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Midlife Crisis auf französisch: "Tage oder Stunden"

Tage oder Stunden

(mb/tsch) Alles muss raus, denkt sich Antoine (Albert Dupontel) und beschließt, mit seinem bürgerlichen Leben Schluss zu machen. Nein, er bringt sich nicht um, aber fast. Er sägt einfach den dicken Ast ab, auf dem sein bequemes Leben thront. Arbeit, Familie, Freunde: weg damit. Regisseur Jean Becker („Ein mörderischer Sommer“) inszeniert die Midlife-Crisis dieses Mannes sehr geistreich und originell. So funktioniert die Tragikomödie „Tage oder Stunden“ auch als kluge Satire auf das französische Bürgertum. Doch das gilt leider nur für die erste Hälfte des Films, denn das kitschige und schwer nachvollziehbare Finale, in dem diese Geschichte mündet, ist alles andere als clever und originell.

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Der französische Filmemacher, der zuletzt frisch und frei in einen "Dialog mit meinem Gärtner" trat, macht die Verwirrung zum Konzept. In den ersten Minuten zerstört Antoine (Albert Dupontel) mutwillig und berechnend seine heile Welt: erfolgreich im Job, eine wohlbehütete Familie, materielle Sicherheit - all das langweilt ihn. "ich will mich lebendig fühlen", sagt er und "Ich bin doch noch jung", bevor er den größten Kunden seiner Agentur verprellt, den Rasen eines Landhauses mit einem Oldtimer umpflügt, seinen Kindern die Liebe entzieht und bei seinem Geburtstagsdinner sämtliche Freunde hübsch der Reihe nach beleidigt.

Dieser erste Akt ist wundervoll, ein mit leichtem, satirischem Strich gezeichneter Ausbruchsversuch aus dem Konventionsknast, den sich nicht einmal Antoines wunderschöne Frau Cécile (Marie-Josée Croze) erklären kann. Zumal Jean Becker mit immer neuen falschen Fährten für Verwirrung sorgt, die allzu schnell ermüdend wirkt. Irgendwann ist Antoine einfach weg, aufgebrochen nach Irland, um - hier macht "Tage und Stunden" einfach einen Salto rückwärts - einen belastenden Vater-Sohn-Konflikt zu lösen.

Die Drehbuchlogik wird spätestens hier aufgegeben. Und auch wenn das Ende in seiner Konsequenz überrascht, der Auslöser für Antoines wütend-resignative Reise hat sich schon lange erahnen lassen. Klar, alles muss raus, alles, was nervt, alles was belastet. Aber es ist ein kalkuliert-melancholisches, absurdes und schwer nachzuvollziehendes Finale, auf das Jean Becker mit immer neuen Wendungen zusteuert.

Andreas Fischer

Credits:
V:Arsenal (Central), F 2008, R: Jean Becker, D: Albert Dupontel, Marie-Josée Croze, Pierre Vancek u.a.

Laufzeit: 85 Min.

Kinostart:
30. April 2009


Freunde beschimpfen, Kunden verprellen, die Familie beleidigen: "Tage oder Stunden" ist zumindest in der ersten Hälfte eine gelungene Abrechnung mit gesellschaftlichen Konventionen, die aber in ein klebriges Finale führt.
Freunde beschimpfen, Kunden verprellen, die Familie beleidigen: "Tage oder Stunden" ist zumindest in der ersten Hälfte eine gelungene Abrechnung mit gesellschaftlichen Konventionen, die aber in ein klebriges Finale führt. (Arsenal)

Mann hinter Glas: Antoine (Albert Dupontel) fühlt sich von seinem bisherigen Leben verarscht.
Mann hinter Glas: Antoine (Albert Dupontel) fühlt sich von seinem bisherigen Leben verarscht. (Arsenal)

Antoine (Albert Dupontel) und Cécile (Marie-Josée Croze) führen eine traumhafte Ehe - bis der Gatte keine Lust mehr hat.
Antoine (Albert Dupontel) und Cécile (Marie-Josée Croze) führen eine traumhafte Ehe - bis der Gatte keine Lust mehr hat. (Arsenal)

Datum: 25.04.2009

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