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Hugh Jackman über seine X-Men-Figur Wolverine

Bloß nicht prahlen!

Schauspieler Hugh Jackman

Wenn Australier Hollywood erobern, dann verändern sie die Filmfabrik für immer: Mel Gibson transformierte den Cop-Film zum vergnüglichen Buddy-Movie ("Lethal Weapon") und brach Tabus mit seinem Jesus-Film "Die Passion Christi". Der verstorbene Heath Ledger rührte ein Millionenpublikum mit der tragischen Romanze zwischen zwei homosexuellen Cowboys ("Brokeback Mountain"). Und auch Hugh Jackman, der smarte 40-jährige Familienvater aus Sydney, hat seine Spuren hinterlassen: Vor neun Jahren wurde er zur unangefochtenen Ikone der Comic-Verfilmungen. Mit seiner Darstellung des "X-Men"-Mutanten Wolverine, dem bei steigendem Blutdruck und wachsender Wut messerscharfe Klingen aus den Handknöcheln schießen, wurde er zum derzeit gefragtesten Australier des US-Kinos, dessen Spektrum von poetischen Dramen ("The Fountain") bis hin zu großen Liebesepen ("Australia") reicht. Sein neuester Film "X-Men Origins: Wolverine" (Kinostart: 29.04.) erzählt die Anfänge seiner Paraderolle: Als Wolverine zum unbesiegbaren Helden avancierte und sein Herz verlor. Im Interview spricht Hugh Jackman über authentische Fantasien, privaten Halt und die Zukunft des Kinos.

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teleschau: Seit neun Jahren sind Sie nun schon der Gentleman mit Schwerthänden: Es muss merkwürdig sein, wenn die Schulkameraden Ihrer Kinder mit Wolverine-Actionfiguren spielen.

Hugh Jackman: Man könnte ja denken, dass es mein Sohn mit seinen neun Jahren es für ganz schön toll halten müsste, dass seine Kumpels Actionfiguren seines Vaters kaufen. Aber das scheint ihn überhaupt nicht zu interessieren. Er erzählt mir jedenfalls nichts davon, sondern verhält sich cool.

teleschau: Wie findet er selbst die Figuren?

Jackman: Ich glaube gar nicht so schlecht. Er scheint es zu mögen, ihnen den Kopf abzudrehen und ihre Gliedmaßen in unmögliche Positionen zu biegen. Man sollte dieses Spielzeug für die Psychotherapie benutzen (lacht).

teleschau: Wie lange wollen Sie Ihrer Rolle treu bleiben?

Jackman: Das wird sich zeigen. Ich kann mich erst entscheiden, wenn klar ist, ob sie den Kinogängern wirklich gefällt. Außerdem werde ich es von dem Drehbuch abhängig machen, mit dem die Geschichte weitererzählt werden soll. Zwischen dem neuen Film und der eigentlichen "X-Men"-Trilogie liegt ja inhaltlich eine Zeit von fast 30 Jahren. Es gäbe viele Möglichkeiten, diese Lücke zu füllen.

teleschau: Fühlen Sie sich nicht auch ein wenig verpflichtet weiterzumachen? Schließlich haben Sie der Rolle Ihren internationalen Durchbruch zu verdanken.

Jackman: Das stimmt natürlich, aber ich bin ohnehin dankbar für jeden Job, den ich bekomme. Ich halte es immer noch für ein seltenes Privileg, für die Schauspielerei bezahlt zu werden. Ich mache das schon mein ganzes Leben, aber Wolverine hat mir zweifellos eine ganz neue Welt eröffnet. Durch die Rolle erhielt ich Angebote, die ich mir sonst nie hätte erträumen können. Und es macht mir wirklich Spaß, ihn zu verkörpern. Auch wenn sein Bart etwas komisch ausschaut.

teleschau: Ihr neuer Film schert aus der bisherigen Tonalität der "X-Men"-Filme aus und überrascht mit einer härteren Gangart - warum?

Jackman: Der Glaubhaftigkeit wegen: Ich habe mich von vornherein dafür eingesetzt, dass es rauer werden sollte als die übrigen Comicverfilmungen mit ihrem technologischen Spielkram und knitterfreien Anzügen. Wolverine ist ja nicht stolz darauf, ein Mutant zu sein, sondern trägt starke innere Gefechte mit sich aus. Mir gefiel vor allem der Ansatz, in eine Zeit zurückzugehen, als Mutanten noch völlig unbekannt waren.

teleschau: Zur Authentizität trägt offenbar auch bei, tief ins Glas oder vielmehr in die Flasche zu schauen.

