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Geschichten aus der Unterschicht: "Neulich in Belgien"

Neulich in Belgien

(mb/tsch) Der Film „Neulich in Belgien“ erzählt eine Geschichte, wie sie nur das Leben schreiben kann: ehrlich, unverfälscht, unmittelbar und mit einer gehörigen Portion subtiler Tragikomik. Es geht um Matty und Johnny, zwei ganz normale Menschen aus der Unterschicht, und um ihren ganz normalen Alltag, der sich für sie zum gröβten Teil an einem Postschalter und für ihn in einem Lkw abspielt. Ihr Leben birgt keine Überraschungen, keine groβen Emotionen. Bis der Familienwagen der gestressten, alleinerziehenden Matty und der Lkw des 12 Jahre jüngeren Johnny zusammenstoβen. Aber auch dann ändert sich nichts wirklich, auβer dass ab dann „Neulich in Belgien“ zu einer Art Liebesfilm wird.

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Christophe van Rompaey zeigt mit leisem Humor, was "Neulich in Belgien" passierte, als eine vom Alltag gestresste 40-jährige Mutter beschloss, sich auf einen wesentlich jüngeren Brummi-Fahrer einzulassen. Das 2008 entstandene ansehnliche Unterschichten-Drama mit vielen humorvollen Tönen erscheint mit passendem Bild und zumeist eher unauffälligem Sound sowie einem sehenswerten Making Of auf DVD.

"Rumms" macht es auf dem Parkplatz, und Mattys ohnehin kompliziertes Leben wird noch etwas verworrener. In der Mitte des Lebens angekommen, wurde sie von ihrem Mann gerade für eine Jüngere verlassen und schlägt sich mit ihren beiden Kindern alleine durch. Dann gibt es zu allem Überfluss auch noch diesen Zusammenstoß mit Johnnys Lkw. Und der Typ lässt sich nicht abschütteln, entflammt in Liebe ungeachtet des Altersunterschiedes. Zwölf Jahre ist er jünger, der heißblütige König der Landstraße in Christophe van Rompaey umwerfend gefühlsechter Geschichte, die sich "Neulich in Belgien" zugetragen haben könnte, aber im Prinzip universell ist.

Sein Blick auf die schwierigen Phasen des ganz normalen Lebens ist aber nicht weniger authentisch. In jeder Szene stecken die Unmittelbarkeit des Lebens und der dazugehörige subtile Witz. Ein einfaches Mittagessen wird so zum Ereignis. Blutwurst gibt es bei Matty (großartig: Barbara Sarafian) und ihren Kindern, der Pubertäts-verwirrten Vera (Anemone Valcke) und ihrem kleinen Bruder.

"Neulich in Belgien" ist voll von dem subtilen Witz, den das Leben auch in extrem schwierigen Situationen bereithält. Diese Alltagsbetrachtung ist ehrlich und unverfälscht - klingt nach billiger Lastwagen-Poesie, die Johnny verfasst, schmeckt nach Sauerkraut und riecht nach Mattys muffigen Postschalter. Alles ist hier normal. Und das Drehbuch schreibt niemandem die Wandlung zu einem perfekten Menschen vor.

Das Bild dieses Dramas ist scharf und unterstützt mit seinem billigen Look gut die Atmosphäre des Films. Der DVD-Ton spielt sich zumeist in den Front-Boxen ab, Surround-Feeling gibt es nur, wenn der Soundtrack läuft oder kurz bei dem anfänglichen Unfall. Bei den Extras weiß das 40-minütige Making Of zu gefallen, während die Doku über die Premiere enttäuscht.

Andreas Fischer

bewertungsbox

bildformat 1,78:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Flämisch (5.1)
untertitel Deutsch
extras Making Of; Premierenbericht
laufzeit 102 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 17 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton befriedigend
bewertung extras befriedigend

Credits:
(B 2008, R: Christophe van Rompaey, D: Barbara Sarafian, Jurgen Delnaet, Johan Heldenbergh u.a.)


Ungeschönte, aber witzige Betrachtung des Alltags: "Neulich in Belgien".
Ungeschönte, aber witzige Betrachtung des Alltags: "Neulich in Belgien". (Senator)

Dank der Hartnäckigkeit von Johnny (Jurgen Delnaet) wird Matty langsam gelassener.
Dank der Hartnäckigkeit von Johnny (Jurgen Delnaet) wird Matty langsam gelassener. (Senator)

Der junge Trucker Johnny (Jurgen Delnaet) hat sich schwer in Matty (Barbara Sarafian) verknallt.
Der junge Trucker Johnny (Jurgen Delnaet) hat sich schwer in Matty (Barbara Sarafian) verknallt. (Senator)

Datum: 21.05.2009

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