Werden die Entwickler von Square Enix den hohen Erwartungen ihrer Fans gerecht? Oder erweist sich Teil 13 als Unglückszahl für die "Final Fantasy"-Saga?
Das erste "Final Fantasy" für PS3 und Xbox 360 soll die prominente Rollenspiel-Reihe nicht nur technisch ins neue Konsolen-Zeitalter katapultieren. Auch spielerisch wagten die Entwickler von Square Enix eine Neuausrichtung. Teil 13 ist schlanker, schicker und geradliniger als die Vorgänger - dadurch aber auch ein wenig abwechslungsärmer.
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Keine Bange: Vorkenntnisse sind nicht nötig. Wie die meisten vorangegangenen Episoden entwirft auch "Final Fantasy XIII" eine eigenständige Welt - in diesem Fall eine zerrissene: Die Bürger von Cocoon sind Gefangene in ihrer eigenen, von einer Sphäre eingeschlossenen Stadt - jede Berührung mit der Außenwelt "Pulse" ist verboten. Und lässt sich aller Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz in Cocoon mal ein höheres Kristallwesen aus Pulse blicken, dann bricht die Hölle los: Denn die riesenhaften Erscheinungen - eine merkwürdige, Golem-artige Symbiose aus Magie und Hi-Tech - stehen in dem Ruf, die Bewohner Cocoons für ihre Zwecke zu missbrauchen. Darum werden von einem sogenannten "Fal'Cie" heimgesuchte Bezirke durch das Militär abgeriegelt und seine Bewohner kurzerhand in die vermeintlich schadhafte Außenwelt deportiert.
Weil sich die Mitglieder der neuen "Final Fantasy"-Truppe diese Behandlung nicht mehr länger gefallen lassen wollen, sagen sie dem System und seinen maskierten Schergen den Kampf an. Darüber hinaus treiben die Soldatin Lightning, den Mützenträger Snow, die Teenies Vanille und Hope sowie den schusseligen Pilot Sazh aber auch persönliche Beweggründe an, über die man allerdings erst spät in Flashbacks etwas erfährt.
Ohnehin das größte Problem dieser Mammutproduktion, die auf einer Blu-ray (PS3) und drei DVDs (Xbox 360) ausgeliefert wird: Das Ganze kommt anfangs nur langsam in Fahrt und konfrontiert den Spieler mit vielen exotischen Begriffen und Umständen, liefert aber für all das nur wenige Erklärungen. Wer dennoch dranbleibt, wer dem japanischen Hang zu einer wirren Erzählweise, Kitsch und Pathos standhält, der wird belohnt - mit einem gewaltigen Umfang (50 Stunden und mehr), einer erstklassigen Inszenierung und einer Geschichte, die dramaturgisch durchaus zu überzeugen weiß ...
Denn allen Helden gemein ist schon nach den ersten paar Spielstunden ein magisches Mal, das sie zwingt, im Sinne der "Fal'Cie" eine Art heilige Mission zu erfüllen, gleichzeitig aber auch brandmarkt. Kaum verwunderlich, dass sich die Gruppe bald auf der Flucht befindet. Zahllose Gefechte sind also vorprogrammiert.
Nur gut, dass Square Enix für das neue "Final Fantasy" raffinierte Keilereien bereithält: Hier werden Elemente taktischer Rundengefechte so geschickt mit flotten Echtzeit-Attacken kombiniert, dass selbst Serien-Neulinge gut zurechtkommen. Nach wie vor wird nach der Konfrontation mit grotesken Monstern oder bewaffneten Handlangern in einen extra Kampfbildschirm umgeblendet. Dort entscheidet sich der Spieler per Menüwahl, ob er das Feindgetier mit mächtigen Spezialangriffen eindeckt, tief in die Zaubertrickkiste greift - oder all diese Angriffsformen zu einer tödlichen Serie unterschiedlicher Attacken aneinanderreiht.
Wer sich aber bei der Wahl seiner Mittel zu viel Zeit lässt, der steckt unterdessen tüchtig Treffer ein, denn in "Final Fantasy XIII" warten die Gegner nicht höflich auf die Eingabe des Spielers. Zum Glück für alle, die unter Zeitdruck schlecht umfangreiche Strategien planen können, muss der Spieler hier nicht mehr alle Mitglieder seines Kämpfer-Trios individuell kommandieren: Stattdessen ist es ab sofort nur noch der Leithammel, der Schritt für Schritt wissen will, wie und mit welchen Techniken er sich ins Getümmel stürzen soll. Der Rest der Truppe dagegen orientiert sich an einem Verhaltensmuster, das man vor oder während der Schlacht vorgibt: Je nachdem, welches dieser "Paradigmen" gewählt wird, ist die Gruppe besonders aggressiv oder darum bemüht, angeschlagene Gefährten zu schützen und durch den Einsatz unterstützender Zauberkunststücke den Rücken zu stärken.
Ausgesprochenen Rollenspiel-Enthusiasten mag diese drastische Entschlackung des Kampfsystems ähnlich gegen den Strich gehen wie die ungewöhnlich geradlinig gehaltene Spielwelt mit ihren geradezu schlauchartigen Szenarien. Aber wenn es um Charakter-Design und Schauwerte geht, dann geben sich die Japaner nach wie vor keine Blöße: Herrliche, nach Vorlagen von Kult-Illustrator Yoshitako Amano gestaltete Hintergründe wetteifern einmal mehr mit fantastischem Monster-Design, Popstar-artig inszenierten Helden und phänomenal aufwendigen Zwischensequenzen.
Fazit: "Final Fantasy 13" präsentiert sich gewohnt spektakulär und dennoch aufs Wesentliche reduziert. Nebenaufträge, Rätsel, Helden- und Ausrüstungspflege - das alles wurde deutlich entschlackt. Inhaltlich mutet man geneigten Spielern jedoch mehr denn je zu.
Robert Bannert
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