Jackman: Auch wenn es im Film so aussehen soll, dass ich nicht nur irgendeinen Alkohol trinke, sondern richtig hartes Zeug, war es in Wirklichkeit nur Eistee. Ich bin zwar in Australien förmlich mit Bier aufgewachsen, doch trinke ich mittlerweile so gut wie gar keinen Alkohol mehr. Stellen Sie sich vor, dass Sie einen Kater haben und von Ihren quirligen Kindern geweckt werden! Das verbietet sich, wenn man Kinder hat.

teleschau: Sie scheinen alles erreicht zu haben, was sich ein Schauspieler erträumen kann: Fühlen Sie sich am Ziel?

Jackman: Keineswegs. Vor allem, weil ich mir nie das erträumt hatte, wo ich jetzt bin. Wenn Sie mir vor zehn Jahren erzählt hätten, dass ich eines Tages als Actioncomic-Star berühmt sein würde, hätte ich angenommen, Sie seien auf Drogen. Die Figur entspricht schließlich ganz und gar nicht meinem wahren Charakter.

teleschau: Sie haben also auch Lust auf etwas Neues?

Jackman: Ja, ich würde unheimlich gerne mal ein Musical drehen. Überhaupt möchte ich mich mehr auf Komödien konzentrieren.

teleschau: Bekommen Sie alles, was Sie wollen?

Jackman: Ich möchte nicht behaupten, ich würde all das kriegen, wonach ich strebe. Aber versuchen werde ich es zumindest. Wissen Sie, in diesem Job fehlt es einem in erster Linie an Halt, an einem Gefühl von Sicherheit. Umso mehr weiß ich zu schätzen, dass ich meine Frau getroffen habe und wir eine Familie gegründet haben. Sie gibt mir all das, was mir bis dahin gefehlt hat.

teleschau: Sind Sie glücklich?

Jackman: Ja, das kann ich sagen, aus voller Überzeugung.

teleschau: Wir Journalisten begleiten Sie seit Ihrem ersten großen Hollywood-Erfolg von Film zu Film. Ihr Verhalten hat sich, anders als bei anderen, kaum verändert: Wie haben Sie sich Ihre Natürlichkeit bewahrt?

Jackman: Vielleicht liegt es daran, dass ich so aufgezogen wurde. Außerdem bin ich mit meiner Karriere und meinem Leben vollauf zufrieden. Ich habe nie danach gestrebt, berühmt zu sein, sondern war eher überrascht, dass sich mir all das eröffnet hat - damals wie heute. In den letzten fünf Jahren durfte ich mit so vielen herausragenden Filmemachern zusammenarbeiten: Woody Allen, Chris Nolan, Baz Lurmann. Und ich durfte sogar die Oscar-Verleihung moderieren: Ist doch klar, dass man das kaum begreifen kann - ehrlich!

teleschau: Dankbarkeit für Ihre beruflichen Chancen ist eine Sache, aber wieso begegnen Sie der Presse nicht ebenso misstrauisch wie viele Ihrer Hollywood-Kollegen?

Jackman: Das hat mehrere Gründe: Ich habe zuerst einmal selbst Journalistik studiert, war aber irgendwann der Meinung, dass ich nicht so gut darin wäre. Ich verstehe also den Zwiespalt zwischen journalistischen Idealen, die wohl jeder Journalist hat, und den Zwängen und Erfordernissen im Redaktionsbetrieb. Hinzu kommt, dass ich es wirklich genieße, First Class um den Globus zu fliegen, in den schicksten Hotels zu wohnen, mit meinem Freunden die besten Restaurants in den Metropolen der Welt zu besuchen, und nichts dafür zahlen zu müssen. Dafür setze ich mich gerne mit Journalisten zusammen und unterhalte mich ein bisschen mit ihnen. Ich fühle mich gerne in Journalisten hinein und überlege mir, was ich Hugh Jackman gerne mal fragen würde.

teleschau: Und was würden Sie ihn fragen?

Jackman: Das ist dann eher eine innere Konversation. Was mir aber wichtig ist: Ich sitze gerne mit Journalisten zusammen und führe ein echtes Gespräch, anstatt nur fünf Minuten vor eine Fernsehkamera platziert zu werden und kurz und knapp Statements über den jeweiligen Film abzugeben und Fragen zu meinem Privatleben abzublocken. Das ist ein immer gleiches Spiel auf Zeit. In solchen Situationen kann ja kein normales Gespräch zustande kommen.

teleschau: Was bedeutet Ihnen eigentlich Geld?

