einem Nicolas Cage, der sich vom Zweifler zum fatalistischen Gläubigen entwickelt. Als Astro-Physiker und alleinerziehender Vater John Koestler hat er seine Sicherheit verloren. Und sucht nach Antworten - wobei er vom Glauben an den Zufall zum Determinismus konvertiert. Alles ist vorbestimmt, also kann auch niemand etwas gegen die drohende Sonneneruption unternehmen, von der die Erde in einen leblosen Wüstenplaneten verwandelt werden wird.

Hoffnung gibt es nur für ein paar auserwählte Kinder, wie Koestlers altkluger Sohn Caleb (Chandler Canterbury) und Abby (Lara Robinson), Enkelin der Grundschulprophetin. Sie und ihre Mutter Diana (Rose Byrne) werden von Koestler in das Rätselraten einbezogen, ohne dass dabei konkrete Ergebnisse erzielt werden. Im Gegenteil, die Kids hören weiter Stimmen und werden von geheimnisvollen Schattenmännern aufgesucht, die ihnen apokalyptische Visionen ins Gehirn pflanzen und sie auf eine Reise vorbereiten. Diesen mysteriösen Gesandten einer höheren Macht gehören einige eindrucksvoll spannende Szenen, virtuos mit Gänsehauteffekt inszeniert.

Das ist handwerklich solide, "Knowing" gibt sich diesbezüglich keine Blöße. Dramatische Entwicklungen und weitgehend nachvollziehbar gezeichnete Figuren werden in stringenter Dramaturgie gezeigt. Supense, Thriller, Action - der Film hat alles, was ein Blockbuster braucht. Perfektes Popcorn-Kino eben. Zu perfekt. Und nicht frei von Kitsch und Pathos - schon gar nicht von Sendungsbewusstsein. Also stolpert Cage von einer Katastrophe zur nächsten, vom brennenden Flugzeugwrack zur spektakulär entgleisten U-Bahn, auf einer Odyssee der Abgründe, für die niemand verantwortlich gemacht werden kann, weil alles determiniert ist.

Das Ende ist also unausweichlich. Und schrecklich albern. Ein schlechter Scherz, so abgrundtief pathetisch, dass die Kinder vor dem CGI-Apfelbaum vor allem Mitleid verdient hätten. Einen neuen Anfang hatten die Schattenmänner versprochen, dabei aber vergessen zu erwähnen, dass sie in ein neues Paradies verfrachtet werden. Und dort erhält nur Einlass, wer glaubt. In dieser letzten Einstellung zeigt "Knowing" dann offen sein wahres Gesicht: Der Film ist vor allem missionarisches Erweckungskino; dem böse Zungen bereits die Nähe zu einer bei manchen Hollywood-Schauspielern beliebten Sekte unterstellten.

Andreas Fischer

Credits:
V:Concorde, USA 2008, R: Alex Proyas, D: Nicolas Cage, Rose Byrne, Chandler Canterbury u.a.

Laufzeit: 122 Min.

Kinostart:
09. April 2009


Die Menschheit ist in "Knowing" mal wieder dem Untergang geweiht.
Die Menschheit ist in "Knowing" mal wieder dem Untergang geweiht. (2009 Concorde Filmverleih GmbH)

Eine Nacht genügt John Koestler (Nicolas Cage), die geheimnisvollen Zahlenreihen zu entschlüsseln und von der kurz bevorstehenden Apokalypse zu erfahren.
Eine Nacht genügt John Koestler (Nicolas Cage), die geheimnisvollen Zahlenreihen zu entschlüsseln und von der kurz bevorstehenden Apokalypse zu erfahren. (2009 Concorde Filmverleih GmbH)

John (Nicolas Cage) und Diana (Rose Byrne) entdecken die Unausweichlichkeit der Katastrophe.
John (Nicolas Cage) und Diana (Rose Byrne) entdecken die Unausweichlichkeit der Katastrophe. (2009 Concorde Filmverleih GmbH)

Datum: 04.04.2009

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