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Tykwers "Das Parfum" hat nichts von der Faszination des Buches

Das Parfum - Geschichte eines Mörders

Zweifellos ist es ein Ding der Unmöglichkeit, Gerüche sichtbar zu machen. In "Das Parfum" wird es hin und wieder versucht, und wenigstens einmal, gleich zu Beginn, gelingt es Regisseur Tom Tykwer, mittels einer unfassbar ekelerregenden Szenerie fast, eine Art "gefühlten" Gestank zu kreieren. Was am 17. Juli 1738 in Paris in größtmöglicher Widerwärtigkeit, inmitten stinkender Fischabfälle, seinen Anfang nimmt, ist das aberwitzige Leben von Jean-Baptiste Grenouille, eines Serienkillers, dessen fantastische Biografie seit der Erstauflage von Patrick Süskinds Roman "Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders" weltweit mehr als 15 Millionen Leser fesselte. Produzent Bernd Eichinger nahm 50 Millionen Euro für die teuerste deutsche Produktion aller Zeiten in die Hand und versuchte mit Hilfe des "Lola rennt"-Regisseurs und internationaler Stars den abscheulich-faszinierenden Protagonisten endlich zum Leinwand-Ereignis zu erheben. Rund fünfeinhalb Millionen Kinobesucher waren der Lohn. Sat.1 zeigt eine mit 132 Minuten nur wenig gekürzte Fassung als Free-TV-Premiere.

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Vorweg: Das mit der opulent-widerlichen Geburtsszene abgegebene Versprechen, dies könnte einer der sinnlichsten Filme aller Zeiten werden, wird eingehalten. Aber anders als beim Buch, das zum guten Teil über die Sprachkunst Süskinds funktioniert, fällt der emotionale Zugang zu dem Historien-Krimi schwer.

Was kann er dafür? Er ist weiß Gott kein ruchloser Mörder, dieser Jean-Baptiste Grenouille. All die jungen Dinger schlachtet er nicht etwa aus niederen Instinkten ab - sondern er wird, was ihn gewissermaßen in kindlicher Unschuld belässt, von einem höheren, für niemandem sonst auch nur im Ansatz begreiflichen Ideal geleitet. Fast könnte, ja eigentlich müsste man Mitleid haben mit dieser vom erst 25 Jahre alten Newcomer Ben Whishaw unglaublich intensiv verkörperten dürren, geschundenen Kreatur in der Gestalt des dereist von Patrick Süskind erfundenen Serienkillers. Jenes mysteriösen Jungen, dem von der Natur absolut nichts mitgegeben wurde - außer der göttlichen, oder eher teuflischen Gabe einer übermäßigen olfaktorischen Wahrnehmung.

Ja, riechen kann er, der Grenouille, wie kein Zweiter auf dieser Welt. Schnell findet der selbst ohne jeden Eigengeruch, ohne Identität durch das stinkende Paris des 18. Jahrhunderts stolpernde Waisenjunge heraus, dass der betörendste von allen Düften von zarten, wunderhübschen Jungfrauen ausgeht. Aber wie diesen herrlichen Duft konservieren, wie ihn in ein vollkommenes, einzigartiges Parfum integrieren? Grenouille muss lernen. Und der legendäre Pariser Pafumeur Baldini ist gewillt, das ungestüme Talent einzuweihen in die hohe Kunst des Destillierens von Essenzen.

Dustin Hoffman steuert als etwas abgehalfteter, aber immerhin korrekt gepuderter König der Düfte mit seiner ganzen spielerischen Souveränität die einzige leichte Note zu dem ansonsten schwerblütigen Geschehen bei. Aber Baldini bleibt, wie alle anderen, nur eine Nebengestalt in Grenouilles Dasein, das einzig vom Streben nach olfaktorischer Perfektion bestimmt wird. Er gerät zum großen Künstler - einzigartig als Parfumeur und als Mörder. Nur zum Helden reicht es - trotz größter Anstrengungen - nicht. Im Gegensatz zu Süskinds großem Roman, der die Leidenschaft des Lesers über den gesamten absurden Werdegang Grenouilles hinweg zu binden vermochte, ist einem der Film-Grenouille emotional weitgehend gleichgültig.

Es ist nicht so, dass da gar nichts wäre. Irgendetwas zwischen Abscheu und Mitleid, zwischen Antipatie und Faszination wird wohl aufgebaut in dem weit über zweistündigen Filmepos. Nur hat der Zuschauer am Ende immer noch keinen Schimmer, was genau er mit diesem Jean-Baptiste Grenouille anfangen soll. Dieser abscheuliche Held lässt jede Spur von Eindimensionalität, an die man sich heften könnte, vermissen, kein Zug an ihm taugt als Projektionsfläche. Man kann den stets eigentümlich traurig und etwas verwirrt blickenden Grenouille weder hassen noch lieben, und schon gar nicht gelingt es, ihn zu verstehen.

Frank Rauscher


Der Anfang einer Karriere als Serienmörder: Grenouille (Ben Whishaw) hindert das Mirabellen-Mädchen (Karoline Herfurth) daran, sich bemerkbar zu machen.
Der Anfang einer Karriere als Serienmörder: Grenouille (Ben Whishaw) hindert das Mirabellen-Mädchen (Karoline Herfurth) daran, sich bemerkbar zu machen. (Sat.1 / Constantin Film Verleih GmbH)

Und wieder ein Opfer: Grenouille (Ben Whishaw) hat ein Mädchen getötet, um ihren Duft zu konservieren.
Und wieder ein Opfer: Grenouille (Ben Whishaw) hat ein Mädchen getötet, um ihren Duft zu konservieren. (Sat.1 / Constantin Film Verleih GmbH)

Die Schönste von allen: Kaufmannstochter Laura (Rachel Hurd-Wood).
Die Schönste von allen: Kaufmannstochter Laura (Rachel Hurd-Wood). (Sat.1 / Constantin Film Verleih GmbH)

Datum: 31.05.2009

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Artikel ID 216934

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