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Factotum

Factotum

(tsch) Matt Dillon bietet eine Angst einflößende Performance als Henry Chinaski, der Hauptfigur von Charles Bukowskis zweiter Novelle "Factotum". Auch die Frauen an seiner Seite, Lily Taylor und Marisa Tomei, geben eine mutige Performance ab. Trotzdem funktioniert dieser Film nicht wirklich. Wie kann das sein, was ist passiert?

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Nie vorher und nie nach ihm wurde einem Poeten erlaubt, so vulgär zu sein wie Charles Bukowski. Er war Poet, wurde in 15 Sprachen übersetzt. "Factotum" ist nicht der erste Film, der auf seinem Werk basiert. Bukowski selbst schrieb noch das Drehbuch zu "Barfly", der in den Neunzigern mehr wurde als nur ein Nischenerfolg.

Eigentlich müsste man meinen, dass seine peitschende Fantasie, die der Schriftsteller auf sein Alter Ego Chinaski überträgt, den kurzen Kinofilm trägt. Chinaski macht Aushilfsjobs. Daran stört ihn weniger das Niveau als vielmehr die eintretende Müdigkeit, was ihm die Erkenntnis bringt, dass große Liebhaber immer auch große Müßiggänger waren. Dies liegt auch ihm mehr, weshalb er der Libido zuliebe teilweise auf Kosten anderer lebt.

Freimütig erzählt er von seiner Beziehung zu Jan (Lili Taylor), dem Sex und dem Streit. Man meint die Kakerlaken unter ihrem Bett trippeln zu hören, so präzise haben die Set-Ausstatter gearbeitet, und auch ein wenig den Moder zu riechen, der dort gegenwärtig ist, wo Chinaski schwitzt, schreibt und nie das Fenster öffnet. Noch mehr Lob haben die Visagisten verdient, machen doch Dillon, Taylor und Tomei den Eindruck, wochenlang in eine Kiste gesperrt worden und zum Drehbeginn herausgelassen worden zu sein.

Der arme Poet flucht, das Messingbett schwankt im Halbdunkel, das ist die Welt, in der man Charles Bukowski vermutet. Die sonore Stimme Dillons liegt in rauchigen Wolken über dem Zimmer, zitiert die selbst geschaffene Poesie. So könnte das ewig weitergehen - und das tut es auch. Womit wir beim Problem von "Factotum" angekommen sind. Regisseur Bent Hamer fällt es zunehmend schwerer, den Kreislauf zu inszenieren, den der selbstherrliche Außenseiter nicht verlassen wird. So mögen die Bilder noch so schmutzig sein, sie wirken wie aufgefädelt, hilflos aneinander gereiht. Neue Jobs unterscheiden sich nicht von den alten, Frauen kommen und gehen, obwohl sie funkeln (Tomei) oder wie der Poet selbst sich dem Klischee widersetzen, das sie doch verkörpern (Taylor).

Viel zu selten wird der Akteur selbst aktiv, viel zu wenig schaut man hinter die Kulisse, um zu erahnen, was die Faszination oder auch Tragik dieses Menschen ausmachte. Dabei sind sie so ein gutes Paar, Jan trägt sogar Hanks Schuhe, begleitet ihn in hinreißender Selbstaufgabe. Was fehlt, ist der Spannungsbogen, die Moralvorstellung, das Motiv oder schlicht ein Gefühl. So konzentriert sich das Geschehen auf Dillon und zerreibt seine Performance, die man natürlich loben, aber nicht isoliert betrachten kann. Denn er ist "Factotum".

"Barfly" habe er sich nicht zur Inspiration angesehen, beteuert der Hauptdarsteller, der immer noch versucht, aus seinem Karriereknick herauszukommen. Natürlich wagte er keine Beurteilung von Mickey Rourkes Leistung. Gut so, schließlich wurde der ehemalige Promi-Boxer und Schauspieler gerade vom "Total Film Magazine" zum "Man Of The Year" gewählt.

Aufgrund der erzählerischen Schwächen wirkt Matt Dillon wie ein gut vorbereiteter Läufer, der einen exzellenten Start hinlegt, den man aber nach der Hälfte der Strecke auf der Stelle laufen lässt. Die Alleinschuld trägt Bent Hamer, denn er weiß, wie es geht, das bewies er bei "Kitchen Stories". Sein stoisches Werk über das Küchenverhalten allein stehender Menschen arbeitet genau mit den Mitteln, die hier gebraucht würden. "Kitchen Stories" verzichtet über lange Strecken auf Inhalte und ist doch eigenbrötlerisch unterhaltsam. Zu gern würde man dies auch über "Factotum" sagen. Doch in Anlehnung an eine alte Waschmittel-Werbung, die behauptete "Waschen allein genügt nicht", bleibt die abschließende Bemerkung "Nicht waschen allein genügt nicht."

Claudia Nitsche

Credits:
V:Pandora, N / USA / D 2005, R: Bent Hamer, D: Matt Dillon, Marisa Tomei, Lili Taylor u.a.


In einer Bar lernt Henry (Matt Dillon) die attraktive Laura (Marisa Tomei) kennen.
In einer Bar lernt Henry (Matt Dillon) die attraktive Laura (Marisa Tomei) kennen. (Pandora Film / 2005 Mark Higashino Photography, Inc.)

Henry (Matt Dillon) verliebt sich in Jan (Lili Taylor) und zieht bei ihr ein.
Henry (Matt Dillon) verliebt sich in Jan (Lili Taylor) und zieht bei ihr ein. (Pandora Film)

Henry (Matt Dillon) schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch.
Henry (Matt Dillon) schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch. (Pandora Film)

Datum: 04.12.2005

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Diskussion: "Factotum"

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