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Die Aura des RealenSchauspieler Ben Stiller Ben Stiller ist fleißig. Sehr fleißig. Nicht weniger als sechs Filme sind aktuell in Produktion, in denen der smarte Hollywood-Komiker die Hauptrolle spielt. Mit 43 Jahren hat Stiller seinen jungenhaften Charme immer noch nicht eingebüßt, der ihn an der Seite von Cameron Diaz in "Verrückt nach Mary" 1998 zum Durchbruch verhalf und seither von Erfolg zu Erfolg trägt. Zum Interview im Londoner Nobelhotel Dorchester kommt der zweifache Familienvater mit fast schulterlangen Haaren und formbetontem T-Shirt und gibt sich, als sei er gerade zufällig in der Gegend, als könnte er einen Plausch vertragen. In seiner neuen Komödie "Nachts im Museum 2" (Start: 21.05) kehrt er als Museumswächter Larry Daley auf die Leinwand zurück, um seinen lieb gewonnen, lebendigen Ausstellungsstücken aus dem ersten Abenteuer zur Seite zu stehen. Ein Gespräch über Museumsfreud und -leid und die Schwierigkeit, trotz Karrierehoch das seelische Wohl seiner Kinder im Auge zu behalten. teleschau: Mr. Stiller, welcher Typ von Museumsbesucher sind Sie? Ben Stiller: Da halte ich es ganz klassisch: Mich reizen vor allem die Objekte, all die Realien, die eine ganz eigene Aura verströmen. Das liegt vermutlich daran, dass ich als Kind mit meinen Eltern häufig in derlei Museen gegangen bin. teleschau: Dann werden Sie auch heute wieder zum Kind? Stiller: Nun, ich spüre jedenfalls ein seltsames Kribbeln, wenn ich in eine dunkle Museumshalle gehe. Das hat für mich ein magisches Flair, der kaum zu erklären ist. Damals gab es auch noch keine interaktiven Medientechnologien und sonstige neumodische Elektronik. Damit wir uns nicht missverstehen: Ich finde diese innovativen Museumsangebote super - vor allem, wenn sie dabei helfen, kleinen Kindern Lust auf einen Museumsbesuch zu machen. Nur seien wir doch ehrlich: Ein solch verblüffend realistisches Hologramm wie im Film habe ich in Wirklichkeit noch nie in einem Museum gesehen. Dafür muss man immer noch ins Kino gehen. teleschau: Dabei wirkt genau dieses Hologramm des ehemaligen US-Präsidenten Theodor Roosevelt im Erzählzusammenhang Ihres Films wie ein trauriger Abgesang auf eine altbackene Museumskultur. Stiller: Das ist dem Pragmatismus der Handlung geschuldet: Wir mussten einen Weg finden, die Charaktere des ersten Films wieder mit einzubinden, ohne dieselbe Geschichte noch einmal zu erzählen. Dafür war ein Ortswechsel nötig. Dem technischen Schnickschnack fällt also ein wenig die Rolle des Sündenbocks zu. Es sollte aber keinesfalls als Grundsatzkritik an interaktiven Museen gesehen werden. teleschau: Bleibt Ihnen noch Zeit, mit Ihren zwei Kindern selbst ins Museum zu gehen? Stiller: Klar, das ist sogar gar nicht so selten. Es ist natürlich immer grenzwertig, weil ich in der Regel schnell erkannt werde und die Leute Fotos von sich mit uns schießen möchten. Das ist zweifellos alles verständlich und auch sehr nett, aber für meine Kinder ist das eine schwierige Situation, weil sie nicht verstehen, warum ich mich ständig mit anderen Leuten unterhalte. Kinder wollen, dass sich ihr Papa um sie und nichts anderes kümmert. Und wenn man was mit ihnen unternimmt, soll ihnen auch die gesamte Aufmerksamkeit gehören. teleschau: Haben Sie sich als Kind auch für Geschichte interessiert? Stiller: Ich war absolut vernarrt in