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"Unbeugsam - Defiance" bedient allzu viele Klischees

Unbeugsam - Defiance

(vm/tsch) Filme über die Leiden der Juden während des Nationalsozialismus gibt es viele. Was „Unbeugsam – Defiance“ von allen anderen seiner Art abhebt, ist die Tatsache, dass Juden hier nicht in der hilflosen Opferrolle sind, sondern sich in Robin-Hood-Manier gegen die Nazis zur Wehr setzen. Regisseur und Co-Drehbuchautor Edward Zwick, für groβes Blockbuster-Kino abonniert, inszenierte die wahre Geschichte über die drei Brüder Bielski, die in den Wäldern Weißrusslands das Leben von über 1.200 Juden retteten. Was "Unbeugsam - Defiance" jedoch zu einem mittelmäβigen Kriegsdrama macht, sind das Pathos und die vielen Klischees, die im Film bedient werden.

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Die Bewunderung für Tuvia Bielskis Humanität, die sich im letzten Satz von Nechama Tecs Buch "Bewaffneter Widerstand: Jüdische Partisanen im Zweiten Weltkrieg" so bildlich konkretisiert, hat nun den für sein Pathos berüchtigten Hollywood-Regisseur Edward Zwick dazu animiert, die wahre Geschichte unter dem Titel "Unbeugsam - Defiance" als emotionale Tour de Force auf der Großleinwand zu inszenieren.

Im Kriegsjahr 1941 ermorden Nazis Abertausende von Juden in Weißrussland. Zu ihren Opfern gehören auch die Eltern der drei Bielski-Brüder. Sie selbst können sich nur retten, indem sie in die tiefen Wälder der Region flüchten. Doch ihre Trauer schlägt bald um in Wut. Langsam spricht sich ihr Plan unter den jüdischen Flüchtlingen herum, sich den Schergen nicht widerstandslos auszuliefern.

Während sich der älteste Bruder Tuvia für den Aufbau eines möglichst winterfesten Quartiers für die immer größer werdende Waldgemeinde einsetzt, strebt der mittlere der Brüder namens Zus nach Vergeltungsschlägen. Der jüngste Bruder Asael leidet sichtlich unter den wachsenden Spannungen zwischen seinen größeren Geschwistern, die sich in ihrer Art, mit der schrecklichen Lage umzugehen, voneinander zu entfernen drohen.

Verkörpert wird die besonnene Leitfigur Tuvia von "James Bond"-Darsteller Daniel Craig, der sich alle Mühe gibt, sich möglichst weit von dem klischeebeladenen Agentencharakter zu entfernen. Das gelingt ihm jedoch nur zum Teil: Obwohl seine Rolle dem pazifistischen Ideal und somit dem ausgewiesenen Ziel folgt, nicht Nazis zu töten, sondern Juden zu retten, sind es Craigs markante Mimik und Körpersprache, die immer wieder schlaglichtartig die Nähe zum "härtesten Bond aller Zeiten" ("Bild") suggeriert. Sein Co-Star Liev Schreiber, der den hitzköpfigen Zus spielt, erweist sich dagegen erneut als wandlungsfähiges Chamäleon und lässt keinen Moment an der Authentizität seines impulsiven Filmcharakters zweifeln. Auch Nachwuchsstar Jamie Bell, der als tanzender "Billy Elliot" bekannt wurde, liefert als ebenso verzweifelter wie verstörter Asael eine überzeugende Leistung ab.

Die besondere Qualität des Films ist gleichzeitig sein größter Wermutstropfen: Wichtig ist die Darstellung des aktiven jüdischen Widerstands während des Zweiten Weltkriegs gegen die Vernichtungspläne der Nazis als großer Studiofilm mit Multi-Millionen-Dollar-Budget. Dem Partisanenkampf wird dadurch die Aufmerksamkeit zuteil, die Jahre und jahrzehntelang zuvor in großen Fernseh- und Kinoproduktionen wie "Holocaust" oder "Schindler's Liste" fast ausschließlich der hilflosen Opferrolle gegolten hat. Dass und wie sich Juden in Deutschland und den von Deutschland überfallenen Territorien gegen ihre Ausrottung gewehrt haben, offenbart viel darüber, wie Menschlichkeit auch unter existenzieller Bedrohung überleben kann.

Ein Problem des Films ist jedoch seine schematisierte und teils stereotype Inszenierung: Regisseur und Co-Drehbuchautor Edward Zwick ist seit seinem großen Kriegsdrama "Glory" von 1989 abonniert auf großes Kino. Heroische Protagonisten pflastern seine Filme: Ob nun in "Legenden der Leidenschaft" mit Brad Pitt oder zuletzt abseits der großen Schlachten der Weltgeschichte in "Blood Diamond", wo Leonardo DiCaprio als Schmuggler, dem die Augen geöffnet werden, gegen skrupellose Diamentenhändler kämpfte. Oder in "Last Samurai", wo es Tom Cruise war, der sich in der Rolle eines US-amerikanischen Offiziers im 19. Jahrhundert bei der Rebellion gegen die kaiserlichen japanischen Truppen auf die Seite der Samurai schlägt. Auch "Unbeugsam - Defiance" steckt voller Pathos, obwohl eine etwas zurückhaltendere, leisere Umsetzung dem Thema noch zuträglicher gewesen wäre.

Sicher: die Investitionen des auf 50 Millionen US-Dollar geschätzten Filmbudgets verlangten offensichtlich einen massenattraktiven Kriegsfilm nach Zwick-Manier. Rollen- und Actionklischees, die sich nicht zuletzt in den blonden Haaren und blauen Augen eines Nazis ausdrücken, werden bedient. Dem eigentlichen Anliegen des Films fügen sie jedoch keinen Schaden zu zu zeigen. Er zeigt am Ende, dass Geschichte niemals eindimensional und Gewalt niemals eine Lösung sein kann.

Leif Kramp

Credits:
V:Constantin, USA 2008, R: Edward Zwick, D: Daniel Craig, Liev Schreiber, Jamie Bell u.a.

Laufzeit: 137 Min.

Kinostart:
23. April 2009


"Unbeugsam - Defiance" erzählt vom jüdischen Partisanenkampf in den Wäldern Weißrusslands.
"Unbeugsam - Defiance" erzählt vom jüdischen Partisanenkampf in den Wäldern Weißrusslands. (Constantin)

Daniel Craig baut als Tuvia Bielski in den Tiefen weißrussischer Wälder eine Heimstätte für die vor den Nazis geflüchteten Juden.
Daniel Craig baut als Tuvia Bielski in den Tiefen weißrussischer Wälder eine Heimstätte für die vor den Nazis geflüchteten Juden. (Constantin)

Eine Waffe schmückt niemanden: "James Bond"-Darsteller Daniel Craig ist in "Defiance" in der ungewöhnlichen Rolle eines Pazifisten zu sehen.
Eine Waffe schmückt niemanden: "James Bond"-Darsteller Daniel Craig ist in "Defiance" in der ungewöhnlichen Rolle eines Pazifisten zu sehen. (Constantin)

Datum: 25.04.2009

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