Jackman: Ich bin ein typisches Mittelstandskind: Mein Vater war Buchhalter, also wuchsen wir in dem Bewusstsein auf, dass wir mit Geld haushalten müssen, obwohl wir nie Geldprobleme hatten. Diese Haltung habe ich mir bis heute bewahrt: Ich hasse Verschwendung und Prahlerei, da komme ich wohl ganz nach meinem Vater. Ich versuche in der Position zu bleiben, meine Entscheidungen nie nach dem Geld zu treffen. Ich gebe ja zu, dass ich in jungen Jahren mal nach der Höhe des Schecks gegangen bin, als ich die Moderation einer Modeshow im Fernsehen übernahm. Glücklicherweise habe ich dann aus Zufall durch den Erfolg von "X-Men" mehr Geld auf einen Schlag erhalten, als ich wohl sonst jemals in meinem Leben bekommen hätte.

teleschau: Ihr Co-Schauspieler Liev Schreiber, der im Film den skrupellosen Bruder von Wolverine spielt, ist in Deutschland weniger bekannt und gilt in den USA als Star des Independent Films. Trafen da zwei Welten aufeinander?

Jackman: Er ist großartig, und ich muss zugeben, dass seine Hiebe wirklich gesessen haben. Wir hauen uns im Film ja des Öfteren die Krallen um die Ohren. Es geht eben um ein schwieriges Verhältnis unter Brüdern. Das erinnerte mich ein bisschen an die schwierige Beziehung zwischen meinem Vater und meinem Onkel (lacht). Liev ist einer der talentiertesten Darsteller meiner Generation. Außerdem hat er für seine Rolle fast 20 Kilogramm an Muskeln zugelegt. Manchmal blieb mir wirklich die Puste weg.

teleschau: Sie hatten aber auch einiges an Muskelmasse draufgepackt…

Jackman: Das stimmt, aber ich sage Ihnen was: All die Muskeln, die ich mir mühsam über ein ganzes Jahr antrainiert habe, waren nach den Dreharbeiten ruckzuck wieder weg. So was dauert allenfalls einen Monat.

teleschau: "Wolverine" kam bereits Wochen vor dem eigentlichen Filmstart in die Schlagzeilen, weil der Film illegal ins Internet gestellt wurde und weit über eine Million Nutzer ihn herunterluden. Glauben Sie als Produzent des Films, dass die Filmpiraterie langfristig zu stoppen ist?

Jackman: Es ist wirklich schwer, weil man im Filmgeschäft ab einem gewissen Punkt auf das Vertrauen all jener bauen muss, die an einer Produktion auf irgendeine Weise beteiligt sind. Wir haben zwar noch nicht herausgefunden, wer die Kopie tatsächlich ins Internet gestellt hat, aber ich bin zuversichtlich, dass wir den Übeltäter bald identifizieren werden. Es ist aber ein viel grundsätzlicheres Problem: Wenn Internetnutzer an einen Film herankommen wollen, dann schaffen sie es auch auf dem einen oder anderen Weg. Leider wird in manchen Ländern, Schweden zum Beispiel, nicht genug gegen diese Entwicklung getan.

teleschau: Gibt es alternative Wege, mit der die Filmindustrie einen gegenläufigen Trend auslösen kann?

Jackman: Wir müssen uns einfach darum kümmern, wieder mehr für die Einzigartigkeit des Kinoerlebnisses zu werben. Das kann man selbst auf dem größten Flachbildschirm im heimischen Wohnzimmer nicht nachempfinden. Große Produktionen wie "Wolverine" sind prädestiniert dafür - mit ihrer Größe, ihrem Ton, ihrer Action. Ich glaube ohnehin, dass es in Zukunft viel mehr Filme in 3D geben wird, die man nur in speziell ausgerüsteten Kinos erleben kann. Und glauben Sie mir: Bald werden die unschönen 3D-Brillen gegen schicke Modelle von Gucci und Prada ausgetauscht werden. Dann muss sich keiner beim Kino-Date mehr schämen. Dann sieht jeder cool aus.

Leif Kramp


Zu Gast am Brandenburger Tor: Hugh Jackman.
Zu Gast am Brandenburger Tor: Hugh Jackman. (2009 Twentieth Century Fox)

Hugh Jackman stellte seinen neuen Film in Berlin vor.
Hugh Jackman stellte seinen neuen Film in Berlin vor. (2009 Twentieth Century Fox)

Hugh Jackman kam nach Deutschland, um seinen Film "X-Men Origins: Wolverine" (Kinostart: 29.04.) der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Hugh Jackman kam nach Deutschland, um seinen Film "X-Men Origins: Wolverine" (Kinostart: 29.04.) der Öffentlichkeit zu präsentieren. (2009 Twentieth Century Fox)

Datum: 25.04.2009

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