Geschichte und habe mich besonders in die Antike vertieft, hauptsächlich Römer und Ägypter. Aber auch die frühe amerikanische Geschichte hat mich immer schon fasziniert. teleschau: Wie lässt sich dieses Interesse auch bei den Kindern von heute erwecken? Stiller: Meiner Meinung nach geht es darum, ein gesundes, natürliches Interesse für die Geschichte zu entfachen. Es muss in jungen Jahren gar nicht um eine differenzierte Auseinandersetzung mit bestimmten Entwicklungen gehen, sondern darum, Lust am Magischen, am Wundersamen der Historie zu wecken. Wenn man weiter heranwächst, lernt man ganz automatisch die komplizierten Hintergründe. Wenn erst einmal das Interesse da ist, ist bereits ein wichtiges Ziel erreicht. teleschau: Was hat Sie schließlich dazu ermutigt, ein zweites Mal in die Uniform des Museumswächters zu schlüpfen? Stiller: Ich hätte mich nicht für eine Fortsetzung entschieden, wenn mir der erste Film nicht einen solchen Spaß gemacht hätte. Hinzu kam, dass ich das Szenario, das hinter der Geschichte steckt, also zum Leben erwachende Ausstellungsstücke, noch besser erzählen wollte. All das positive Feedback, das wir von Kindern auf das erste Abenteuer im American Museum of Natural History bekommen haben, verlangte förmlich danach. teleschau: Versprechen Sie sich ein erneutes Aufflammen von Euphorie bei Kindern? Nach dem ersten Film stürmten sie das New Yorker Naturgeschichte-Museum geradezu ... Stiller: Die Ticketverkäufe des Museums schossen nach dem Kinostart von Teil eins merklich in die Höhe, das stimmt. Plötzlich wollten sich viele Kinder offenbar selbst vergewissern, ob das Saurierskelett tatsächlich lebendig werden kann. Aber was das Smithsonian angeht, wo ja Teil zwei spielt, bezweifle ich, dass sie überhaupt auf einen Anstieg der Besucherzahlen angewiesen sind. Der Museumskomplex gehört ja schon lange zu den beliebtesten Touristenattraktionen der Vereinigten Staaten. Aber man könnte in Zukunft ja Museumsfilme drehen, die kleineren Einrichtungen zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. teleschau: Ist schon ein dritter Teil geplant? Stiller: Ob wir eine weitere Fortsetzung drehen, hängt natürlich davon ab, wie der aktuelle Film beim Publikum ankommt. Aber mir schwebt schon einiges vor: Wir könnten nach Europa gehen und uns dort einen interessanten Ort aussuchen. Der Louvre ist aber schon allzu sehr DaVinci-codiert, da hat sich Tom Hanks schon herumgetrieben. Vielleicht sollten wir mit den lebendigen Exponaten mal vollkommen die Museumsmauern hinter uns lassen: Raus in die Welt mit ihnen! teleschau: Apropos lebendige Exponate: Ein Großteil des Films stammt aus dem Computer. Wie schwer gestalten sich dadurch die Dreharbeiten? Stiller: Es ist unheimlich schwierig, wenn der Gegenpart aus Luft besteht und man sich einbilden muss, vor der grünen Wand stehe man nicht nur selbst. Ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnen können und muss jedes Mal erneut kämpfen und Energie aufbringen, um nicht allzu gekünstelt rüberzukommen. Improvisieren ist in solch einer Atmosphäre kaum möglich, weshalb dann auch mal der Regisseur aushelfen muss, indem er mir etwas aus dem Hintergrund zuruft. teleschau: Wenn Sie zurückschauen auf Ihre Karriere: Gibt es Filme, bei denen Sie lieber im Nachhinein abgesagt hätten? Stiller: Man trifft in seiner Karriere immer gute und schlechte Entscheidungen. Und