"Die weiße Massai" scheitert an der zu großen Fremdheit
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Die weiße Massai
Eher für Klasse statt Masse(npublikum) sind Regisseurin Hermine Huntgeburth und Charakterdarstellerin Nina Hoss bekannt. Erstere, Spezialistin für Literaturverfilmungen ("Effi Briest"), ist wieder frisch gekürte Grimme-Preisträgerin für ihren TV-Zweiteiler "Teufelsbraten" (nach Ulla Hahns Roman "Das verborgene Wort"). Nina Hoss, die immer wieder preiswürdig die geheimnisvolle Unnahbare gibt, ist seit Kurzem in dem deutsch-spanischen Drama "Die Frau des Anarchisten" als Kämpferin gegen das Franco-Regime im Kino zu sehen. Doch mit "Die weiße Massai" gelang den beiden Frauen gemeinsam auch ein Kassenschlager: Der Film war mit 2,2 Millionen Besuchern die kommerziell erfolgreichste deutsche Produktion im Jahr 2005 und ist nun - nach der Free-TV-Premiere bei Sat.1 vor einem Jahr - im Ersten zu sehen.
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Die Welt ist ein Dorf, und es liegt im Herzen Kenias. Es ist die Welt des Stammeskriegers Lemalian. Aus ihr kann er nicht ausbrechen. Und es ist schwer für Außenstehende, diesen Mikrokosmos zu verstehen. Eine Touristin, von Magenkribbeln beim Anblick des edlen Wilden übermannt, versucht es dennoch und folgt ihm in die Wildnis. Sie scheitert. Hermine Huntgeburth verfilmte die Autobiografie von Corinne Hofmann und inszenierte ein Liebes- und Gesellschaftsdrama, das auf gängige Klischees beim Aufeinanderprallen der Kulturen verzichtet.
Erzählt wird die Geschichte von Carola (Nina Hoss erhielt für ihre Darstellung der mutigen Frau den Bayerischen Filmpreis) und Lemalian (Jacky Ido, ab 20. August auch in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" zu sehen). Es ist die Geschichte der Gegensätze der westlichen Zivilisation und eines urtümlichen Afrikas. Carola, mit ihrem Freund Stefan (Janek Rieke) im Kenia-Urlaub, verliebt sich in einen bunt geschmückten Massai-Krieger vom Stamme der Samburu. Kurz vor der Heimreise sagt sie am Flughafen plötzlich: "Ich komme nicht mit, Stefan".
Carola macht sich auf die Suche nach Lemalian, und die führt sie weit abseits der Touristen-Routen. In Maralal trifft sie die deutsche Auswandererin Elisabeth (Katja Flint), die mit einem kenianischen Mann verheiratet ist. "Wenn er sich für dich entscheidet", gibt sie Carola den Rat, "wird er kommen und dich zu ihm holen". Carola wartet, sehnt sich, und plötzlich steht der schillernde, edle Wilde vor ihrer Tür.
Es ist der Anfang vom Ende. Lemalian verhält sich in seinem Dorf stammesgerecht. Frauen sind nicht viel wert, doch der stolze Krieger versucht den Spagat zwischen den Kulturen zu meistern. Carola bleibt nicht lange die Fremde, doch nach und nach versucht die weiße Frau, der schwarzen Gesellschaft ihren Stempel aufzudrücken. Sie eröffnet mitten im kenianischen Busch einen Tante-Emma-Laden und erhebt unbewusst ihre Lebensvorstellung über die ihrer neuen Heimat.
"Die weiße Massai" wurde unweit der Originalschauplätze gedreht, wo Schriftstellerin Corinne Hofmann mit ihrem damaligen Samburu-Krieger Lketinga vier Jahre lang lebte. Die Missionsstation, die im Film zu sehen ist, wurde nach den Aufnahmen zu einer Schule umgebaut, die vom Produktionsteam finanziert wird. Die Autobiografin begleitete die Dreharbeiten, nachdem sie 14 Jahre zuvor mit der gemeinsamen Tochter ihre Koffer gepackt und Kenia den Rücken gekehrt hatte. "Vieles hat sich verändert", stellte die ehemalige weiße Massai fest. "Es ist traurig mit anzusehen, wie diese Kultur verschwindet. Ich glaube nicht daran, dass sie überdauert."
Mona Petri
Carola (Nina Hoss) wird von den Frauen des Stammes herzlich aufgenommen. (ARD / Degeto)
Am letzten Tag der Ferien lernt Carola den Einheimischen Lemalian (Jacky Ido) aus dem Stamme der Samburu, eines Nebenstammes der Massai, kennen. (ARD / Degeto)
Lässt sich Carolas (Nina Hoss) Leben mit dem von Lemalian (Jacky Ido) vereinbaren? Zu unterschiedlich scheinen ihre Vorstellungen von einem gemeinsamen Leben zu sein und zu viele Abgründe entdeckt sie in ihm ... (ARD / Degeto)
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