glauben Sie mir: Mir sind auch einige Stinker untergekommen, seit ich angefangen habe, Filme zu drehen. Woher soll ich auch wissen, ob ein Film gut oder schlecht wird? "Neid" zum Beispiel, ein Film, den wohl kaum jemand gesehen hat, hat mir zwar Spaß gemacht, aber naja. Hauptsache, ich gebe mein Bestes. Als ich das Drehbuch zu "Nachts im Museum" las, konnte ich nicht wissen, dass daraus ein Riesen-Erfolg werden würde. Ich habe einfach auf meinen Instinkt vertraut, mit anderen Worten: Mir hat's gefallen. teleschau: Jetzt untertreiben Sie aber, schließlich sind Sie bekannt für Ihr enzyklopädisches Wissen über die Filmindustrie und ihre Netzwerke in Regie-, Schauspiel- und Autorenkreisen. Stiller: Das bringt es halt mit sich: Ich blicke mittlerweile auf eine fast 25-jährige Karriere zurück, drehe Filme, seit ich 19 Jahre alt bin. Auf meinem Weg habe ich viel gelernt und nie aufgehört, weiter hinzuzulernen. Außerdem habe ich so viele Fehler gemacht, dass ich mich für die Zukunft wappnen wollte. Ich habe immer mit den besten Leuten arbeiten wollen - und nutze meine Chancen. teleschau: Werden Sie dem Komödiengenre irgendwann einmal Lebewohl sagen? Stiller: Ich möchte niemals stehenbleiben und nur eine Art von Film machen, auch wenn ich gut in einer Sache bin. Ich genieße es sehr, auch als Regisseur an ganz unterschiedlichen Stoffen zu arbeiten. Gerade habe ich das "Greenburg"-Projekt abgeschlossen mit dem Filmemacher Noah Baumbach, ein wirklich tolles Drehbuch eines Autors, in dessen Hände ich mich ohne Zweifel begeben konnte. Es ist ein schönes Gefühl, einem Regisseur und Autor vertrauen zu können, weil ich weiß, welch großes Talent er besitzt. teleschau: Wie bauen Sie sich selbst wieder auf, wenn es mal nicht so reibungslos läuft? Stiller: Wenn ich mich an einem Tiefpunkt fühle, wenn ich mit mir selbst nicht zufrieden bin, ein Film nicht so geworden ist, wie ich es mir erhofft habe, oder wenn die Leute sagen, dass man einfach nur schlecht war, dann wache ich am nächsten Morgen auf und wundere mich: Hey, ich bin immer noch da! So etwas bedeutet nie das Ende der Welt. Es geht immer nur vorwärts, wohin sonst? Es sei denn, man schmeißt alles hin. teleschau: Davon sind Sie offensichtlich weit entfernt. Ihr Kollege Hugh Jackmann erzählte kürzlich anlässlich des Starts seines neuen Kinofilms, dass sein achtjähriger Sohn gern vor älteren Mädchen damit angebe, dass sein Vater die berühmte Comicfigur Wolverine sei. Neigen Ihre Kinder zu ähnlichen Prahlereien? Stiller: Klar, sie erzählen natürlich auch wild herum, ich sei Wolverine. (lacht) Nein, im Ernst: Meine Tochter ist sieben Jahre alt und hat glücklicherweise einen ausgeprägten Sinn dafür, meinen Job als Schauspieler von meiner Rolle als Vater zu trennen. Sie interessiert sich sehr für meine Filme, ist aber nicht so sehr davon beeindruckt, wie man annehmen könnte. Natürlich wird sie in der Schule häufig mit meinen Filmen konfrontiert und muss mit meinem Bekanntheitsgrad zurechtkommen. Ich halte es aber grundsätzlich für eine gute Sache, mit Schauspielern als Eltern aufzuwachsen, weil man dadurch eine ganz entspannte Sicht auf die Unterhaltungsindustrie bekommt. Trotzdem kann es als Kind schwer sein, weil man seine eigene Identität konstruieren möchte. Ich versuche also, sehr sensibel damit umzugehen. Leif Kramp |
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